Foto: Person sortiert Gemüse in einer offenen Kochbox auf einer sauberen Küchenarbeitsplatte
© Black Forest Labs / Flux

Marley Spoon: Die Rettung köchelt bis März weiter

3 Min.
Teilen

Marley Spoon braucht mehr Geld und mehr Zeit: Der Kochboxen-Anbieter stockt seine Brückenfinanzierung bei Runway Growth Finance von 8,1 auf bis zu 11,7 Mio. Euro auf, berichtet Retail-News.de. Das Geld fließe nur gegen erreichte Sanierungsmeilensteine. Die eigentliche Refinanzierung rutsche von Ende November auf Ende März 2027. Dabei ist Marley Spoon laut Bonafideresearch.com in Australien hinter HelloFresh die Nummer zwei unter den Kochboxen-Anbietern. Im ersten Halbjahr sei der Konzernumsatz um 24 Prozent auf 105,6 Mio. Euro geschrumpft, der Nettoverlust auf 16,9 Mio. Euro geklettert.

Marley Spoon braucht für seine Restrukturierung mehr finanziellen Spielraum und mehr Zeit. Der Kochboxen-Anbieter hat die mit Runway Growth Finance vereinbarte Brückenfinanzierung aufgestockt: Der maximal verfügbare Rahmen steigt von 8,1 Millionen auf bis zu 11,7 Millionen Euro, wie Retail-News.de berichtet. Die zusätzlichen Mittel sind für den Liquiditätsbedarf während der Sanierung vorgesehen, stehen aber nicht automatisch vollständig zur Verfügung. Auszahlungen bleiben an Bedingungen und erreichte Sanierungsmeilensteine gebunden.

Finanzielle Übergangsphase verlängert sich

Die geplante umfassende Refinanzierung verschiebt sich deutlich. Statt bis Ende November 2026 soll die finanzielle Neuordnung nun bis Ende März 2027 abgeschlossen werden. Damit verlängert sich die Übergangsphase um vier Monate. Bereits genutzte Überbrückungsmittel sollen später auf die neue Finanzierung angerechnet werden, die bestehende Kreditvereinbarungen vollständig ersetzen soll.

Die Aufstockung der Brückenfinanzierung entspricht einem Plus von rund 44 Prozent. Sie zeigt, wie angespannt die Lage bleibt. Marley Spoon arbeitet parallel an Kostensenkungen, einer effizienteren Steuerung der Marketingausgaben und Anpassungen in einzelnen Landesgesellschaften. Ziel ist eine tragfähigere Kosten- und Finanzierungsstruktur für das abonnementbasierte Kochboxengeschäft.

Sanierung trifft auf schwächere Geschäftszahlen

Die operative Entwicklung erhöht den Druck. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Konzernumsatz um rund 24 Prozent auf 105,6 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg der Nettoverlust von 7,1 Millionen auf 16,9 Millionen Euro. Auch das bereinigte Operating EBITDA drehte von plus 5,6 Millionen Euro auf minus 6,8 Millionen Euro. Der operative Cashflow verschlechterte sich ebenfalls: Nach einem Mittelzufluss von 2,1 Millionen Euro im Vorjahr verzeichnete Marley Spoon einen Abfluss von 4,5 Millionen Euro.

Zum 30. Juni verfügte der Konzern über liquide Mittel von 7,6 Millionen Euro. Dem standen verzinsliche Finanzverbindlichkeiten von rund 105,5 Millionen Euro gegenüber. Damit bleibt die Refinanzierung ein zentraler Baustein der Sanierung. Die Mittel aus der Brückenfinanzierung verschaffen Zeit, ersetzen aber noch keine langfristige Lösung.

Kostenbasis soll schlanker werden

Ein weiterer Hebel ist der Personalabbau. Ende September kündigte die Gruppe an, die weltweite Belegschaft um rund 21 Prozent zu reduzieren. Betroffen sind Aktivitäten und Standorte in Deutschland, Portugal, den USA und Australien. Ein vollständiger Rückzug aus diesen Märkten ist nach Unternehmensangaben nicht vorgesehen; die Geschäfte sollen mit schlankeren Strukturen fortgeführt werden.

Auch die laufenden Aufwendungen bleiben im Fokus. Trotz sinkender Umsätze stiegen die Marketingausgaben im ersten Halbjahr von 20,2 Millionen auf 21,1 Millionen Euro. Ihr Anteil am Umsatz erhöhte sich damit von etwa 15 auf 20 Prozent. Für Marley Spoon wird es damit wichtiger, Kundengewinnung, Produktion und Logistik effizienter zu steuern, ohne die Nachfrage zusätzlich zu belasten.

In Australien gilt Marley Spoon laut Bonafideresearch.com hinter HelloFresh als Nummer zwei unter den Kochboxen-Anbietern. Die Marktposition ändert jedoch nichts an der finanziellen Belastung durch Umsatzrückgang, Verluste und Schuldenstand. Der nächste zentrale Prüfpunkt ist der Abschluss der umfassenden Refinanzierung bis Ende März 2027.

Teilen

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

10.800+ Entscheider lesen das Morning Briefing · ≈ 50 % Öffnungsrate

  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.