Axel Springer zeigt grundsätzlich Interesse an Tiktoks Europa-Geschäft, meldet Manager-Magazin.de. Aktuell stelle sich die Frage allerdings nicht, so der Medienkonzern. Er reagiere damit auf einen Bericht der Financial Times: Vorstandschef Mathias Döpfner habe dem US-Botschafter in Frankreich eine Springer-Beteiligung an einem Kauf vorgeschlagen. Vorbild seien die USA, wo Eigentümer ByteDance im Januar einem mehrheitlich amerikanischen Gemeinschaftsunternehmen zustimmte, um ein Verbot abzuwenden. Für Europa zeichne sich Vergleichbares noch nicht ab.
Axel Springer signalisiert grundsätzliches Interesse an Tiktoks Europa-Geschäft, sieht dafür derzeit aber keinen konkreten Anlass. Das berichtet Manager-Magazin.de unter Verweis auf eine Reaktion des Medienkonzerns. Hintergrund ist ein Bericht der Financial Times, wonach Vorstandschef und Großaktionär Mathias Döpfner dem US-Botschafter in Frankreich, Charles Kushner, eine Beteiligung Springers an einem möglichen Kauf des europäischen Geschäfts der chinesischen App vorgeschlagen haben soll.
Springer verweist auf europäische Lösung
Ein Springer-Sprecher erklärte, Döpfner habe sich in öffentlichen Äußerungen stets für eine europäische Lösung für TikTok nach amerikanischem Vorbild eingesetzt. Sollte eine solche Lösung zustande gekommen sein, hätte Axel Springer die Gelegenheit begrüßt, als bedeutender europäischer Medienakteur daran teilzuhaben. Zugleich macht der Konzern deutlich, dass sich diese Frage aktuell nicht stelle. Für Europa zeichnet sich demnach bislang kein vergleichbarer Prozess ab.
Als Vorbild gilt der Umgang der USA mit TikTok. Eigentümer ByteDance stimmte dort im Januar einem mehrheitlich amerikanischen Gemeinschaftsunternehmen zu, um ein Verbot der App abzuwenden. Dieses Modell steht im Zentrum der Debatte über die Zukunft des europäischen Geschäfts. Laut Financial Times berief sich die Darstellung zu Döpfners Vorstoß auf Personen, die mit den Gesprächen vertraut seien.
Kritik an TikTok als politischer Hintergrund
Döpfner hat TikTok in der Vergangenheit wiederholt scharf kritisiert. Besonders im Zusammenhang mit Antisemitismus und extremistischen Inhalten auf Social Media forderte er ein konsequenteres Vorgehen. In einer Rede auf dem World Jewish Congress in Genf bezeichnete er TikTok im Mai als eine der „gefährlichsten Propagandamaschinen“ zur Verstärkung extremistischer Inhalte.
In derselben Rede verwies Döpfner auf den amerikanischen Ansatz: In Amerika sei TikTok gezwungen worden, an nicht chinesische Eigentümer verkauft zu werden; Europa solle diesem Beispiel folgen. Damit verbindet sich Springers grundsätzliches Interesse weniger mit einem laufenden Transaktionsprozess als mit einer politischen und regulatorischen Debatte über Eigentümerstrukturen, Plattformmacht und den Umgang mit internationaler Tech-Infrastruktur.
Der aktuelle Stand bleibt damit klar begrenzt: Axel Springer bestätigt ein grundsätzliches Interesse an einer Beteiligung, falls eine europäische TikTok-Lösung nach US-Muster entstünde. Konkrete Schritte, Verhandlungen oder ein absehbarer Deal für Europa werden jedoch nicht genannt. Offen bleibt, ob sich in Europa überhaupt ein Modell nach dem US-Beispiel vom Januar entwickelt.
