Anthropic beteiligt sich gemeinsam mit dem Finanzinvestor Hg an einer neuen europäischen Techberatung, berichtet Manager-Magazin.de unter Berufung auf die „Financial Times“. Sie solle KI-Berater und Ingenieure direkt in Unternehmen schicken, auch in Hg-Portfoliofirmen. Diesen Job habe bislang vor allem Accenture für Anthropic erledigt. Allerdings sei Hg mit seinen gut 100 KI-Experten eher Beiboot als Tanker. Trotzdem: Für Accenture komme ein weiterer Rivale hinzu, in einem Geschäft mit ohnehin bröckelnden Preisen.
Anthropic treibt eigene Beratung in Europa voran
Anthropic beteiligt sich gemeinsam mit dem Finanzinvestor Hg an einer neuen europäischen Techberatung. Das berichtet Manager-Magazin.de unter Berufung auf die „Financial Times“. Die neue Einheit soll KI-Berater und Ingenieure direkt in europäische Unternehmen entsenden, darunter auch in Portfoliofirmen von Hg. Damit geht Anthropic offenbar stärker eigene Wege in einem Bereich, den bislang vor allem Accenture für das KI-Labor bedient haben soll.
Der Schritt fällt in eine Phase, in der Anthropic laut Bericht in Kürze an die Börse gehen will, zugleich hohe Verluste schreibt und eine überzeugende Kapitalmarktgeschichte braucht. Accenture und Anthropic wollten sich dem Bericht zufolge nicht zu den Angaben äußern. Beide Unternehmen arbeiten jedoch bereits länger intensiv zusammen. Für Accenture ist die Nachricht dennoch sensibel: Die neue Beratung wäre ein zusätzlicher Wettbewerber in einem Markt, in dem die Preise bereits unter Druck stehen.
Neue Konkurrenz für klassische IT-Berater
Die Gründung reiht sich in eine breitere Entwicklung ein. Mitte des Jahres hatte Anthropic in den USA gemeinsam mit Blackstone und Hellman & Friedman den Dienstleister Ode gegründet. Dafür waren den Angaben zufolge Investitionen von 1,5 Milliarden Dollar geplant. Auch OpenAI verfolgt diesen Weg: Im Mai startete der Konkurrent mit TPG, Advent, Bain Capital und Brookfield die OpenAI Deployment Company.
Für klassische IT-Beratungen und die Big Four stellt sich damit eine strategische Frage. Wenn KI-Anbieter ihre Technologie zunehmend über eigene Beratungseinheiten in Unternehmen bringen, verschiebt sich der Zugang zum Kunden. Anbieteragnostische Beratung könnte dadurch an Wert verlieren, wenn Kunden stärker auf direkte Umsetzung durch die Technologieanbieter setzen. Zugleich bleibt offen, wie groß der tatsächliche Effekt kurzfristig ist.
Hg bleibt kleiner als Accenture, das Signal ist größer
Hg verfügt laut Bericht über gut 100 KI-Experten und ist damit deutlich kleiner als Accenture. In der Branche sorgte die Nachricht dennoch für Aufmerksamkeit, weil sie den Druck auf etablierte Beratungsmodelle sichtbar macht. Die Reaktion am Kapitalmarkt fiel unmittelbar aus: Die Accenture-Aktie verlor am Freitag mehr als 4 Prozent.
Offen bleibt, wie weit KI-Labore mit eigenen Beratungseinheiten tatsächlich in das Geschäft der etablierten Dienstleister vordringen können. Der nächste Prüfpunkt ist, ob die geplante europäische Techberatung über Hg-Portfoliofirmen hinaus Mandate gewinnt und wie schnell sie ihre gut 100 KI-Experten skalieren kann.
