Ant International, Mastercard und Visa wollen KI-Agenten, die im Auftrag von Kunden bezahlen, künftig nach gemeinsamen Grundsätzen prüfen. Ein in einem Netzwerk geprüfter Agent soll leichter auch in anderen zugelassen werden. Zeitplan und technische Details nennen die Unternehmen nicht.
Wenn ein KI-Agent im Auftrag einer Kundin bezahlt, müssen Kartennetzwerk, Wallet-Anbieter und Händler erkennen können, wer hinter dem Agenten steht und ob er dazu befugt ist. Die drei Zahlungsanbieter haben dafür bislang jeweils eigene Verfahren eingeführt: Visa im Oktober 2025 das Trusted Agent Protocol, Mastercard im März 2026 gemeinsam mit Google Verifiable Intent, Ant International im April 2026 das Agentic Mobile Protocol für Wallets und Super-Apps. Nun wollen sie laut einer gemeinsamen Mitteilung ausloten, wie sich ein netzwerkübergreifendes Know-Your-Agent-Framework (KYA) entwickeln lässt. Der Begriff lehnt sich an „Know Your Customer“ an, die Kundenidentifizierung im Finanzwesen.
Hintergrund ist das erwartete Wachstum: Nach einer Szenariorechnung von McKinsey könnten KI-Agenten bis 2030 weltweit Konsumhandel im Umfang von drei bis fünf Billionen US-Dollar vermitteln.
Drei Prüfbereiche
Laut Mitteilung soll jeder Agent einem validierten Betreiber zugeordnet sein, etwa einem Karteninhaber oder einem Unternehmen, sodass sich seine Aktivitäten zurückverfolgen lassen. Hinzu kommen gemeinsame Zertifizierungsanforderungen an Sicherheit und Verhalten sowie eine fortlaufende Überwachung anhand von Identitäts- und Transaktionssignalen. Die eigenen Prüf- und Entscheidungsprozesse der Netzwerke sollen bestehen bleiben. Doppelte Identitätsprüfungen und Integrationsaufwand für Zahlungsdienstleister, Agenten-Plattformen und Marktplätze sollen so sinken.
Händler und Kartenherausgeber sollen damit auch prüfen können, ob die Handlungen eines Agenten der Absicht des Nutzers entsprechen, so Pablo Fourez, Chief Digital Officer von Mastercard. Jiang-Ming Yang, Chief Innovation Officer von Ant International, sieht weiteren Bedarf: „Künftig muss sich die Bewertung der Vertrauenswürdigkeit von KI-Agenten über die reine Identität hinaus weiterentwickeln und auch Fähigkeiten, Verhalten, Ausführungsqualität und Risikosignale berücksichtigen."
Entwickelt in Singapur
Ausgearbeitet werden soll der Ansatz auf BuildFin.ai, einer Branchenplattform der singapurischen Finanzaufsicht MAS. Sie hatte im Juli 2026 das Whitepaper „Safeguards for Agentic Finance at Runtime“ (SAFR) vorgelegt, das Kontrollen für KI-Agenten im laufenden Betrieb beschreibt. Die Mitteilung bezieht die Arbeit ausdrücklich auf Zahlungsökosysteme in Singapur. Ob und wann die Ergebnisse in anderen Märkten greifen, bleibt offen. Europäische Zahlungsverfahren oder Aufsichtsbehörden werden nicht genannt.
Was offen bleibt
Die Ankündigung beschreibt Ziele, keine fertige Lösung. Technische Spezifikationen, einen Zeitplan oder ein Gremium, das Zertifizierungen verantwortet, nennen sie nicht. Auch Haftung und Streitbeilegung bei Fehlkäufen spricht die Ankündigung nicht an, merkt das Fachportal Forkast an. Forkast wirft zudem die Frage auf, ob das Framework offen wird oder vor allem etablierten Netzwerken nützt.
Was das für Händler bedeutet
Für Europa meldete Visa im Juli 2026 erste Live-Transaktionen durch KI-Agenten, an denen nach Unternehmensangaben mehr als 30 Banken beteiligt sind, darunter Commerzbank, Comdirect, DKB, ING und S-Payment. Über das Trusted Agent Protocol sollen Händler dabei legitime Agenten von anderen Bots unterscheiden können. Von einem gemeinsamen Standard sollen laut Mitteilung zunächst Zahlungsdienstleister, Plattformen und Marktplätze profitieren. Wie viel davon bei Händlern ankommt, dürfte von der Umsetzung durch ihre Dienstleister abhängen. Am Kaufvertrag ändert der Agent nach Einschätzung des Händlerbunds wenig: Seine Bestellung wird dem Nutzer zugerechnet, Verbraucher behalten ihr Widerrufsrecht.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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