Klarna an die Ladenkasse: Ratenzahlung im Store – Fortschritt oder Risiko zur falschen Zeit?
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Klarna an die Ladenkasse: Ratenzahlung im Store – Fortschritt oder Risiko zur falschen Zeit?

Klarna bringt „Buy Now, Pay Later“ gemeinsam mit Lululemon erstmals an die stationäre Kasse in Deutschland und Großbritannien. Der Schritt fällt in einen Monat, in dem Regulierer auf beiden Märkten die Zügel für genau dieses Geschäftsmodell anziehen. Ein Blick auf Begründung, Belege und offene Fragen.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
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Der Zahlungsanbieter Klarna weitet sein Angebot flexibler Zahlungen auf die Verkaufsfläche aus: In den Filialen des Sportbekleidungsanbieters lululemon können Kundinnen und Kunden in Deutschland und Großbritannien nach Angaben des Unternehmens ab sofort auch im Laden per Klarna zahlen. 

An der Kasse wird dazu ein QR-Code mit dem Smartphone gescannt, die Abwicklung läuft über die Klarna-App und technisch über die Zahlungsplattform Adyen. Kundinnen und Kunden können den Betrag laut Klarna in drei zinsfreie Raten aufteilen oder die Zahlung um einen Monat verschieben – ohne Antrag an der Kasse, ohne separate Karte. Grundlage dieser Meldung ist eine Pressemitteilung von Klarna vom Juli 2026.

Warum Klarna diesen Schritt geht

Klarna beschreibt die Einführung als „konsequenten nächsten Schritt“ einer seit mehr als fünf Jahren bestehenden Online-Kooperation mit Lululemon und als Teil seiner „strategischen Expansion über den Onlinehandel hinaus“. 

Die Größenordnung, auf die das Unternehmen zielt, benennt es selbst: Die jährlichen Ausgaben im stationären Handel schätzt Klarna weltweit auf rund 28 Billionen US-Dollar, fast das Vierfache des Onlinehandels. Der stationäre Handel ist damit der ungleich größere Markt, in den ein bislang vor allem im E-Commerce verankerter Anbieter hineinwächst.

Der Schritt hat auch eine unternehmerische Logik jenseits der Kundenperspektive. Klarna ist seit September 2025 an der New York Stock Exchange notiert und steht als börsennotierte Wachstumsfirma unter Druck, neue Volumina zu erschließen. 

Nach eigenen Angaben zählt das Unternehmen über 119 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer und wickelt 3,4 Millionen Transaktionen pro Tag ab. Die Marke von einer Million Händlerpartnern hatte Klarna im März 2026 gemeldet. Die stationäre Kasse ist für dieses Netzwerk die naheliegende nächste Fläche.

David Sykes, Chief Commercial Officer von Klarna, ordnet die Einführung so ein: „Shopping sollte nicht weniger flexibel werden, nur weil man ein Geschäft betritt. […] Jetzt bringen wir dieselbe Freiheit an die stationäre Kasse.“ Die Formulierung ist eine Selbstbeschreibung des Anbieters – „Freiheit“ und „Flexibilität“ sind die Begriffe, mit denen Klarna sein Produkt rahmt.

Was die Kritik sagt

Genau an dieser Rahmung setzt die Kritik an. Verbraucherschützer und Aufsichtsbehörden bewerten das reibungslose „Später zahlen“ nicht als Freiheitsgewinn, sondern als Ausgabetreiber – und der Wegfall jeder Hürde an der Kasse ist aus ihrer Sicht nicht Vorzug, sondern Kern des Problems.

Die Finanzaufsicht BaFin hält in einem Fachartikel vom Februar 2026 fest, dass 14 Prozent der BNPL-Nutzerinnen und Nutzer – jede siebte Person – den Überblick über offene Rechnungen verlieren; bei den unter 30-Jährigen sind es demnach 24 Prozent. 24 Prozent der Befragten gaben nach BaFin-Angaben mehr aus als beabsichtigt, bei jungen Erwachsenen 38 Prozent; 26 Prozent zahlten bereits Mahngebühren. 

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) bezeichnet „Jetzt kaufen, später zahlen“ in einem Bericht vom Oktober 2025 unter Verweis auf Schuldnerberatungen als eines der problematischsten Kreditprodukte und dokumentiert Fälle, in denen sich Ausgangsschulden durch Stundungs- und Mahnkosten vervielfachten.

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Einführung. In Großbritannien – einem der beiden Startmärkte – ist am 15. Juli 2026 die neue BNPL-Regulierung der Finanzaufsicht FCA in Kraft getreten: Anbieter unterliegen künftig der FCA-Aufsicht und müssen unter anderem prüfen, ob Kundinnen und Kunden sich die Rückzahlung leisten können („proportionate affordability checks“). 

In der EU erweitert die überarbeitete Verbraucherkreditrichtlinie den Schutz erstmals ausdrücklich auch auf zinsfreie und kurzfristige Kleinkredite. Die Umsetzung ist für den 20. November 2026 vorgesehen. Klarna bringt sein Produkt also in dem Moment auf die Fläche, in dem Regulierer beider Startmärkte den Rahmen für genau dieses Modell verschärfen.

Aus der Zahlungsbranche wird dem entgegengehalten, verantwortungsvolle Kreditvergabe beginne nicht erst mit der Regulierung. In einem Gastbeitrag für etailment argumentiert Jacob von Ingelheim, Chief Risk and Transformation Officer des Zahlungsdienstleisters Unzer, kein Anbieter verdiene an einem Kredit, der nicht zurückgezahlt werde – schon das Ausfallrisiko setze Anreize zur sorgfältigen Prüfung. Von Ingelheim schreibt dabei aus Sicht eines BNPL-Anbieters und damit als Partei im Markt.

Was das für Händler und Kundinnen und Kunden bedeutet

Für Händler senkt das Angebot die Kaufhürde – das ist der Zweck. Die entscheidende, offene Frage ist, ob eine Zahlungsform, deren dokumentierte Risiken vor allem jüngere und einkommensschwächere Gruppen treffen, im Umfeld eines Premium-Lifestyle-Anbieters wie Lululemon eine bestehende Nachfrage bedient oder eine neue erzeugt. 

Lululemon verkauft überwiegend nicht Notwendiges, sondern Diskretionäres. Ob „drei zinsfreie Raten“ auf eine Yogahose eine Innovation ist, die Kundinnen und Kunden gefehlt hat, oder vor allem ein Instrument zur Steigerung des Warenkorbs, lässt sich aus der Pressemitteilung allein nicht beantworten – die Frage gehört aber sichtbar in die Berichterstattung.

Unstrittig ist der strategische Befund: Der stationäre Handel wird zur nächsten Wachstumsfläche der BNPL-Anbieter, und die Grenze zwischen Online- und Ladenkauf verschwimmt auch beim Bezahlen. Wie tragfähig das Modell ist, dürfte sich weniger an der Technik entscheiden als daran, wie die neuen Bonitäts- und Transparenzpflichten in der Praxis wirken.

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David Wöllenstein
Geschrieben vonDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

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