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Aktuelle E-Commerce-News: Delivery Hero + Glovo, Amazon, Zalando, Newsletter, DHL, Verbraucherstimmung, Schweiz, Grab und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Delivery Hero und Glovo: 329 Millionen Kartellstrafe
Die EU-Kommission verhängt gegen Delivery Hero eine Strafe von 223 Mio. Euro wegen illegaler Kartellabsprachen mit dem spanischen Lieferdienst Glovo, meldet Wiwo.de. Glovo müsse zusätzlich 106 Mio. Euro zahlen. Die Unternehmen hätten zwischen 2018 und 2022 wettbewerbswidrige Absprachen über Preise und Strategien getroffen, Märkte aufgeteilt und vereinbart, keine Mitarbeiter voneinander abzuwerben. Die Kommunikation sei per E-Mail und WhatsApp erfolgt. Delivery Hero habe ursprünglich mit einer Strafe von über 400 Mio. Euro gerechnet und bereits 186 Mio. Euro zurückgestellt.
Kartellamt rügt Amazons Preisdiktat für Marktplatz-Händler
Das Bundeskartellamt stuft Amazons Preisobergrenzen für Dritthändler als wettbewerbsrechtlich bedenklich ein, berichtet Handelsblatt.com. Behördenchef Andreas Mundt sehe darin eine kartellrechtswidrige Behinderung des Online-Handels, da betroffene Händler ihre Kosten nicht mehr decken könnten. Amazon setze statistische Modelle für dynamische Preisobergrenzen ein – bei Überschreitung würden Produkte aus dem Einkaufsfeld fallen oder komplett verschwinden. Die Parameter blieben dabei intransparent. Amazon widerspreche der Einschätzung vehement und argumentiere, ohne Preiskontrolle würden missbräuchliche Preise das Preis-Leistungs-Verhältnis verschleiern.
Zalando wird Fair-Wear-Mitglied
Zalando tritt der „Fair Wear Foundation“ bei, um die Arbeitsstandards bei der Produktion seiner Eigenmarken zu verbessern, berichtet Fashionunited.de. Das Unternehmen wolle damit einen neuen Maßstab für verantwortungsvolles Handeln in der Modebranche setzen. „Fair Wear“ sei eine führende Organisation zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in globalen Lieferketten. Die Mitgliedschaft unterstreiche Zalandos Bekenntnis zu verantwortungsvollem Wirtschaften und schaffe neue Möglichkeiten für branchenweite Kooperationen.
Online-Shops dürfen nicht automatisch Newsletter versenden
Das Landgericht Berlin verurteilte eine Online-Händlerin wegen rechtswidriger Newsletter-Werbung nach der Kundenkonto-Erstellung, wie Onlinehaendler-News.de berichtet. Ein Verbraucher klagte gegen die Praxis, wonach die E-Mail-Bestätigung automatisch zur Werbe-Einwilligung – das Empfangen des Newsletters – führe. Das Gericht sehe darin einen Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, da Nutzer zur Werbe-Zustimmung gedrängt würden. Eine rechtmäßige Einwilligung erfordere eine gesonderte, bewusste Entscheidung.
Personalisierte Werbung wird zum Überlebensfaktor für Mittelstand
Deutsche Mittelständler betrachten personalisierte digitale Werbung als unverzichtbaren Wachstumsmotor, zeigt eine Google-Studie. 85 Prozent der KMU führten ihr Umsatzwachstum direkt auf maßgeschneiderte Werbung zurück. Drei Viertel erklärten, ohne diese Technologie könnten sie kaum ihre Zielkunden erreichen. Bei möglichen Einschränkungen drohten drastische Konsequenzen: Jeder zweite Betrieb würde die Preise anheben, ein Viertel Personal entlassen.
DHL vereinheitlicht Pakete und erhöht selektiv Preise
DHL erhöht laut Pressemitteilung ab 1. Juli die Preise für bestimmte internationale Pakete und Päckchen nach Länder-Zonen. Der Logistikkonzern führe zudem ein Paket bis zwei Kilogramm online sowie die „Mobile Paketmarke“ für Nicht-EU-Länder ein. Das Höchstgewicht werde auf 30 Kilogramm vereinheitlicht. Als Begründung nannte DHL gestiegene Lohn- und Transportkosten sowie höhere Endvergütungen der ausländischen Zustellpartner im Rahmen der Weltpostverein-Bestimmungen. Eine Übersicht findet sich hier.
Optimismus kehrt zurück, Kauflust zögert noch
Die Verbraucherstimmung in Deutschland hellt sich im Juni deutlich auf, wie das HDE-Konsumbarometer zeigt. Der Index klettere so stark wie zuletzt im Sommer 2024. Die Anschaffungsneigung der Deutschen lege zu, während die Konsumzurückhaltung langsam schwinde. Paradoxerweise wollten die Verbraucher gleichzeitig ihre Sparanstrengungen intensivieren. Ihre Konjunkturerwartungen fielen optimistischer aus als im Vormonat, und bei den Einkommensaussichten zeigten sie sich sogar zuversichtlicher als vor einem Jahr. Dennoch fehle das Vertrauen ins gesamtwirtschaftliche Umfeld für eine spürbare Konsumerholung. Geopolitische Spannungen bremsten die Kauflust weiterhin.
HANDEL INTERNATIONAL
Schweiz: Technik boomt, Spielwaren schwächeln
Der Schweizer Einzelhandel verzeichnete im April ein verhaltenes Wachstum von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie Handelszeitung.ch das Bundesamt für Statistik zitiert. Real entspreche dies jedoch einer deutlicheren Zunahme um 1,3 Prozent. Besonders stark seien die Verkäufe von IT- und Kommunikationstechnik gestiegen, während Verlagsprodukte, Sportausrüstung und Spielwaren rückläufige Zahlen verzeichnet hätten.
72 Prozent der Online-Händler erwarten E-Commerce-Wachstum
Drei Viertel der Online-Händler rechnen trotz steigender Zölle mit internationalem Wachstum, zeigt eine Asendia-Studie laut Pressemitteilung. Versandkosten und Zollverzögerungen bremsten zwar das Geschäft, doch die Branche reagiere innovativ: Ein Drittel habe bereits „Returnless-Returns-Modelle“ eingeführt, bei denen Kunden Rückerstattungen ohne Warenrücksendung erhielten. Weitere 28 Prozent planten solche Strategien. Westeuropa bleibe das beliebteste Expansionsziel, während chinesische Online-Händler verstärkt auf Ostasien setzten.
Grab greift nach dem Kfz-Versicherungsgeschäft
„Grabinsure“, die Versicherungssparte des südostasiatischen Fahrdienst-Konzerns Grab, bereitet den Einstieg in Singapurs Kfz-Versicherungsmarkt vor, wie Techinasia.com berichtet. Das Unternehmen suche gezielt Fachkräfte für Schadenregulierung und Risikoprüfung, bestätigten Branchenquellen. Ein Grab-Sprecher erklärte, man evaluiere Versicherungsprodukte speziell für die eigenen Fahrer-Partner. Experten bewerten den Vorstoß als cleveren Schachzug: Grab könne seine umfangreichen Nutzerdaten und millionenfache App-Reichweite geschickt monetarisieren.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Klassisches Google-Ranking beeinflusst AI-Overview-Chancen
Klassisches SEO behält trotz KI-Boom seine Relevanz, wie eine Ziptie-Analyse belegt. Webseiten auf Google-Position eins hätten eine 25-prozentige Chance, in AI Overviews zitiert zu werden. Die Studie zeige, dass höhere Rankings die Wahrscheinlichkeit steigern, in ChatGPT, Perplexity oder Google KI-Überblicken zu erscheinen. Diese „AI Overviews“ nutzten primär hochrangige Quellen, um Genauigkeit zu gewährleisten. Der SEO-Fokus verschiebe sich jedoch fundamental: Erfolgreiche Suchmaschinenoptimierung ziele nicht mehr auf die „besten Seiten“, sondern auf die hilfreichsten Antworten ab.
Deutsche geben sich Note 3 für Medienkompetenz
Deutsche Internetnutzer bewerten ihre eigene Medienkompetenz mit der Schulnote 3,1, wie eine Bitkom-Studie zeigt. Nur 26 Prozent trauten sich zu, Falschinformationen zu erkennen, lediglich 17 Prozent wüssten, wie manipulierte Bilder entlarvt werden. Die Hälfte sei bereits auf Deepfakes hereingefallen, 57 Prozent hätten Werbeanzeigen für echte Berichte gehalten. Das Altersgefälle erweise sich als dramatisch: Während 16- bis 29-Jährige sich die Note 2,5 gäben, bewerteten über 75-Jährige ihre Fähigkeiten nur mit 4,1.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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