
Insolvenzen, stationärer Handel, Faircommerce Initiative, Google, Indiegogo, X, Cyberkriminalität, Amazon, AI Act, Kopenhagen
Aktuelle E-Commerce-News zu Insolvenzen, stationärer Handel, Faircommerce Initiative, Google, Indiegogo, X und weiteren Themen des Tages im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Zahl der Insolvenzen steigt um 6,3 Prozent
Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland im Juni 2024 um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im April diesen Jahres waren 1.906 Unternehmensinsolvenzen gemeldet worden, was noch einen Anstieg von 33,5 Prozent zum Vorjahresmonat bedeutete, auch im Mai war die Zahl mit 25,9 Prozent noch zweistellig.
Händlerbund startet die „Faircommerce Initiative“
Die „Faircommerce Initiative“ des Händlerbundes zielt darauf ab, Wettbewerbs-, Marken- und Urheberrechtsverletzungen zwischen Teilnehmern schnell und kostenfrei zu erledigen. Teilnehmer verpflichten sich, festgestellte Rechtsfehler zunächst ohne kostenpflichtige Abmahnung zu melden, behalten aber das Recht auf weitere rechtliche Schritte. Die Initiative ist für Mitglieder des Händlerbundes kostenlos und soll Abmahnmissbrauch entgegenwirken, ohne das Instrument der Abmahnung grundsätzlich abzuschaffen.
Stationärer Einzelhandel bleibt beliebt
Trotz wachsender Online-Konkurrenz besteht weiterhin Bedarf an attraktiven Einkaufsmöglichkeiten vor Ort, wobei die Hälfte der Deutschen unabhängige Einzelhändler den großen Ketten vorzieht. 83 Prozent sehen Einzelhändler als Bereicherung für das Stadtbild und 70 Prozent als unverzichtbar für die lokale Wirtschaft, zitiert Onetoone.de aus einer Studie von Faire und YouGov. 64 Prozent der Befragten fühlen sich ihren lokalen Händlern verbunden, 50 Prozent kaufen mehrmals im Monat dort ein.
Kein EM-Effekt beim Bier
Entgegen den Erwartungen der Brauereien ist der erhoffte „Fußball-EM-Effekt“ ausgeblieben, berichtet N-Tv.de. Nach Schätzungen von Veltins ging der Bierabsatz in Deutschland im Juni sogar leicht auf acht Mio. Hektoliter zurück. Michael Huber, Generalbevollmächtigter von Veltins, führt dies auf das regnerische Wetter, die allgemeine Konsumzurückhaltung und fehlende Gruppenveranstaltungen zurück. Der Deutsche Brauer-Bund bestätigt den Trend.
HANDEL INTERNATIONAL
Google übernimmt Wiz für 23 Mrd. Dollar
Google befindet sich in fortgeschrittenen Gesprächen über die Übernahme des Cybersicherheitsunternehmens Wiz für 23 Mrd. Dollar, berichtet CNBC.com. Dies wäre Googles bisher größte Übernahme und würde das anhaltende Engagement des Unternehmens im Bereich Cybersicherheit unterstreichen. Das 2020 gegründete und im Mai 2024 mit 12 Mrd. Dollar bewertete Unternehmen Wiz bietet Cloud-Sicherheitslösungen für Großunternehmen an.
Indiegogo startet eigenen Onlineshop
Die Crowdfunding-Plattform Indiegogo erweitert ihr Angebot um einen eigenen Onlineshop namens „Indieshop“, der den Verkauf von über Crowdfunding entwickelten Produkten ermöglicht. Zudem plant Indiegogo eine Partnerschaft um auch stationäre Verkaufsmöglichkeiten zu schaffen, berichtet Retailtouchpoints.com. Bis Ende 2024 senkt Indiegogo die Plattformgebühren für Crowdfunding-Kampagnen auf 4 Prozent, um das erweiterte Angebot zu fördern.
EU-Kommission droht X mit hohen Geldbußen
Die EU-Kommission droht der Plattform X von Elon Musk wegen möglicher Verstöße gegen das Gesetz über digitale Dienste mit einer eventuell hohen Geldbuße. Nach vorläufiger Einschätzung führt die Gestaltung der Plattform, insbesondere die Verifizierung von Nutzerkonten durch Bezahlung, zur Irreführung anderer Nutzer. Zudem erfüllt X nicht die Transparenzanforderungen des DSA in Bezug auf Werbung und Datenzugang für Forscher. Die Kommission hat im Februar und April 2024 förmliche Verfahren gegen TikTok, im März 2024 gegen AliExpress und im April und Mai 2024 gegen Meta eröffnet.
TRENDS & TECH
57 Prozent Opfer von Cyberkriminalität 57 Prozent der Befragten aus 15 Ländern haben bereits Erfahrungen mit Cyberkriminalität gemacht, zitiert Zeit.de eine Umfrage der Munich Re. In Deutschland waren sogar 62 Prozent betroffen, während Japan mit nur 28 Prozent Geschädigten als sicherstes Land gilt. Insgesamt zeigen sich 53 Prozent der Befragten besorgt über mögliche Cyberattacken, wobei die Besorgnis in Indien am höchsten und in den Niederlanden am niedrigsten ist.
Amazon stellt KI-Assistenten „Rufus“ vor
Amazon hat in den USA seinen neuen KI-basierten Einkaufsassistenten „Rufus“ in der Amazon Shopping App eingeführt. Rufus beantwortet Kundenfragen zu Produktdetails, gibt Empfehlungen, vergleicht Produkteigenschaften und bietet Zugriff auf aktuelle und frühere Bestellungen. Seit der Einführung haben Kunden laut Pressemitteilung bereits Millionen von Fragen an Rufus gestellt, von spezifischen Fragen zu einzelnen Artikeln bis hin zu allgemeinen Einkaufstipps.
KI kostet anscheinend mehr als sie nutzt
Investitionen in KI-Infrastrukturen könnten in den kommenden Jahren bis zu einer Billion Dollar kosten, zitiert Computerwoche.de einen Bericht von Goldman Sachs. Trotz der hohen Ausgaben sehen Experten bisher wenig greifbare Ergebnisse und bezweifeln schnelle Kostensenkungen durch die Technologie. Forscher des MIT schätzen, dass KI in den nächsten zehn Jahren weniger als fünf Prozent aller Tätigkeiten beeinflussen wird.
AI Act tritt am 1. August in Kraft
Der AI Act der EU tritt am 1. August 2024 in Kraft, mit Umsetzungsfristen bis Februar 2025 für Verbote wie beispielsweise Social Scoring oder Überwachung durch automatische Gesichtserkennung im öffentlichen Raum. In Deutschland ist laut Heise.de umstritten, wer die Marktüberwachung übernehmen soll, im Gespräch sind die Datenschutzbehörden, die Bundesnetzagentur oder eine neu zu schaffende Digitalbehörde.
NACHHALTIGKEIT
69 Prozent der Schweizer Chefs werden für Nachhaltigkeit belohnt
Bei 69 Prozent der 100 größten börsennotierten Schweizer Unternehmen beeinflussen Nachhaltigkeitskriterien die Vergütung der Geschäftsleitung, zitiert Handelszeitung.ch eine Studie des Beratungsunternehmens Swipra. Dies stellt einen deutlichen Anstieg gegenüber 47 Prozent vor zwei Jahren dar. Allerdings wird bei über der Hälfte der Unternehmen mangelnde Transparenz hinsichtlich der Messung und Gewichtung dieser Kriterien für die Bonusberechnung bemängelt.
Kopenhagen belohnt nachhaltige Touristen
Kopenhagen startet heute das Pilotprojekt „CopenPay“, das Touristen für umweltbewusstes Verhalten belohnt. Besucher können über die Website kostenlose Erlebnisse oder Vergünstigungen bei mehr als 20 Sehenswürdigkeiten erhalten, wenn sie sich an nachhaltigen Aktionen wie dem Sammeln von Müll oder einer umweltfreundlichen Anreise beteiligen. Die Initiative der Tourismusorganisation Wonderful Copenhagen zielt darauf ab, den Tourismus nachhaltiger zu gestalten und soll als Vorbild für andere Städte dienen. Das Projekt läuft zunächst bis zum 10. August 2024.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
Alle Beiträge