
Omnichannel-Payment, Geschäftsklima, SAP, Alibaba, Klaus Kottmeier, Apple, Amazon, Ricardo, Dell, Vinted, kontaktloses Zahlen
Aktuelle E-Commerce-News: Omnichannel-Payment, Geschäftsklima, SAP, Alibaba, Klaus Kottmeier, Apple, Amazon, Ricardo, Dell und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Raus aus den Payment-Silos
Auch große Händler wie Tchibo arbeiten noch an der Verknüpfung von stationärem und Onlinegeschäft. Bezahlprozesse spielen dabei eine wichtige Rolle – denn eine einheitliche Payment-Plattform für alle Kanäle ist die Voraussetzung für echte Omnichannel-Angebote. Woran dies in der Praxis oft noch scheitert, erklärt Etailment- und DH-Redakteur Stefan Becker in einem Beitrag für Der Handel.
Geschäftsklima verdüstert sich im Juni
Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juni unerwartet von 89,3 auf 88,6 Punkte gesunken. Entgegen den Erwartungen der Ökonomen befindet sich die deutsche Wirtschaft weiterhin in einer Stagnationsphase: Die Industrie blickt pessimistischer in die Zukunft und auch im Handel hat sich das Geschäftsklima deutlich verschlechtert. Ein positiver EM-Effekt ist nirgends erkennbar.
Shopping ist den Deutschen eine Last
Hausarbeit ist die unbeliebteste Freizeitbeschäftigung der Deutschen. Danach folgt das Einkaufen. 59 Prozent würden ihre Zeit lieber anders nutzen, ein Drittel am liebsten gar nicht shoppen gehen müssen. Zum Bummeln fehlt die Zeit: 34 Prozent geben in einer Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts an, unter permanentem Zeitdruck zu leben. Trotzdem kommen alle im Schnitt auf 117 Minuten Einkaufszeit pro Woche. Ein Viertel plant bereits, dies zu reduzieren.
SAP verliert unerwartet viele junge Mitarbeiter
2.100 jüngere Mitarbeiter wollen eine Abfindung von SAP und sich dann wohl einen neuen Job suchen. Insgesamt haben sich 5.300 Mitarbeiter für das Freiwilligenprogramm im Rahmen der „Next Level Transformation“ in Richtung KI gemeldet, 3.200 davon interessieren sich für das Vorruhestandsmodell, zitiert Golem.de das Handelsblatt. Demnach will SAP 99 Prozent der Vorruhestandsanträge und 50 Prozent der Abfindungsanträge bewilligen und dafür 2,2 Mrd. Euro zur Verfügung stellen.
Alibaba bietet günstigeres Einstiegspaket
Die chinesische B2B-Plattform Alibaba hat ein neues Angebotspaket speziell für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland vorgestellt, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Eingeführt werden neue KI-basierte Lösungen, darunter unter anderem eine günstigere Easy-Start-Mitgliedschaft (3-monatige Testphase für 9 Dollar statt 399 Dollar), KI-generierte Produktlistings und ein Chat-Copilot, der Verkäufern die „Digitalisierung erleichtern“ soll.
Klaus Kottmeier gestorben
Klaus Kottmeier, langjähriger Sprecher der Geschäftsführung und Aufsichtsratsvorsitzender der dfv Mediengruppe, in der auch das „Morning Briefing“ erscheint, ist am 21. Juni im Alter von 90 Jahren gestorben. „Klaus Kottmeier hat die dfv Mediengruppe über viele Jahrzehnte hinweg geprägt und zu einem der größten Business-Medienhäuser Europas gemacht. Sein Beruf war ihm Berufung. Mit seiner Leidenschaft für Fachmedien war er Vorbild für Generationen von Mitarbeitenden“, so Peter Esser und Sönke Reimers, beide Sprecher der Geschäftsführung der dfv Mediengruppe, in ihrer Würdigung unter anderem auf Horizont.net. Kottmeier kam 1969 zur dfv Mediengruppe, 1976 wurde er zum dfv Geschäftsführer berufen, von 1981 bis 2003 war er Sprecher der Geschäftsführung. Anschließend wirkte Kottmeier bis Ende 2019 als Vorsitzender des Aufsichtsrats.
EM 2024
Mikroplastik auf der EM-Fanmeile
Der 24.000 Quadratmeter große Kunstrasen der Berliner Fanmeile setzt Mikroplastik frei, wie T3N.de berichtet. Ein Kunstrasen-Fußballfeld (im Schnitt 7.000 Quadratmeter) verliert jährlich 50 kg bis 1 Tonne Fasern. Mikro- und Nanoplastik können von Menschen aufgenommen werden und erhöhen das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte.
HANDEL INTERNATIONAL
Neues Verfahren der EU gegen Apple
Die EU-Kommission hat ein Verfahren gegen Apple wegen Verstöße gegen das Gesetz für digitale Märkte eingeleitet, berichtet Tagesschau.de. Es wird bezweifelt, dass Apple seine Nutzer tatsächlich kostenlos zu Angeboten außerhalb des App Store leitet und dass die neue „Kerntechnologiegebühr“ von 50 Cent pro Erstinstallation verhältnismäßig ist. Apple wurde bereits mit 1,84 Mrd. Euro wegen wettbewerbswidriger Praktiken im App Store bestraft und verzögert die Einführung wichtiger iOS-18-Funktionen in Europa aufgrund von „regulatorischen Unsicherheiten“.
Amazon UK erhöht heimlich die Lieferfreigrenze
Amazon hat ohne Ankündigung den Mindestbestellwert für den kostenlosen Standardversand in Großbritannien von 25 auf 35 Pfund erhöht, berichtet Channex.world. Diese Änderung betrifft nur Nicht-Prime-Kunden und gilt ausschließlich für Produkte, die von Amazon verkauft oder versendet werden. Für Bestellungen unter 35 Pfund fallen nun Versandkosten zwischen 0,99 und 4,99 Pfund an, mit Ausnahme von Buchbestellungen, für welche die Grenze bei 10 Pfund liegt.
Ricardo jetzt mit inverser Bildsuche
Die Schweizer Auktionsplattform Ricardo hat eine neue KI-Funktion eingeführt, die Nutzern hilft, Produkte anhand von Schnappschüssen zu identifizieren und günstige Angebote zu finden, berichtet 20min.ch. Täglich werden bereits mehr als 1.000 Suchanfragen über die künstliche Intelligenz gestellt. Die Funktion ist derzeit nur für Android verfügbar, soll aber im Herbst auch für iPhones angeboten werden.
Dell-Mitarbeiter wollen nicht ins Büro
Wie viele andere Unternehmen hat auch Dell seine Mitarbeiter aufgefordert, drei Tage pro Woche im Büro zu arbeiten, was laut Businessinsider.com von fast der Hälfte einfach ignoriert wurde. Kürzlich drohte das Unternehmen damit, Heimarbeiter bei Beförderungen zu benachteiligen, was jedoch auch keine spürbaren Veränderungen bewirkte. Einige Mitarbeiter berichten, dass die realen Aufstiegschancen für Entwickler ohnehin begrenzt sind, es sei denn, man wechsele ins Management.
Über 170 Mio. Fast-Fashion-Artikel auf Vinted
Auf der Secondhand-Plattform Vinted sollen rund 61,8 Mio. Zara-Artikel verkauft werden, gefolgt von anderen Anbietern wie H&M (59,7 Mio.), Shein (21,8 Mio.), Primark (21 Mio.) oder Mango (10,2 Mio.). Die Zahlen hat der britische Modeunternehmer Stuart Trevor veröffentlicht, wie Fashionunited.com schreibt. Dies zeige einerseits das Ausmaß der Überproduktion in der Fast-Fashion-Industrie und werfe andererseits Fragen zur Nachhaltigkeit auf. Möglicherweise kurbelt die einfache Weiterverkaufsmöglichkeit den Konsum sogar an. Vinted selbst hat dagegen erst kürzlich eine Umfrage veröffentlicht, der zufolge 65% der Mitglieder es bevorzugen, weniger, aber dafür qualitativ hochwertige Artikel zu kaufen. Außerdem pflegten mehr als ein Drittel (36%) ihre Kleidung besser, um sie zu später weiterverkaufen zu können.
TRENDS & TECH
Interaktion mit den Kunden macht erfolgreich Der Bericht „RetailX UK 360°“ zeigt, dass die 100 führenden britischen Einzelhändler mehr mit ihren Kunden interagieren als der Durchschnitt der 500 untersuchten Unternehmen. Sie bieten häufiger Newsletter, Wunschlisten und geräteübergreifende Warenkörbe an. Die meisten der Top-100-Händler ermöglichen Online-Käufern die Abholung im Geschäft (56 Prozent), die Lieferung am nächsten Tag (53 Prozent) und die Annahme von Retouren im Laden (58 Prozent).
Kontaktloses Bezahlen setzt sich durch
59 Prozent der Deutschen haben im vergangenen Jahr mindestens einmal kontaktlos per Smartphone oder Smartwatch bezahlt, insgesamt nutzen 98 Prozent kontaktlose Bezahlmethoden, so eine repräsentative Umfrage des Bitkom. 76 Prozent der Befragten stört es, wenn kontaktloses Bezahlen nicht möglich ist, 73 Prozent fordern sogar eine gesetzliche Pflicht für elektronische Bezahloptionen. 80 Prozent der Deutschen nutzen weniger Bargeld als früher und 62 Prozent erwarten, dass es sogar noch weniger wird.
NACHHALTIGKEIT
98 Prozent der Emissionen im Handel vor- und nachgelagert
Der Einzel- und Großhandel ist für ein Drittel des europäischen CO2-Fußabdrucks verantwortlich, aber nur zwei Prozent dieser 1,6 Gigatonnen CO2 liegen in seinem Einflussbereich. Wie eine Studie von EuroCommerce zeigt, sind 98 Prozent sogenannte Scope-3-Emissionen, die zum Beispiel bei der Produktion und Herstellung der eingekauften Waren, beim Transport und Vertrieb der Produkte oder bei deren Entsorgung bzw. Recycling entstehen. Diese sind für Handelsunternehmen schwer zu erfassen, es bedarf einer verstärkten Zusammenarbeit und einheitlicher Standards entlang der Wertschöpfungskette.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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