
Post-Zusteller treten in Warnstreik
Zahlreiche Briefe und Pakete könnten an Ostern liegen bleiben. Verdi ruft zu Warnstreiks bei der Deutschen Post auf. Auch beim Versandhändler Amazon lässt die Gewerkschaft in NRW nicht locker.
Thomas RehmRedakteurVerdi fordert Arbeitszeitverkürzungen
Verdi kämpft bei der Post für Arbeitszeitverkürzungen - von 38,5 auf 36 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich - für die 140.000 tariflich bezahlten Mitarbeiter des Unternehmens und will die Ausgliederung von Beschäftigten in Regionalgesellschaften mit geringerer Bezahlung verhindern. Das Post-Management hatte verschiedene Ideen zur Verkürzung und Flexibilisierung von Arbeitszeiten vorgelegt, aber die Frage des Lohnausgleichs ausgeklammert. Die Friedenspflicht zum gekündigten Tarifvertrag Arbeitszeit lief um zum 1. April um 0.00 Uhr aus.
Im Zusammenhang der Gründung von regionalen Gesellschaften in der Paketzustellung wirft Verdi der Post vor, vertragliche Vereinbarungen zum Schutz vor Fremdvergabe gebrochen zu haben. Diese Regelung sieht vor, dass die Post bei der Zustellung von Briefen und Paketen maximal 990 Zustellbezirke an konzerninterne oder externe Unternehmen vergeben darf. Für die regionalen Gesellschaften gilt zudem nicht der Haustarifvertrag, sondern der niedrigere Tarif des Logistikgewerbes.
Post hat kein Verständnis
Post-Personalchefin Melanie Kreis zeigte kein Verständnis für die Warnstreiks: Die Post habe sich sehr konstruktiv mit der Verdi-Forderung auseinandergesetzt. Sie werde jetzt alles tun, um die Auswirkungen der Warnstreiks auf die Kunden zu beschränken.
Verdi hat bereits rund 500 Zusteller der Deutschen Post in Rheinland-Pfalz und im Saarland für Mittwoch zu Warnstreiks aufgerufen. Es handele sich um Mitarbeiter von Niederlassungen in Mainz, Koblenz und Saarbrücken, wie Verdi mitteilte. Zu einer Streikversammlung in Mutterstadt würden rund 400 Teilnehmer erwartet.
Auch in Bayern rief Verdi ihre Mitarbeiter in den Brief- und Paketzentren zu Arbeitsniederlegungen auf. Die zentrale Streikveranstaltung wurde für den Vormittag in Fürstenfeldbruck angesetzt.
Zudem sind die Beschäftigten der Brief- und Paketzentren der Deutschen Post in Baden-Württemberg zu Warnstreiks am Mittwoch aufgerufen. In den frühen Morgenstunden sollten die Mitarbeiter des Unternehmens in den Regionen Stuttgart, Karlsruhe, Göppingen und Heilbronn ihre Arbeit niederlegen, hieß es in einer Mitteilung. Ab
06.00 Uhr soll es demnach erste Streikversammlungen geben.
In Hessen sollen Verdi zufolge rund 1.000 Postbeschäftigte ihre Arbeit vorübergehend niederlegen. Davon betroffen sollen vor insbesondere 20 Städte und Gemeinden sein, darunter Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Wiesbaden und Rüsselsheim. Dadurch werden nach Angaben der Gewerkschaft zirka 1,5 Millionen Briefe und rund 70.000 Paketsendungen zunächst liegen bleiben. Am Vormittag treffen sich die Streikenden zu einer Versammlung in Nied, wo die stellvertretende Bundesvorsitzende Andrea Kocsis sprechen soll.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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