Person recherchiert konzentriert am Laptop in hellem, modernem Büro
© Black Forest Labs / Flux

Warum Produktsuche zur KI-Infrastruktur des Handels wird

Mit KI-Assistenten ändern sich die Voraussetzungen für personalisierte Einkaufserlebnisse. Christina Schönfeld, Director DACH & CEMEA beim Suchtechnologie-Anbieter Algolia, erklärt, warum die Produktsuche dabei zur zentralen Infrastruktur im Handel wird.

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Personalisierung braucht mehr als gute Empfehlungen

Personalisierung ist im Online-Handel längst fest etabliert. Mit KI-Assistenten und autonomen Shopping-Agenten verändert sich jedoch, was Kundinnen und Kunden darunter verstehen. Sie möchten nicht mehr durch umfangreiche Sortimente navigieren, sondern möglichst schnell eine Auswahl erhalten, die zu ihrer individuellen Situation passt. 

Personalisierung bedeutet deshalb heute weit mehr als Produktempfehlungen auf Basis früherer Käufe. Zunehmend kommt es darauf an, die konkrete Absicht eines Kunden in Echtzeit zu verstehen und relevante und verfügbare Angebote anzuzeigen. Mit dem Einsatz generativer KI steigen diese Erwartungen weiter.

 Kundinnen und Kunden formulieren ihre Anliegen zunehmend in natürlicher Sprache und erwarten, dass digitale Assistenten ihre Absicht erkennen – unabhängig davon, ob sie nach einem konkreten Produkt suchen oder lediglich ihr Ziel beschreiben. 

Die Herausforderung besteht dabei nicht in der Formulierung einer Antwort, sondern darin, die passenden Informationen zuverlässig zu ermitteln und einzubeziehen.

Sprachmodelle allein reichen nicht aus

Große Sprachmodelle verändern die Art, wie Menschen mit digitalen Systemen interagieren. Ihre Stärke liegt darin, natürliche Sprache zu verstehen und komplexe Anfragen verständlich zu beantworten.

Für belastbare Empfehlungen benötigen sie dazu aktuelle Informationen aus den Commerce-Systemen. Welche Produkte verfügbar sind, welche Varianten angeboten werden oder welche Angebote gerade gelten, lässt sich nicht aus dem Sprachmodell selbst ableiten. Deshalb gewinnt Retrieval an Bedeutung: Es verbindet KI mit den Informationen, die für eine konkrete Kaufentscheidung relevant sind. 

KI begibt sich auf die Suche

Die Produktsuche richtet sich künftig nicht mehr ausschließlich an Menschen. Zunehmend übernehmen KI-Assistenten und autonome Shopping-Agenten Aufgaben, die bislang von Kundinnen und Kunden selbst ausgeführt wurden, etwa Produkte zu recherchieren, Alternativen zu vergleichen oder Kaufentscheidungen vorzubereiten.

Dadurch verändert sich die Rolle der Suche grundlegend. Sie wird zu einer Schnittstelle, über die nicht nur Menschen, sondern auch intelligente Systeme auf Produktinformationen zugreifen. Für Händler bedeutet das, Informationen so bereitzustellen, dass sie sowohl für klassische Suchanfragen als auch für KI-gestützte Interaktionen nutzbar sind. 

Künftig entscheidet sich damit nicht nur im eigenen Online-Shop, ob und für wen ein Angebot sichtbar wird. Auch externe Shopping-Agenten müssen Produkte zuverlässig finden, einordnen und vergleichen können.

Relevanz entsteht durch Kontext und geschäftliche Leitplanken

Personalisierung bedeutet nicht, jeder Nutzerin und jedem Nutzer beliebige Produkte vorzuschlagen. Händler verfolgen unterschiedliche Ziele – etwa bestimmte Sortimente sichtbar zu machen, verfügbare Produkte zu priorisieren oder Lieferzeiten zu berücksichtigen. Gleichzeitig erwarten Kundinnen und Kunden nachvollziehbare und relevante Ergebnisse.

Deshalb gewinnen geschäftliche Leitplanken an Bedeutung. Sie bestimmen, welche Informationen priorisiert werden, welche Kriterien in Empfehlungen einfließen und wie sich Personalisierung mit wirtschaftlichen Zielen verbinden lässt. 

KI kann diese Entscheidungen unterstützen, ersetzt sie jedoch nicht. Vielmehr kommt es darauf an, Suchsysteme so zu gestalten, dass sie aktuelle Produktinformationen mit den strategischen Anforderungen des Handels zusammenführen.

Wie das konkret aussehen kann, zeigt ein einfaches Beispiel: Sucht ein Kunde nicht nach einer bestimmten Jacke, sondern nach wetterfester Kleidung für eine mehrtägige Reise mit leichtem Gepäck, muss ein KI-Assistent zunächst die Anforderungen verstehen. Anschließend muss er passende Produkte finden, Verfügbarkeit und Lieferzeit berücksichtigen und nachvollziehbare Alternativen zusammenstellen. 

Erst das Zusammenspiel aus Sprachverständnis, Retrieval, Kontext und geschäftlichen Regeln ermöglicht eine wirklich personalisierte Empfehlung.

Die Erwartungen der Verbraucher verändern sich bereits

Dass sich die Erwartungen an die Suche verändern, zeigt auch eine von Algolia beauftragte repräsentative Befragung unter 1.000 Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland im Juni 2026. 

42,4 Prozent erwarten präzise Suchergebnisse unabhängig davon, wie sie ihre Anfrage formulieren. Gleichzeitig würden 71,8 Prozent einen KI-Agenten nutzen, um Preise verschiedener Händler automatisch zu vergleichen. 65,8 Prozent wünschen sich zudem eine automatische Benachrichtigung, sobald ein nicht verfügbares Produkt wieder erhältlich ist.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Nutzerinnen und Nutzer KI vor allem dort akzeptieren, wo sie konkrete Entscheidungen erleichtert. Im Mittelpunkt stehen weniger neue Funktionen als ein Einkaufserlebnis, das Orientierung schafft und den Aufwand bei der Produktauswahl reduziert.

Fazit: Suche wird zur verbindenden Ebene im Commerce

Mit der zunehmenden Verbreitung generativer KI verändert sich die Produktsuche von einer einzelnen Shop-Funktion zu einer zentralen Infrastruktur im digitalen Handel. Sie verbindet Produktinformationen mit Personalisierung, Analysefunktionen und KI-Anwendungen und schafft damit die Grundlage für neue Formen der Kundeninteraktion. Gleichzeitig wächst die Bedeutung der Vernetzung unterschiedlicher Systeme.

Informationen aus Produktsortimenten, Analytics, Content-Plattformen oder anderen Unternehmensanwendungen werden dabei so zusammengeführt, dass sie sowohl für Menschen als auch für KI-Assistenten unmittelbar nutzbar sind. Moderne Suchtechnologien übernehmen dabei zunehmend die Rolle einer verbindenden Schicht zwischen den verschiedenen Datenquellen und Anwendungen.

Für Händler verschiebt sich damit der Blick auf die Produktsuche. Sie wird zu einer strategischen Infrastruktur, die darüber entscheidet, wie zuverlässig personalisierte Einkaufserlebnisse entstehen und ob Angebote künftig auch von KI-Assistenten und Shopping-Agenten als relevant erkannt werden. 

Die entscheidende Frage lautet künftig nicht mehr, wie gut Kundinnen und Kunden im Shop suchen können, sondern, wie zuverlässig Suchsysteme die Informationen bereitstellen, die für fundierte Kaufentscheidungen notwendig sind. 

Darin liegt zunehmend auch ein Wettbewerbsvorteil: Händler, deren Angebote für Menschen und KI-Systeme gleichermaßen auffindbar, verständlich und aktuell sind, erhöhen ihre Chance, in Empfehlungen und Kaufentscheidungen berücksichtigt zu werden.

Quellenhinweis

Die genannten Zahlen stammen aus einer von Algolia beauftragten Befragung. Das Marktforschungsinstitut Censuswide befragte dafür vom 8. bis 10. Juni 2026 online 1.000 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählte Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland. Censuswide ist Mitglied der Market Research Society (MRS) und des British Polling Council (BPC) und arbeitet nach dem MRS Code of Conduct sowie den ESOMAR-Prinzipien.

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CS
Christina Schönfeld

Director DACH & CEMEA bei Algolia

ist Director DACH & CEMEA bei . Sie befasst sich mit der Weiterentwicklung digitaler Einkaufserlebnisse im Handel, insbesondere mit Produktsuche, Relevanz und Customer Experience im E-Commerce.

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