Frankreich verschärft Vorgehen gegen Polymarket
Frankreichs Glücksspielaufsicht Autorité Nationale des Jeux (ANJ) hat Internetanbieter angewiesen, den Zugang zum Prognosemarkt Polymarket vollständig zu sperren. Damit zieht die Behörde ihre Linie gegenüber der Plattform deutlich an und reagiert auf die weiterhin hohe Nutzung durch französische Besucherinnen und Besucher. Polymarket wird von der ANJ als nicht autorisierte Wett- beziehungsweise Glücksspiel-Website eingestuft.
Bereits im November 2024 hatte die Behörde Maßnahmen gegen die Plattform ergriffen und Finanztransaktionen französischer Nutzerinnen und Nutzer per Geoblocking unterbunden. Nach Angaben der ANJ reichte dieser Schritt jedoch nicht aus, um die Nutzung wirksam einzudämmen. Nutzer hätten die Sperre umgangen, während die Plattform in Frankreich weiter an Reichweite gewann. Im Juni verzeichnete Polymarket laut Behörde 578.751 Besuche aus Frankreich, darunter 205.057 eindeutige Besuche.
Mit der nun angeordneten Sperre auf Ebene der Internetanbieter will die ANJ den Zugang zur Website selbst unterbinden. Die Maßnahme zeigt, dass die französische Aufsicht nicht nur Zahlungswege, sondern inzwischen auch die Erreichbarkeit der Plattform ins Visier nimmt. Zugleich bekräftigt die Behörde, dass Angebote ohne entsprechende Genehmigung unter das Verbot illegaler Wett- oder Glücksspielseiten fallen.
Die Regulierung betrifft nicht allein den Zugang zur Plattform. Auch Werbung für nicht autorisierte Wett- oder Glücksspielangebote kann in Frankreich erhebliche Konsequenzen haben. Wer für eine solche Website wirbt, riskiert nach Angaben der ANJ eine Geldbuße von bis zu 100.000 Euro. Damit richtet sich die verschärfte Durchsetzung auch gegen mögliche Reichweiten- und Vermarktungsstrukturen rund um entsprechende Anbieter.
Frankreich steht mit dieser Haltung nicht allein. Auch Spanien hat den Zugang zu Polymarket und Kalshi blockieren lassen, während geprüft wird, ob die Plattformen gegen nationale Glücksspielgesetze verstoßen. In den USA gibt es ebenfalls regulatorische Auseinandersetzungen: Minnesota hat ein Gesetz verabschiedet, das Prognosemärkte im Bundesstaat verbietet, während weitere Bundesstaaten Klagen gegen Polymarket und Kalshi einreichen.
Der Fall unterstreicht die zunehmende Aufmerksamkeit, die Prognosemärkte bei Glücksspiel- und Finanzaufsichten erhalten. Während solche Plattformen auf Ereignisprognosen und handelbare Einschätzungen setzen, bewerten Behörden sie je nach Ausgestaltung als regulierungsbedürftige oder unzulässige Wettangebote. Frankreichs jüngste Entscheidung markiert dabei einen weiteren Schritt von der Einschränkung einzelner Funktionen hin zur vollständigen Blockade des Zugangs.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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