Aufsichtsperson blickt überfordert auf mehrere parallel laufende automatisierte Logistiklinien
© Black Forest Labs / Flux

KI-Agenten überholen die Governance

Deutsche Unternehmen erwarten für 2026 im Schnitt 24 Prozent Rendite durch den Einsatz von KI, nach 17 Prozent im Vorjahr, zitiert Heise.de eine SAP-Studie. Als Renditetreiber hoffe man auf agentische KI, die eigenständig mehrstufige Abläufe steuern werde. Bei der Kontrolle klaffe allerdings eine Lücke: 57 Prozent hätten keinerlei Prozesse für menschliche Aufsicht, und 75 Prozent räumten ein, Agenten möglicherweise schneller einzuführen, als sie diese steuern könnten. Nur vier Prozent fühlten sich vollständig auf den Agentic Commerce vorbereitet.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
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Deutsche Unternehmen setzen auf KI-Rendite – doch die Kontrolle hinkt hinterher

Deutsche Unternehmen verbinden mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz deutlich steigende wirtschaftliche Erwartungen. Laut einer von Heise.de zitierten Studie von SAP und Oxford Economics rechnen die befragten Unternehmen für 2026 im Durchschnitt mit einem Return on Investment von 24 Prozent. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 17 Prozent. Grundlage des „The SAP Value of AI Report 2026“ ist eine Befragung von weltweit 2.600 Führungskräften aus 13 Ländern, darunter 200 Entscheiderinnen und Entscheider aus Deutschland.

Die Investitionsbereitschaft fällt in Deutschland besonders hoch aus: Im laufenden Jahr wollen deutsche Unternehmen im Schnitt rund 35 Millionen Euro in KI investieren. Damit liegen sie deutlich über dem internationalen Durchschnitt der untersuchten Länder von rund 24 Millionen Euro. Ein zentraler Renditetreiber ist nach Einschätzung der Befragten agentische KI. Gemeint sind KI-Agenten, die nicht nur einzelne Aufgaben übernehmen, sondern eigenständig mehrstufige Arbeitsabläufe steuern – etwa Informationen aus verschiedenen Unternehmenssystemen abrufen, Entscheidungen nach festgelegten Regeln treffen und Folgeaktionen auslösen.

Die Erwartungen an diese Technologie sind entsprechend groß. Der erwartete ROI aus agentischer KI soll in Deutschland innerhalb der kommenden zwei Jahre auf knapp 18 Millionen Euro steigen; im Vorjahr lag dieser Wert laut Studie noch bei rund 4 Millionen Euro. Neun von zehn befragten Unternehmen sehen in KI-Agenten das Potenzial, ihre Organisation grundlegend zu verändern. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Anspruch und organisatorische Realität deutlich auseinanderliegen.

Besonders kritisch bewerten die Studienautoren die Governance. Nur elf Prozent der Unternehmen halten ihre Fähigkeiten in diesem Bereich für vollständig ausreichend, lediglich 18 Prozent sehen die nötigen Prozesse und Rahmenbedingungen als vorhanden an. 57 Prozent verfügen nach eigenen Angaben über keinerlei Prozess, der menschliche Kontrolle in agentische Arbeitsabläufe einbindet. Ein Drittel hat keine Berechtigungs- und Zugriffskontrollen für KI-Agenten eingerichtet, und nur 34 Prozent führen ein zentrales Verzeichnis der eingesetzten Agenten. Zugleich räumen 75 Prozent ein oder schließen zumindest nicht aus, KI-Agenten schneller einzuführen, als sie diese wirksam steuern können. Vollständig auf Agentic Commerce vorbereitet fühlen sich nur vier Prozent.

Auch jenseits der Governance bleibt die Einführung von KI vielfach uneinheitlich. Zwar unterstützt KI in deutschen Unternehmen inzwischen durchschnittlich 35 Prozent aller Aufgaben, doch 39 Prozent verfolgen überwiegend einen fragmentierten Ansatz statt einer unternehmensweiten Strategie. Weniger als die Hälfte der Unternehmen hat eine klar benannte Führungskraft für die KI-Einführung, nur 35 Prozent haben konkrete KI-Kennzahlen für Führungskräfte definiert. Schulungen zu KI-Kompetenzen und Risiken bieten 47 Prozent an.

Weitere Bremsfaktoren sind Datenqualität, Qualifizierung und Schatten-KI. 81 Prozent der Befragten berichten zumindest gelegentlich von Nacharbeiten, Verzögerungen oder operativen Problemen, weil KI-Ergebnisse nicht die erforderliche Qualität erreichen. 77 Prozent bezweifeln, dass ihre Weiterbildungsmaßnahmen mit der schnellen Entwicklung neuer KI-Anwendungen Schritt halten können. Zudem geben 71 Prozent an, dass nicht freigegebene oder zentral verwaltete KI-Anwendungen zumindest gelegentlich genutzt werden. Die Studie zeichnet damit ein klares Bild: KI gilt als wirtschaftlicher Hoffnungsträger, doch ohne belastbare Kontrolle, klare Zuständigkeiten und bessere Datenbasis steigt das Risiko einer Einführung, die schneller wächst als ihre Steuerbarkeit.

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Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

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