China erhöht den Druck auf Trip.com
Chinas Kartellbehörde SAMR könnte noch in dieser Woche eine Strafe von bis zu 885 Mio. Dollar gegen den Reisekonzern Trip.com verkünden. Das berichtet Techinasia.com. Im Mittelpunkt steht eine bereits im Januar eröffnete Untersuchung gegen das größte Online-Reisebüro Asiens.
Der Vorwurf wiegt schwer: Trip.com soll seine marktstarke Position missbraucht haben. Genannt werden unter anderem Exklusivitätsforderungen sowie algorithmische Eingriffe in Preise. Damit rückt erneut die Frage in den Fokus, wie weit große Online-Plattformen ihre Stellung gegenüber Partnern, Anbietern und Kunden ausnutzen dürfen, ohne gegen Wettbewerbsregeln zu verstoßen.
Nach dem chinesischen Anti-Monopol-Gesetz können Bußgelder bis zu zehn Prozent des Vorjahresumsatzes erreichen. Die nun genannte Summe von bis zu 885 Mio. Dollar zeigt, dass die Behörden offenbar bereit sind, auch im Reisesektor hohe Sanktionen zu prüfen. Zugleich bleibt die Formulierung entscheidend: Bislang geht es um eine mögliche Strafe, die laut Bericht noch verkündet werden könnte; eine endgültige Entscheidung wird im vorliegenden Material nicht bestätigt.
Für Trip.com wäre eine solche Maßnahme ein erheblicher Einschnitt. Der Konzern steht als größtes Online-Reisebüro Asiens im Zentrum eines Marktes, in dem Reichweite, Daten und Preissteuerung eine zentrale Rolle spielen. Gerade deshalb sind Vorwürfe zu algorithmischen Preiseingriffen besonders sensibel: Sie betreffen nicht nur die interne Plattformlogik, sondern auch die Transparenz und Fairness des Wettbewerbs.
Der Fall erinnert an frühere Eingriffe der chinesischen Wettbewerbsaufsicht. 2021 musste Alibaba eine Strafe von 2,66 Mrd. Dollar zahlen. Dieser Vergleich verdeutlicht, welche Größenordnung Kartellverfahren in China erreichen können, wenn Behörden einen Missbrauch von Marktmacht annehmen. Für digitale Geschäftsmodelle ist das Signal klar: Marktführerschaft schützt nicht vor regulatorischer Kontrolle.
Ob und in welcher Höhe die SAMR tatsächlich gegen Trip.com vorgeht, bleibt abzuwarten. Schon die Möglichkeit einer Sanktion von dieser Größenordnung unterstreicht jedoch die wachsende Bedeutung des Wettbewerbsrechts für Plattformunternehmen in China. Entscheidend wird sein, ob die Behörde die Vorwürfe zu Marktmacht, Exklusivität und Preissteuerung bestätigt und daraus eine konkrete Sanktion ableitet.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
Alle Beiträge