Mitarbeiter ordnet Anzüge im minimalistischen Flagship-Store einer Premium-Modemarke
© Black Forest Labs / Flux

Frasers zwingt Hugo Boss zum Pflichtangebot

Die Frasers Group hält mittlerweile 30,28 Prozent an Hugo Boss und hat damit die im deutschen Übernahmerecht verankerte Pflichtangebotsschwelle überschritten, meldet Fashionnetwork.com. Das noch bis 27. Juli laufende Angebot liege bei 38 Euro je Aktie. Frasers wolle es auch nicht erhöhen; Hugo Boss rate seinen Aktionären bei diesem Preis jedoch zur Ablehnung. Erst 2024 sei Frasers bei Mulberry trotz eines Anteils von 37 Prozent ohne Kontrolle geblieben.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
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Frasers überschreitet bei Hugo Boss die Pflichtangebotsschwelle

Die britische Frasers Group hat ihren Anteil an Hugo Boss deutlich ausgebaut und hält nun 30,28 Prozent am Grundkapital und an den Stimmrechten des deutschen Premium-Modekonzerns. Wie Fashionnetwork.com berichtet, wurden zuletzt mehr als 2,5 Millionen zusätzliche Aktien erworben. Diese entsprechen rund 3,69 Prozent der Stimmrechte und des Grundkapitals. Der Zukauf erfolgte nach Ausübung von Put-Optionen durch die jeweiligen Gegenparteien am 17. Juli.

Mit dem neuen Aktienpaket kommt Frasers auf knapp 21 Millionen Hugo-Boss-Aktien. Damit hat der Konzern die im deutschen Übernahmerecht maßgebliche Schwelle von 30 Prozent überschritten. Dieser Schritt löst grundsätzlich die Pflicht aus, den übrigen Aktionären ein Angebot für ihre Anteile zu unterbreiten. Aus dem bisherigen Vorstoß wird damit ein besonders sensibler Kapitalmarktvorgang, auch wenn ein hoher Anteil allein noch keine Kontrolle über das Unternehmen garantiert. Die laufende Übernahme bleibt deshalb offen und politisch wie strategisch bemerkenswert.

Das Angebot von Frasers liegt weiterhin bei 38 Euro je Aktie und soll bis zum 27. Juli laufen. Eine Erhöhung des Preises ist nach Angaben des britischen Handelskonzerns nicht geplant. Hugo Boss wiederum rät seinen Aktionären, das Angebot zu diesem Preis nicht anzunehmen. Der Vorstand sieht den Konzern demnach als unterbewertet an und stellt sich gegen einen Verkauf zu den aktuell angebotenen Konditionen.

Die Kursentwicklung zeigt, wie stark der Markt auf den Einstieg von Frasers reagiert hat. Hugo-Boss-Aktien hatten im Jahresverlauf zeitweise nur knapp über 34 Euro notiert und lagen Anfang Juni bei etwas mehr als 35 Euro. Nachdem das Kaufinteresse von Frasers bekannt geworden war, stieg der Kurs kurzfristig bis auf 39,76 Euro. Anschließend fiel er wieder in die Nähe des Angebotspreises zurück, als klar wurde, dass Frasers nicht mehr zahlen will und Hugo Boss den Preis ablehnt.

Der Fall erinnert an Mulberry: Dort hielt Frasers 2024 trotz eines Anteils von rund 37 Prozent keine Kontrolle über das Unternehmen, weil der Mehrheitsaktionär Challice mit mehr als 56 Prozent den Vorstoß ablehnte. Auch bei Hugo Boss ist daher nicht ausgemacht, ob Frasers über seine Beteiligung hinaus entscheidenden Einfluss gewinnen kann. Entscheidend wird sein, wie viele Aktionäre das Angebot bis zum Ablauf annehmen und ob Frasers nach Ende der Frist weitere Aktien über den Markt erwerben würde, falls der Kurs wieder unter Druck gerät.

Für Hugo Boss bleibt die Situation strategisch angespannt: Frasers hat mit dem Überschreiten der Schwelle seine Position deutlich gestärkt, trifft aber auf Widerstand des Managements. Für Investoren steht damit vor allem die Frage im Raum, ob aus dem großen Minderheitsanteil tatsächlich Kontrolle entstehen kann – oder ob Frasers, ähnlich wie bei Mulberry, am Ende Großaktionär ohne Durchgriff bleibt.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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