Späte Zahlungseingänge erhöhen den Druck auf deutsche Unternehmen
Deutsche Unternehmen geraten laut einer aktuellen Studie des Kreditversicherers Allianz Trade zunehmend unter Liquiditätsdruck. Wie Haendlerbund.de berichtet, warten Betriebe hierzulande immer länger auf den Ausgleich offener Rechnungen, während sie ihre eigenen Lieferanten vergleichsweise schnell bezahlen. Daraus entsteht eine finanzielle Zwickmühle, die den Handlungsspielraum vieler Firmen spürbar einschränkt.
Im Durchschnitt lassen sich Kundinnen und Kunden in Deutschland 55 Tage Zeit, bevor sie Rechnungen begleichen. Gleichzeitig zahlen deutsche Unternehmen ihre Lieferanten bereits nach 35 Tagen. Damit fließt Geld deutlich früher aus den Betrieben ab, als es über Erlöse wieder zurückkommt. Diese Schieflage belastet vor allem Unternehmen, die laufend Ware vorfinanzieren müssen und zugleich auf verlässliche Zahlungseingänge angewiesen sind.
Besonders deutlich zeigt sich die Anspannung beim Kapitalumschlag. Weltweit dauert es im Schnitt 67 Tage, bis investiertes Geld wieder als Erlös auf dem Konto landet. In Deutschland sind es derzeit 79 Tage – zwölf Tage mehr als im globalen Durchschnitt und gut zwei Wochen länger als im westeuropäischen Mittel. Für das Jahr 2026 rechnet Allianz Trade mit einer weiteren Verschlechterung: Der Zeitraum könnte hierzulande auf bis zu 83 Tage steigen.
Zusätzlichen Druck erzeugt die Vorratshaltung. Viele Betriebe legen aus Sorge vor unterbrochenen Lieferketten größere Bestände an, um ihre Versorgung abzusichern. Diese Strategie schützt zwar vor kurzfristigen Engpässen entlang der Lieferkette, bindet aber Kapital im Lager. Das gebundene Kapital fehlt dann an anderer Stelle, etwa bei Investitionen in Marketing oder IT-Infrastruktur.
Besonders betroffen sind nach den Angaben die Branchen Elektronik, Telekommunikation, Papier und Pharma. Die Entwicklung zeigt einen klaren Trend: Sicherheit wird höher bewertet als Schnelligkeit. Für den Handel bedeutet das jedoch steigende finanzielle Belastungen, weil volle Lager, längere Zahlungsziele und rasche Lieferantenzahlungen gleichzeitig wirken. Entscheidend wird daher, Liquidität noch genauer zu steuern und Zahlungsströme konsequent im Blick zu behalten.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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