Reformation bereitet Börsengang an der NYSE vor
Die US-Damenmodemarke Reformation bringt ihren lange erwarteten Börsengang auf die Zielgerade. Wie Retail-News.de berichtet, will das Unternehmen seine Aktien an der New York Stock Exchange unter dem Kürzel „REF“ platzieren. Die Preisspanne liegt bei 15 bis 17 US-Dollar je Aktie; am oberen Ende strebt Reformation eine Bewertung von einer Milliarde US-Dollar an. In einem Kapitalmarktumfeld, das zuletzt vor allem von Technologie-, KI- und Rüstungsunternehmen geprägt war, gilt der geplante IPO als wichtiges Signal für konsumorientierte Lifestyle-Marken.
Das Angebot umfasst insgesamt 14.062.500 Stammaktien. Davon stammen 9.478.821 Aktien aus einer Kapitalerhöhung, weitere 4.583.679 Aktien werden von bestehenden Anteilseignern verkauft. Zusätzlich erhalten die Konsortialbanken eine 30-tägige Mehrzuteilungsoption über 2.109.375 Aktien. Bei vollständiger Platzierung könnte Reformation bis zu 239 Millionen US-Dollar einnehmen. Rund 125 Millionen US-Dollar sollen laut Unterlagen für die US-Börsenaufsicht SEC zur teilweisen Rückzahlung bestehender Kredite genutzt werden; weitere Mittel sind für den Rückkauf von Anteilen und Aktienoptionen vorgesehen.
Begleitet wird der Börsengang von J.P. Morgan und Morgan Stanley als Joint Lead Bookrunner. Citigroup und RBC Capital Markets unterstützen das Konsortium, hinzu kommen weitere Investmentbanken wie Guggenheim Securities, Baird, William Blair und BTIG. Für Investoren steht dabei nicht nur die Platzierung selbst im Fokus, sondern auch die Frage, ob profitable Mode- und Handelsunternehmen wieder stärker Zugang zum Kapitalmarkt finden können.
Reformation wurde 2009 in Los Angeles gegründet und entwickelte sich von einer kleinen Vintage-Boutique zu einer international bekannten Premium-Damenmodemarke. Das Unternehmen positioniert sich konsequent im Segment nachhaltiger Mode und setzt auf transparente Lieferketten, ressourcenschonende Materialien sowie eine vergleichsweise lokale Produktion. Heute betreibt Reformation 70 eigene Filialen in den USA, Großbritannien, Kanada und Frankreich. Über den eigenen Online-Shop beliefert die Marke Kundinnen und Kunden in mehr als 150 Ländern und zählt nach eigenen Angaben über eine Million aktive Kundinnen.
Das Geschäftsmodell ist stark auf Direktvertrieb ausgerichtet: Rund 90 Prozent des Umsatzes stammen aus eigenen Stores und dem Onlinehandel. Dieser hohe D2C-Anteil ermöglicht höhere Margen als der klassische Großhandel und stärkt die Kontrolle über Sortiment, Preise und Kundenzugang. Zugleich grenzt sich Reformation mit kleineren Kollektionen und einem hohen Anteil an Verkäufen zum regulären Preis von vielen Fast-Fashion-Anbietern ab. Die Positionierung im Bereich Nachhaltigkeit ist damit nicht nur Markenversprechen, sondern Teil der operativen Strategie.
Die Finanzzahlen liefern eines der zentralen Argumente für den Börsengang. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Reformation einen Umsatz von rund 507 Millionen US-Dollar und erwirtschaftete einen Nettogewinn von 12,6 Millionen US-Dollar. Besonders relevant ist die erreichte Profitabilität: Während zahlreiche digitale Modemarken unter schwächerer Nachfrage, Rabattdruck und hohen Kosten für Marketing litten, gelang Reformation der Sprung in die Gewinnzone. Der effiziente Produktionsansatz und begrenzte Rabattaktionen gelten als wesentliche Faktoren.
Mehrheitseigentümer bleibt die Beteiligungsgesellschaft Permira, die Reformation 2019 übernommen hatte. Zwar verkauft der Finanzinvestor im Rahmen des IPOs einen Teil seiner Beteiligung, er soll jedoch auch nach dem Börsengang maßgeblicher Anteilseigner bleiben und erheblichen Einfluss behalten. Für Permira eröffnet die Transaktion die Möglichkeit, einen Teil des Unternehmenswerts zu realisieren, ohne sich vollständig zurückzuziehen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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