Indiens Quick Commerce liefert zu viel Abgelaufenes
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Indiens Quick Commerce liefert zu viel Abgelaufenes

Mehr als jeder zweite Nutzer indischer Quick-Commerce-Apps hat schon abgelaufene oder fast abgelaufene Ware erhalten, meldet Timesnownews.com. 18,9 Prozent hätten bereits verfallene Produkte bekommen, 33,5 Prozent knapp vor Ablauf stehende. Herstellungs- und Ablaufdaten fehlten in vielen Produktlisten komplett. Auf Nachfragen schwiegen Anbieter wie Blinkit, Zepto und Swiggy Instamart bislang.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
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Vertrauensproblem im indischen Quick Commerce

Indische Quick-Commerce-Plattformen geraten wegen mangelhafter Produktinformationen und zweifelhafter Frischekontrollen unter Druck. Laut einer Online-Umfrage von Timesnownews.com haben mehr als die Hälfte der befragten Nutzer bereits abgelaufene oder fast abgelaufene Ware über entsprechende Apps erhalten. Konkret berichten 18,9 Prozent von bereits verfallenen Produkten, weitere 33,5 Prozent von Artikeln kurz vor Ablauf der Haltbarkeit. Damit liegt der Anteil betroffener Nutzer bei 52,4 Prozent.

Der Befund trifft einen wachsenden Markt an einer sensiblen Stelle: Quick Commerce ist in vielen indischen Haushalten zur alltäglichen Bezugsquelle für Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs geworden. Anders als im stationären Handel können Kundinnen und Kunden vor dem Kauf jedoch nicht selbst prüfen, welches Herstellungs- oder Ablaufdatum auf der Verpackung steht. Gerade deshalb fordert die von Times Now Digital gestartete Kampagne „E-Comms Hiding Health Info“ mehr Transparenz in Produktlisten. Im Mittelpunkt stehen Plattformen wie Zepto, Amazon Now, Swiggy Instamart, Blinkit, BigBasket und Flipkart Minutes, die nach Darstellung des Berichts wesentliche Pflichtangaben wie Herstellungsdaten, Mindesthaltbarkeitsdaten und weitere Produktinformationen häufig nicht vollständig anzeigen. Für den E-Commerce ist das ein grundlegendes Thema, weil fehlende Angaben die Kaufentscheidung ohne Transparenz erschweren.

Die Umfrage zeigt auch, dass ein Teil der Verbraucher dem Liefermodell weiterhin fernbleibt: 27,9 Prozent der Befragten gaben an, Quick-Commerce-Apps gar nicht zu nutzen. Times Now Digital leitet aus den Ergebnissen einen klaren Handlungsbedarf ab: bessere Qualitätskontrollen, regelmäßige Bestandsprüfungen, eine sauberere Warenrotation und vor allem die sichtbare Angabe von Ablaufdaten in den Produktlistings. Damit berührt der Fall nicht nur operative Fragen der Plattformen, sondern auch den Verbraucherschutz. Wer Lebensmittel online bestellt, soll vor der Zahlung dieselben relevanten Informationen erhalten wie beim Griff ins Regal.

Auch die Aufsicht ist inzwischen aktiv. Die Food Safety and Standards Authority of India (FSSAI) teilte am 11. Juli mit, neun Mitteilungen an Swiggy Instamart verschickt zu haben. Hintergrund seien Beschwerden über abgelaufene, verdorbene, verfaulte oder kontaminierte Lebensmittel, die über die Plattform geliefert worden sein sollen. Times Now Digital stellte den großen Anbietern eine einfache Frage: Warum fehlen Herstellungs- und Ablaufdaten in den Listings? Nach Angaben des Berichts blieben Blinkit, Zepto, Swiggy Instamart, BigBasket, Amazon Now und Flipkart Minutes eine inhaltliche Antwort schuldig. Blinkit und Amazon baten zunächst um 48 Stunden, reagierten aber auch nach einer weiteren Frist bis zum 30. Juli nicht auf die konkrete Anfrage; BigBasket teilte lediglich mit, nicht teilnehmen zu wollen. Dieses Schweigen verstärkt den Eindruck fehlender Verantwortlichkeit.

Parallel häufen sich laut Bericht öffentliche Beschwerden auf X. Nutzer schildern unter anderem abgelaufenen Käse von Swiggy Instamart, abgelaufene Milch- und Molkereiprodukte sowie einen Joghurtbecher von Zepto, dessen Haltbarkeit bereits fünf Tage überschritten gewesen sein soll. In einem weiteren Fall wurde schimmelbedecktes Brot mit formal gültigem Ablaufetikett gemeldet; die FSSAI verwies den Kunden an den zuständigen Food Safety Commissioner des Bundesstaats, Zepto kündigte eine Prüfung an. Kritisiert wird dabei nicht nur die Ware selbst, sondern auch ein Kundenservice, der Nachweise offenbar nicht immer anerkennt oder Fälle nicht abschließend löst. Besonders brisant ist zudem ein virales Video, das angeblich verdeckte Aufnahmen aus einem Blinkit-Store in Mumbai zeigt und den Eindruck erweckt, Mitarbeitende würden Ablaufdaten von Milchpackungen entfernen. Der Bericht macht damit deutlich: Für Quick-Commerce-Anbieter steht nicht allein die Liefergeschwindigkeit auf dem Prüfstand, sondern das Vertrauen in die gesamte Lieferkette.

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Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

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