Verkäuferin verpackt handgefertigte Produkte in hellem Studio als Symbol für Etsys Marktplatzwachstum
© Black Forest Labs / Flux

Etsy streicht 220 Stellen und hebt die Prognose an

Etsy entlässt rund 220 Beschäftigte, etwa zwölf Prozent der Belegschaft, berichtet Cnbc.com. Der Schritt diene nicht dem Sparen, sondern einer schlankeren Struktur und sei nicht durch KI verursacht. Betroffen seien vor allem Produkt- und Entwicklungsteams. Trotz eines Nettoverlusts von 46,65 Mio. Dollar, belastet durch den Depop-Verkauf an Ebay, sei der Kernmarktplatz um 9,3 Prozent gewachsen. Etsy hebe die Jahresprognose an und erwarte nun Wachstum im mittleren einstelligen Bereich statt zuvor im niedrigen einstelligen.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
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Etsy strafft Organisation trotz besserer Wachstumsdynamik

Etsy baut rund 220 Stellen ab und trennt sich damit von etwa zwölf Prozent der Belegschaft, wie CNBC.com berichtet. Der Online-Marktplatz begründet den Schritt nicht mit einem klassischen Sparprogramm, sondern mit dem Ziel, die Organisation einfacher aufzustellen, schneller zu entscheiden und Innovationen in einem zunehmend umkämpften E-Commerce-Umfeld zu beschleunigen. Nach Unternehmensangaben trifft der Abbau vor allem Produkt- und Entwicklungsteams.

CEO Kruti Patel Goyal, die Anfang des Jahres die Führung übernommen hat, stellte die Maßnahme intern als Teil eines Umbaus für die nächste Wachstumsphase dar. Etsy wolle die Struktur, Kultur und Teamaufstellung schaffen, die für die künftige Entwicklung notwendig seien. Zugleich betonte das Unternehmen, die Entlassungen seien nicht durch KI ausgelöst. Vielmehr gehe es darum, in einer Phase positiver operativer Entwicklung fokussierter zu arbeiten und die Umsetzung zu beschleunigen.

Der Stellenabbau fällt mit der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal zusammen. Etsy meldete einen Umsatz von 668,3 Millionen Dollar und lag damit über den Erwartungen der von LSEG befragten Analysten, die 649,1 Millionen Dollar prognostiziert hatten. Besonders relevant ist die Entwicklung des Kernmarktplatzes: Dort stieg der Umsatz um 9,3 Prozent. Gleichzeitig erhöhte Etsy die Jahresprognose für das Bruttowarenvolumen und erwartet nun ein Wachstum im mittleren einstelligen Bereich statt zuvor im niedrigen einstelligen Bereich.

Belastet wurde das Quartalsergebnis jedoch durch den Verkauf von Depop an eBay. Etsy wies einen Nettoverlust von 46,65 Millionen Dollar aus, entsprechend 36 Cent je Aktie. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Nettogewinn von 28,84 Millionen Dollar beziehungsweise 25 Cent je Aktie erzielt. Der Verlust umfasst aufgegebene Geschäftsbereiche, darunter den im Vormonat abgeschlossenen Depop-Verkauf an eBay für 1,4 Milliarden Dollar in bar.

Strategisch setzt Etsy weiter auf seine Positionierung als Marktplatz für handgefertigte, individuelle und kunsthandwerkliche Produkte. Nach dem pandemiebedingten Online-Boom hatte das Unternehmen Schwierigkeiten, die Dynamik zu halten, während Käufer wieder stärker in stationäre Geschäfte zurückkehrten. Hinzu kommt Wettbewerbsdruck durch große Anbieter wie Amazon und Walmart sowie neue Handelsplattformen wie TikTok Shop und Temu.

Um sich deutlicher abzugrenzen, arbeitet Etsy daran, massenproduzierte und generische Artikel von Wiederverkäufern zurückzudrängen und die Suche stärker zu personalisieren. Eine Kampagne unter dem Titel „Shop Other Jeffs“ positionierte nicht-milliardenschwere Anbieter namens Jeff als Gegenbild zu Amazons Prime-Day-Kommunikation. Die jüngsten Zahlen deuten darauf hin, dass diese Fokussierung Wirkung zeigt: Zwar sank die Zahl der aktiven Käufer leicht um 0,4 Prozent auf 87 Millionen, zugleich stieg die Zahl der Verkäufer im Jahresvergleich um 5,9 Prozent auf 5,7 Millionen.

Für das dritte Quartal rechnet Etsy mit einem Bruttowarenvolumen zwischen 2,53 und 2,58 Milliarden Dollar und liegt damit über der Konsensschätzung von 2,49 Milliarden Dollar laut FactSet. Der Personalabbau markiert damit keinen Rückzug, sondern eine Neujustierung: Etsy will mit schlankeren Strukturen schneller wachsen, ohne seine Rolle als Plattform für besondere Produkte aufzugeben.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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