Amazon verlangt in den Niederlanden die höchsten Marktplatz-Provisionen
Amazon ist in den Niederlanden nach einer Untersuchung von FiveX der teuerste Marktplatz für Online-Händler. Wie Ecommercenews.eu berichtet, lag die durchschnittliche Provision der Plattform im August bei 19,7 Prozent. Damit hebt sich Amazon deutlich vom Durchschnitt der zehn größten untersuchten Marktplätze ab, der bei 14,5 Prozent lag.
Die Studie zeigt, wie unterschiedlich die Kostenstruktur auf Online-Marktplätzen ausfallen kann. Während Amazon mit 19,7 Prozent Provision an der Spitze steht, berechnet Cdiscount in den Niederlanden im Schnitt 11,2 Prozent und ist damit die günstigste der genannten Plattformen. Bol liegt mit 14,2 Prozent leicht unter dem Marktdurchschnitt. Auch MediaMarkt und Fnac bewegen sich mit 13,7 beziehungsweise 13,6 Prozent eng beieinander.
FiveX, eine niederländische Softwareplattform für E-Commerce, hat für die Analyse mehr als 50 Millionen Bestellungen ausgewertet. Davon entfielen 5 Millionen Orders auf das letzte Quartal. Die erhobenen Daten legen nahe, dass sich die meisten Plattformen bei den durchschnittlichen Provisionssätzen vergleichsweise nah beieinander bewegen. Die Standardabweichung über alle zehn untersuchten Marktplätze beträgt 2,25 Prozentpunkte; Amazon bildet jedoch einen klaren Ausreißer nach oben.
Bemerkenswert ist der Befund auch deshalb, weil Amazon Ende des vergangenen Jahres angekündigt hatte, Gebühren für Verkaufspartner zu senken. Die FiveX-Zahlen beziehen sich jedoch auf den niederländischen Markt und zeigen für August weiterhin einen deutlichen Abstand zum Durchschnitt. Für Händler kann dieser Unterschied unmittelbar relevant sein, weil Provisionen einen zentralen Teil der Kalkulation beim Verkauf über Marktplätze ausmachen.
Gleichzeitig ist die Aussagekraft der Untersuchung begrenzt: FiveX berücksichtigte nur die Provisionskosten. Nicht einbezogen wurden Fulfillment, Versand oder Werbekosten, obwohl diese Posten erheblich zu den tatsächlichen Gesamtkosten von Händlern beitragen können. Ein vollständiger Kostenvergleich der Plattformen könnte daher anders ausfallen. Für Verkäufer bleibt die Studie dennoch ein wichtiger Hinweis darauf, dass nicht nur Reichweite und Marktposition, sondern auch die jeweilige Gebührenstruktur über die Wirtschaftlichkeit eines Marktplatzes entscheiden.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
Alle Beiträge