Beim Thema Agentic Commerce steckt der Handel noch in der Orientierungsphase, zeigt eine Studie des EHI. Rund sechs von zehn Handelsunternehmen befassten sich mit weitgehend autonomen Kaufsystemen, gut elf Prozent nutzten bereits konkrete Anwendungen, aber 40 Prozent würden für sich keinen sinnvollen Einsatz sehen. Wer einen eigenen Agenten plane, ziele vor allem auf Konversionen und Personalisierung. Mehr als ein Viertel der befragten Unternehmen hielten Investitionen gegenwärtig für wahrscheinlich, doch drei Viertel rechneten damit erst in den nächsten zehn Jahren.
Der Handel nähert sich Agentic Commerce bislang vorsichtig. Laut EHI-Studie, die im Auftrag von Softserve erstellt wurde, beschäftigen sich rund sechs von zehn Handelsunternehmen mit weitgehend autonomen Kaufsystemen. Mehr als elf Prozent nutzen bereits konkrete Anwendungen. Gleichzeitig sehen 40 Prozent der Befragten für ihr Unternehmen derzeit keinen sinnvollen Einsatz. Der Markt befindet sich damit klar in einer Orientierungsphase, in der Potenziale, technische Voraussetzungen und strategische Rollen erst sortiert werden.
Smarte Agenten haben sich in kurzer Zeit von digitalen Ratgebern zu Systemen entwickelt, die Kauf- und Handelsprozesse weitgehend selbstständig ausführen oder steuern können. Für Lars Hofacker, Tech-Experte beim EHI und Co-Autor der Studie, markiert diese Entwicklung eine neue Stufe im Handel. Relevanz und Vertrauen der Kundschaft gewinnen dabei an Gewicht. Unternehmen müssen klären, ob sie eigene Agenten entwickeln oder bestehende Systeme nutzen. Für 44,9 Prozent ist diese Ausrichtung noch offen. 23,6 Prozent arbeiten bereits mit einem Dienstleister zusammen, weitere 32,4 Prozent planen eine Kooperation.
Conversion und Personalisierung stehen im Mittelpunkt
Die wichtigsten Ziele eigener Agenten sind klar umrissen. Jeweils knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen nennen die Steigerung von Conversion und Personalisierung als zentrale Motive. Mehr als die Hälfte sieht außerdem bessere Kundenservices und stärkere Kundenloyalität als relevante Einsatzfelder. Damit rückt Agentic Commerce vor allem dort in den Fokus, wo Kaufentscheidungen vorbereitet, begleitet oder automatisiert werden. Für den Handel geht es um neue Zugänge zur Kundschaft, aber auch um die Frage, wie viel Steuerung an autonome Systeme abgegeben werden kann.
Die Voraussetzungen dafür sind unterschiedlich ausgeprägt. 39,2 Prozent der Befragten bewerten ihre Datenbasis als eher gut bis sehr gut. 37,4 Prozent schätzen sie dagegen eher kritisch ein. Auch personell sehen sich viele Unternehmen noch nicht ausreichend vorbereitet: Nur gut ein Fünftel hält die eigene Organisation für passend aufgestellt. Der Einsatz von KI-Systemen im Handel hängt damit nicht allein von einzelnen Tools ab, sondern von Datenqualität, Fachwissen und Investitionsbereitschaft.
Investitionen werden vor allem mittelfristig erwartet
Aktuell halten nur 26,6 Prozent der Befragten Investitionen in Agentic Commerce für wahrscheinlich. In fünf Jahren erwartet dies bereits knapp zwei Drittel, in zehn Jahren fast drei Viertel. Auch die Marktwirkung wird zeitlich versetzt gesehen. Heute messen nur zehn Prozent dem Thema eine große Bedeutung für den Handel insgesamt bei. Für die kommenden zehn Jahre rechnen jedoch mehr als 90 Prozent damit, dass Agentic Commerce den Handel nachhaltig prägen wird.
Im stationären Handel sehen aktuell nur 6,2 Prozent der Befragten einen starken Veränderungseffekt. In fünf Jahren erwarten das 48,3 Prozent, in zehn Jahren fast zwei Drittel. Im Onlinehandel ist die Erwartung deutlich höher: Schon heute sieht ein Fünftel einen starken Einfluss, in fünf Jahren sind es 85,8 Prozent. Die Studie zeigt damit einen klaren Zeithorizont: Agentic Commerce ist derzeit für viele Unternehmen noch Prüf- und Strategiethema, soll aber innerhalb der kommenden Jahre deutlich stärker in operative Handelsprozesse einziehen.
Die Datenbasis der Untersuchung bildet eine Online-Befragung aus Juli und August 2026. Teilgenommen haben 218 Personen aus dem deutschsprachigen Handel und zwölf Branchen. Rund ein Viertel der Befragten, 56 Personen, gehört der Geschäftsführung oder Vorstandsebene an.

etailment
Unter dem Namen Redaktion veröffentlicht das Team von etailment.de gemeinsam recherchierte Nachrichten und Analysen aus dem digitalen Handel.
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