Die Trilog-Verhandlungen über den digitalen Euro haben begonnen, meldet Retail-News.de. Strittig bleibt das Gebührenmodell: Parlament und Rat verfolgen unterschiedliche Ansätze für die Obergrenze der Händlerentgelte in der Übergangsphase. Parallel sucht die EZB Online- und Mobile-Commerce-Händler aus dem Euroraum für einen zwölfmonatigen Pilotversuch ab der zweiten Jahreshälfte 2027, Bewerbungsschluss ist der 27. Oktober.
Die Verhandlungen über den digitalen Euro sind in die politische Kernphase eingetreten. Retail-News.de berichtet, dass EU-Kommission, Rat und Europäisches Parlament die Trilog-Gespräche aufgenommen haben. Im Zentrum steht die Frage, wie Händler und Zahlungsdienstleister künftig bei Zahlungen mit dem digitalen Euro belastet oder vergütet werden. Besonders umstritten bleibt die Obergrenze der Händlerentgelte während einer Übergangsphase.
Gebührenmodell als politischer Prüfstein
Beim zweiten politischen Trilog am 10. September rückte nach Angaben von Ecommerce Europe vor allem das Vergütungsmodell in den Mittelpunkt. Parlament und Rat verfolgen unterschiedliche Ansätze, wie hoch Händlergebühren zunächst ausfallen dürfen. Der Rat schlägt vor, die Entgelte an vergleichbaren Zahlungsmitteln zu orientieren und später auf ein stärker kostenbasiertes Modell umzustellen. Damit sollen Händler vor übermäßigen Kosten geschützt werden, während Zahlungsdienstleister den digitalen Euro wirtschaftlich tragfähig bereitstellen können.
Aus Sicht des Handels braucht das künftige Payment-Modell vor allem Einfachheit und Planungssicherheit. Ecommerce Europe fordert eine vereinfachte Gebührenberechnung und warnt, dass Händler den digitalen Euro nur aktiv unterstützen dürften, wenn er gegenüber bestehenden Zahlungsmitteln wirtschaftlich attraktiv bleibt. Zusätzlich setzt sich der Verband dafür ein, den digitalen Euro stärker für Zahlungen zwischen Unternehmen nutzbar zu machen. Eine politische Einigung ist nach aktuellem Zeitplan vor Ende 2026 vorgesehen.
EZB bereitet Praxistest im Onlinehandel vor
Parallel zur Gesetzgebung treibt die Europäische Zentralbank die technische Erprobung voran. Seit dem 15. September können sich Online- und Mobile-Commerce-Händler aus dem Euroraum für einen Pilotversuch bewerben. Gesucht werden Unternehmen, die den digitalen Euro in kontrollierten Checkout-Szenarien testen. Der Pilot soll zwölf Monate dauern und in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen.
Für den Test setzt die EZB auf eine Beta-Version, die technisch und funktional möglichst nah an der derzeit geplanten Lösung liegen soll. Bereits zuvor wurden 36 Zahlungsdienstleister für die Teilnahme ausgewählt. Die Testversion wird jedoch kein rechtliches Zahlungsmittel sein. Im Fokus stehen Abläufe im Online- und Mobile-Checkout, die Einbindung in bestehende Zahlungssysteme sowie die Nutzererfahrung im E-Commerce.
Die Teilnahme der Händler ist freiwillig und wird nicht vergütet. Erkenntnisse aus dem Pilot sollen in die weitere technische Ausgestaltung des digitalen Euro einfließen. Eine tatsächliche Einführung ist damit weiterhin offen: Die EZB will erst nach Abschluss des europäischen Gesetzgebungsverfahrens entscheiden. Technisch soll das Eurosystem für eine mögliche erste Ausgabe im Jahr 2029 vorbereitet sein, falls die notwendige EU-Verordnung 2026 verabschiedet wird. Bewerbungen für den Pilot sind bis zum 27. Oktober 2026 möglich.

etailment
Unter dem Namen Redaktion veröffentlicht das Team von etailment.de gemeinsam recherchierte Nachrichten und Analysen aus dem digitalen Handel.
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