Asos hat im vierten Quartal seines Geschäftsjahres den Bruttowarenwert leicht gesteigert, berichtet Ecommercenews.eu. Übers Jahr bleibe aber trotzdem ein Minus von fünf Prozent, die Zahl aktiver Kunden sei auf 16,4 Mio. geschrumpft . In Deutschland und Großbritannien habe der Modehändler aber im zweiten Halbjahr zugelegt. Zudem lagere Asos mehr Partnerware ein oder lasse Partner direkt versenden: Sortiment ohne eigenen Einkauf.
Asos sendet zum Ende seines Geschäftsjahres vorsichtige Erholungssignale. Im vierten Quartal, das am 30. August endete, stieg der Bruttowarenwert im niedrigen einstelligen Bereich, berichtet Ecommercenews.eu. Zuvor war dieser Wert über das Jahr hinweg deutlich unter Druck geraten. Für das Gesamtjahr bleibt ein Minus von fünf Prozent beim Wert der verkauften Produkte. Der Online-Modehändler hat damit zwar wieder Wachstumstendenzen gezeigt, bewegt sich aber weiterhin unter dem Vorjahresniveau.
Erholung mit kleinerer Kundenbasis
Auch bei den Kundenzahlen gibt es erstmals seit 2022 wieder einen Anstieg gegenüber dem Vorquartal. Am Ende des Geschäftsjahres zählte Asos jedoch 16,4 Millionen aktive Kundinnen und Kunden, nach 17 Millionen ein Jahr zuvor. Die Basis ist damit weiter geschrumpft. Positiv entwickelte sich das Geschäft im zweiten Halbjahr in Großbritannien und Deutschland. In den USA legte Asos im Schlussquartal zu. Besonders stark schnitt die Damenmode ab: Der Wert der verkauften Produkte stieg in diesem Bereich im zweiten Halbjahr um acht Prozent.
Die Zahlen zeigen, dass Asos im Onlinehandel wieder Traktion gewinnt, die Trendwende aber noch nicht abgeschlossen ist. Wichtig ist zudem die Einordnung der Kennzahl: Das gemeldete Wachstum bezieht sich auf den Gross Merchandise Value, also den Bruttowarenwert einschließlich Aktivitäten von Fulfilment-Partnern. Daraus lässt sich noch nicht ableiten, dass auch der Unternehmensumsatz wieder wächst. Eine genaue Wachstumsrate für das vierte Quartal hat Asos bislang nicht veröffentlicht.
Mehr Partnerware, weniger eigenes Risiko
Parallel baut Asos sein Partnermodell aus. Im Laufe des Jahres kamen rund 30 Partner-Marken hinzu. Zudem setzt das Unternehmen stärker auf zwei Fulfilment-Varianten: Entweder lagert Asos Bestände von Partnern selbst ein und übernimmt Lieferung sowie Retouren, oder die Partner versenden direkt an Asos-Kundinnen und -Kunden. Zusammen machten diese Modelle 21 Prozent des Verkaufswerts der Partnermarken aus. Das sind mehr als zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Für Asos ist dieser Ansatz strategisch relevant, weil das Sortiment erweitert werden kann, ohne sämtliche Ware selbst einkaufen zu müssen. Die Logistik wird damit flexibler, zugleich verschiebt sich ein Teil des Bestandsrisikos. Das Unternehmen verweist außerdem auf eine verbesserte Bruttomarge. Dazu trugen mehr Verkäufe zum vollen Preis und weniger Retouren bei. In Großbritannien zeigt Asos Kundinnen und Kunden inzwischen ihre persönliche Retourenquote an. Damit adressiert der Händler ein Kostenfeld, das im Modegeschäft besonders stark auf die Profitabilität wirkt.
Kostenbasis wird weiter angepasst
Auch strukturell hat Asos nachgesteuert. Die Lagerkapazitäten wurden reduziert; Marks & Spencer kaufte Anfang des Jahres eines der britischen Distributionszentren. Zusätzlich wurde ein US-Lager verkauft. Laut Asos haben diese Schritte Kosten und Schulden gesenkt. Zusammen mit dem Ausbau der Partnermodelle deutet das auf einen klaren Fokus: weniger Kapitalbindung, breiteres Sortiment und bessere Kontrolle über Retouren und Margen.
Die Erholung bleibt dennoch früh. Der Bruttowarenwert wächst wieder im Schlussquartal, die aktive Kundenbasis liegt aber weiterhin unter dem Vorjahr. Ob sich daraus ein nachhaltiger Umsatzaufschwung ableiten lässt, wird erst mit den vollständigen Jahreszahlen klarer. Asos will sie am 5. November veröffentlichen.
