Weil der Lieferdienst Flink eine Lösegeldforderung schlicht ignoriert hat, richten sich die Erpresser jetzt an dessen Kunden, berichtet Heise.de. Per Mail fordern sie 100 Ether, rund 230.000 Euro, eingesammelt in Zehn-Euro-Häppchen: Crowdfunding mit vorgehaltener Pistole. Andernfalls drohen sie, die erbeuteten Daten zu verkaufen. Über das Bestellsystem eines einzelnen Lagers sei die Bande an Namen, Adressen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Kunden und Mitarbeitern gelangt. In den Niederlanden habe die Bande mindestens 10.000 Kunden angeschrieben.
Nach einem Cyberangriff auf ein internes System des Lieferdienstes Flink versuchen bislang unbekannte Kriminelle, Druck auf das Unternehmen und dessen Kunden aufzubauen. Weil Flink nach eigenen Angaben nicht auf die ursprüngliche Lösegeldforderung reagierte, wenden sich die Angreifer nun direkt an Betroffene, wie Heise.de berichtet. Gefordert werden insgesamt 100 Ether, derzeit rund 230.000 Euro, eingesammelt in Einzelbeträgen von 0,005 ETH, also etwa zehn Euro.
Angriff auf ein internes Bestellsystem
Nach Darstellung von Flink traf der Angriff ein eigenes, eigentlich internes Bestellsystem, das in sogenannten Order Hubs genutzt wird. Diese kleinen, dezentralen Lager sind Teil der städtischen Logistik des Lieferdienstes und ermöglichen kurze Lieferzeiten. Laut Unternehmen war ein einzelner Order Hub betroffen. Der Standort sei identifiziert und der unberechtigte Zugriff unterbunden worden.
Die Täter konnten dennoch Daten kopieren. Betroffen sind nach Angaben von Flink Namen, Lieferadressen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Kunden sowie Mitarbeitern. In Einzelfällen sollen auch Lieferhinweise, etwa zum Stockwerk, und weitere Informationen zu Bestellungen abgeflossen sein. Passwörter, Zahlungsdaten, Kreditkarteninformationen und Bankdaten sollen den Angreifern nicht in die Hände gefallen sein.
Erpressung verlagert sich auf Kunden
Zunächst forderten die Kriminellen Geld direkt von Flink. Das Unternehmen erklärte schriftlich: „Flink tritt grundsätzlich nicht mit Kriminellen in Kontakt und führt keine Verhandlungen mit ihnen.“ Auf Nachfrage hieß es, Flink habe in diesem Fall gar nicht reagiert. Daraufhin richteten die Täter ihre Forderung an Kunden und versprachen, die Daten bei Zahlung zu löschen. Andernfalls drohten sie, die Informationen im „deep web“ zu verkaufen.
In den Niederlanden gingen laut Flink bei mindestens 10.000 Kunden entsprechende Erpressermails ein. Niederländische Medien wie NL Times und RTL NL berichteten ebenfalls über den Fall. In den Schreiben bekennt sich eine bislang wenig bekannte Gruppe namens „LPG Group“ zu der Tat. Die Mails sprechen Empfänger namentlich an und nutzen einen Flink-ähnlichen gefälschten Absender. Das erhöht das Risiko, dass Betroffene die Nachrichten für glaubwürdig halten.
Flink warnt vor Reaktionen auf die Mails
Flink rät Betroffenen, auf Erpresserschreiben in keiner Weise zu reagieren. Heise online schließt sich dieser Einschätzung an: Eine Antwort bestätigt den Tätern eine aktive Mailadresse, eine Zahlung stärkt ihr Geschäftsmodell. Als sinnvoll gilt stattdessen, nicht zu antworten und Anzeige bei der Polizei zu erstatten.
Über eine Abuse-Meldung beim Mailprovider der Täter sei die Flut der Schreiben vorerst eingedämmt worden. Flink schließt jedoch nicht aus, dass die Erpresser andere Wege nutzen. Über die Support-Kanäle des Unternehmens gingen bis Samstag rund 150 Mitteilungen von Kunden ein. Wie viele Kunden in Deutschland kontaktiert wurden, lässt sich damit bislang nicht verlässlich einschätzen.
Wachsamkeit wegen möglicher Folgeangriffe
Für betroffene Kunden und Mitarbeiter bleibt vor allem das Risiko weiterer Phishing-Versuche. Da Namen, Kontaktdaten und Lieferinformationen bekannt sein können, könnten künftige Nachrichten gezielt und plausibel formuliert wirken. Der Fall wurde laut Flink angezeigt; zudem sei die zuständige Datenschutzbehörde informiert worden. Der bisher belastbare Umfang: mindestens 10.000 angeschriebene Kunden in den Niederlanden und rund 150 Support-Meldungen bis Samstag.
