Die neue Zollpauschale für Pakete aus Drittstaaten belastet kleine Online-Händler stärker als große Plattformen, kommentiert Haendlerbund.de. Seit dem 1. Juli ersetze eine Abgabe von drei Euro je Warenart die 150-Euro-Freigrenze, ab November komme eine Bearbeitungsgebühr hinzu. Eine Plattform bündle Sendungen und lagere Ware in der EU, ein kleiner Shop müsse dagegen entweder die Preise anheben, Marge opfern oder das Sortiment ausdünnen. Der Händlerbund fordere daher wirksame Plattformkontrolle, konsequente Rechtsdurchsetzung und einfachere Zollverfahren für KMU.
Die neue Zollpauschale für Pakete aus Drittstaaten soll faire Wettbewerbsbedingungen im europäischen Markt schaffen. In der Praxis trifft sie kleine Anbieter jedoch deutlich härter als große Plattformen, kommentiert Haendlerbund.de. Seit dem 1. Juli ist die bisherige 150-Euro-Freigrenze entfallen. Stattdessen gilt eine Pauschale von drei Euro je Warenart; ab November kommt zusätzlich eine Bearbeitungsgebühr hinzu.
Neue Kosten, ungleiche Spielräume
Das Ziel der EU-Zollreform ist nachvollziehbar: Wer auf dem europäischen Markt verkauft, soll vergleichbaren Regeln unterliegen. Zollprivilegien abzubauen und Plattformen stärker für ihre Importe in die Pflicht zu nehmen, gilt als überfälliger Schritt. Zusätzliche Abgaben allein schaffen aber noch keinen fairen Wettbewerb, wenn die betroffenen Unternehmen sehr unterschiedliche Möglichkeiten haben, Kosten aufzufangen.
Große Plattformen können Sendungen bündeln, Ware containerweise importieren und stärker auf Lager innerhalb der EU setzen. Aus der Community wird berichtet, dass AliExpress seine Verteilhubs in der EU auf immer mehr Artikel ausweitet und Temu ein Lager in Deutschland nutzt. Für solche Anbieter lässt sich die neue Abgabe in die Kalkulation integrieren. Bei kleinen Shops entsteht dagegen ein unmittelbares Kalkulationsproblem: Preise erhöhen, Marge senken oder Produkte aus dem Sortiment nehmen.
Auswirkungen im Alltag kleiner Händler
Die Beispiele aus der Händler-Community zeigen, wie unterschiedlich die Reform in der Praxis wirkt. Ein Produzent bezieht Rohmaterialien aus China, weil es sie in Deutschland nicht gibt. Für ihn steigen Einkaufskosten, während seine Konkurrenzfähigkeit sinkt. Eine Händlerin kauft Silikonformen bei einem chinesischen Anbieter, weil dieselben Formen bei Amazon deutlich teurer sind. Auch ihre Endprodukte werden dadurch teurer.
Ein Importeur berichtet von rund 14 Tagen längeren Verzollungszeiten, weil der Zoll personell nicht hinterherkomme. Seine Reaktion ist mehr Lagerbestand, wodurch Kapital gebunden wird und zusätzliche Kosten entstehen. Eine weitere Händlerin bestellt Ware in England und steht vor der Wahl, Zoll plus Gebühr einzukalkulieren oder auf den Einkauf zu verzichten. In keinem dieser Fälle geht es um Regelverstöße, sondern um reguläre Beschaffung im Onlinehandel.
Kontrolle statt reiner Abgabenlogik
Der Kommentar betont, dass China als Produktionsstandort und Bestandteil vieler Lieferketten nicht pauschal problematisiert werden dürfe. Viele Händler und Hersteller seien auf Waren, Bauteile oder Rohmaterialien angewiesen, für die es in Europa keine gleichwertigen Alternativen gebe. Maßgeblich sind sichere Produkte, korrekte Zollangaben und die Einhaltung europäischer Vorgaben.
Der Händlerbund fordert deshalb wirksame Plattformkontrolle, konsequente Rechtsdurchsetzung und einfache, verlässliche Zollverfahren für kleine und mittlere Unternehmen. Unsichere Produkte und falsche Zollangaben müssen verfolgt werden, unabhängig davon, wer sie einführt. Gleichzeitig braucht der Zoll Verfahren, die regelkonformen Handel zügig ermöglichen. Der nächste Prüfpunkt ist die zusätzliche Bearbeitungsgebühr ab November.
