Vietnams vier größte E-Commerce-Plattformen haben im ersten Halbjahr 2026 mehr als 291 Bio. Dong (9,9 Mrd. Euro) umgesetzt, berichtet Vietnam.vn. Das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum liege bei über 44 Prozent. Die Zahl verkaufter Artikel sei dagegen nur um knapp 14 Prozent gewachsen. Der Wert pro verkauftem Produkt steige und der durchschnittliche Online-Käufer gebe mehr aus.
Vietnams große Plattformökonomie wächst rasant: Die vier größten Anbieter im E-Commerce erzielten im ersten Halbjahr 2026 mehr als 291 Billionen VND, umgerechnet rund 9,9 Milliarden Euro, berichtet Vietnam.vn. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von über 44 Prozent. Die Zahl der verkauften Artikel stieg dagegen nur um 13,67 Prozent. Der Abstand zwischen Umsatz- und Mengenwachstum zeigt: Der durchschnittliche Warenwert steigt, und Verbraucher geben beim Online-Shopping mehr Geld pro Produkt aus.
Vertrauen wird zum zentralen Kaufkriterium
Mit höheren Warenkörben verändern sich auch die Anforderungen an Verkäufer. Käufer achten stärker darauf, ob ein Produkt der Beschreibung entspricht, ob der Anbieter verlässlich wirkt und wie Rückgabe, Umtausch oder Garantie geregelt sind. Damit rücken Faktoren in den Vordergrund, die über den reinen Preis hinausgehen. Die Kaufentscheidung hängt laut den geschilderten Beispielen zunehmend von Erfahrung, Transparenz und Servicebereitschaft ab.
Bei alltäglichen Produkten wie Haushaltswaren spielen Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld eine wichtige Rolle. Frau Bui Thi Thanh aus Hanoi beschreibt, dass sie Produkte eher kauft, wenn Familie oder Bekannte sie bereits nutzen. Erfüllt das Material nicht ihre Erwartungen, ist sie bereit, einen Umtausch zu veranlassen und sogar Rücksendekosten zu tragen. Das Beispiel zeigt, wie stark soziale Bestätigung und klare Rückgabemöglichkeiten den Online-Einkauf absichern.
Bewertungen, Fehlerquoten und Produktdetails gewinnen Gewicht
Bei hochpreisiger Elektronik zählen noch stärker Qualität, Fehlerbehebung und Erfahrungen anderer Käufer. Herr Nguyen Thanh Tung aus Hanoi berichtet, dass er früher Elektronik vor allem im Geschäft begutachtet habe, inzwischen aber überwiegend online kaufe. Ein Computer-Set könne rund 40 Millionen VND kosten, kleinere Artikel wie Tastaturen oder Mäuse nur einige Hunderttausend VND. Vor dem Kauf liest er Testberichte auf Technik-Websites und Kommentare anderer Kunden. Wichtiger als die Lieferquote ist für ihn die Rückgabequote, weil sie Hinweise auf defekte Produkte liefern kann.
Auch bei Kosmetik reichen Bewertungen allein nicht immer aus. Frau Ha Hai Linh aus Hanoi achtet nach eigenen Angaben besonders auf das Verfallsdatum. Einige Produkte näherten sich beim Kauf bereits ihrem Ablaufdatum; Qualität, Konsistenz oder Farbe könnten sich dadurch verändern. In solchen Fällen wendet sie sich an das Geschäft, um Rückgabe oder Umtausch zu klären. Gerade bei Waren, deren Zustand erst nach Erhalt vollständig beurteilt werden kann, werden verständliche Produktinformationen und verlässliche Reklamationswege wichtiger.
Kleine Anbieter stehen vor höheren Erwartungen
Die Marktdaten von Metric zeigen zugleich eine deutliche Verschiebung zugunsten offizieller Markenauftritte. Offizielle Markengeschäfte machen zwar weniger als 3 Prozent aller Shops aus, tragen aber mehr als ein Drittel zum Umsatz der drei betrachteten E-Commerce-Plattformen bei. Bui Quang Cuong vom vietnamesischen E-Commerce-Verband führt diese Entwicklung auf gestiegene Lebensstandards zurück. In der frühen Phase des Onlinehandels hätten niedrige Preise dominiert; heute kauften Verbraucher stärker auf Basis von Vertrauen.
Für kleinere Unternehmen bedeutet das: Sie müssen Preisangebote mit nachvollziehbaren Beschreibungen, glaubwürdigen Bewertungen und klaren Regeln für Rückgabe, Umtausch und Garantie verbinden. Der nächste Prüfpunkt für Vietnams Plattformhandel bleibt, ob mehr Anbieter diese Vertrauensanforderungen erfüllen können, während der Markt bereits im ersten Halbjahr 2026 auf über 291 Billionen VND Umsatz gewachsen ist.
