Shein, Temu und AliExpress haben im dritten Quartal in Deutschland 566 Mio. Euro umgesetzt, 35,5 Prozent unter Vorjahr, meldet Bevh.org. Ihr Marktanteil sinke von 5,3 Prozent im Vorquartal auf 3,1 Prozent. Der Verband sieht die Ursache in der Zollpauschale. Der heimische Online-Handel habe davon nicht profitiert: Der Gesamtmarkt wachse nur um 2,9 Prozent und damit weniger als die Inflation. Das Marktplatzgeschäft sei um fünf Prozent gewachsen, das reiner Online-Shops um 0,8 Prozent geschrumpft.
Asiatische Plattformen verlieren im deutschen Onlinehandel deutlich an Boden
Shein, Temu und AliExpress geraten in Deutschland spürbar unter Druck. Nach Daten des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh), über die Bevh.org berichtet, setzten die drei größten asiatischen Plattformen im dritten Quartal 566 Millionen Euro um. Das entspricht einem Rückgang um 35,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Ihr Marktanteil fiel von 5,3 Prozent im zweiten Quartal auf 3,1 Prozent.
Der Rückgang fällt in eine Phase, in der der deutsche Onlinehandel insgesamt nur schwach wächst. Laut bevh-Verbraucherbefragung stieg der Umsatz im dritten Quartal um 2,9 Prozent auf rund 18,5 Milliarden Euro. Da die Inflationsrate im September bei 3,3 Prozent lag, bleibt das nominale Wachstum unter der Inflation. Die erneute Eintrübung der Konsumstimmung zeigt sich damit direkt im digitalen Kaufverhalten.
Zollregeln bremsen Niedrigpreisgeschäft
Als zentrale Ursache für die Entwicklung sieht der Verband die Verteuerung von Kleinsendungen aus Drittstaaten. Seit Juli ist jede Sendung aus Drittstaaten grundsätzlich zollpflichtig, nachdem die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro entfallen ist. Für Kleinsendungen bis 150 Euro fällt eine Pauschale von 3 Euro pro Warengruppe an. Besonders margenschwache Niedrigpreisprodukte aus Asien werden dadurch weniger attraktiv.
Alien Mulyk, Hauptgeschäftsführerin des bevh, verweist zugleich auf strukturelle Anforderungen an den europäischen Markt. Zölle allein reichten aus ihrer Sicht nicht aus, um fairen Wettbewerb zu sichern. Die EU müsse Marktüberwachungsbehörden stärken und bestehendes Recht konsequent durchsetzen. Genannt werden der Aufbau einer gemeinsamen EU-Zollbehörde und die verpflichtende Übermittlung standardisierter Produkt-IDs.
Heimische Anbieter profitieren bislang kaum
Der Einbruch bei Shein, Temu und AliExpress führt bisher nicht zu klaren Zugewinnen für inländische Anbieter. Der bevh beschreibt eine zweigeteilte Marktentwicklung im E-Commerce. Während Online-Marktplätze um fünf Prozent zulegten, schrumpften reine Online-Shops um 0,8 Prozent. Multichannel-Anbieter erreichten über ihre Online-Kanäle ein moderates Plus von 2,5 Prozent.
Auf Warengruppenebene bleibt der tägliche Bedarf der stärkste Wachstumstreiber. Onlineumsätze mit Medikamenten stiegen um 15,4 Prozent, Drogerieartikel um 14,3 Prozent und Lebensmittel um 9,1 Prozent. Auch Mode entwickelte sich besser als der Gesamtmarkt: Kleidung legte um 4,9 Prozent zu, Schuhe um 6,4 Prozent. Damit wächst vor allem der tägliche Bedarf, während größere Anschaffungen zurückgestellt werden.
Schwächer entwickelten sich dagegen Elektronikartikel und Telekommunikation mit minus 4,6 Prozent sowie Möbel, Lampen und Dekoration mit minus 5,2 Prozent. Im Cluster Unterhaltung sanken die Umsätze um 2,6 Prozent. Besonders Bild- und Tonträger sowie Video- und Musik-Downloads verloren mit minus 5,3 Prozent.
Konsum bleibt der zentrale Unsicherheitsfaktor
Die Zahlen zeigen einen Markt, der zugleich von Regulierung, Preisempfindlichkeit und gedämpften Einkommenserwartungen geprägt ist. Nach Erholungssignalen in der ersten Jahreshälfte belasten steigende Energiepreise und vorsichtigere Haushalte das Kaufverhalten. Für den weiteren Jahresverlauf bleibt relevant, ob das schwache reale Wachstum anhält und wie stark zusätzliche Kosten den grenzüberschreitenden Handel treffen. Ab November kommt zusätzlich eine pauschale Bearbeitungsgebühr von 2 Euro hinzu.
