Gut die Hälfte der Deutschen will ab Januar die digitale Brieftasche d-you nutzen, zeigt eine Umfrage des Bitkom. Allerdings habe fast jeder Zweite noch nie von ihr gehört, gut erklären könne sie nur jeder Zwölfte. Zunächst belege die kostenlose Wallet vor allem die Identität, etwa beim Alterscheck oder bei der Kontoeröffnung; Führerschein und elektronische Unterschrift kämen später hinzu. Mehr als 180 Unternehmen hätten bereits zugesagt, die Technik in eigene Angebote einzubauen.
Digitale Brieftasche d-you startet mit hoher Nutzungsbereitschaft
Deutschland bereitet den Start der digitalen Brieftasche d-you vor. Die rechtliche Grundlage soll das Digitale-Identitäten-Gesetz schaffen, über das der Bundestag am 15. Oktober 2026 abstimmen soll. Ab dem 2. Januar 2027 soll die Wallet in Deutschland verfügbar sein; auf EU-Ebene läuft sie unter dem Namen EUDI-Wallet. Laut eine Umfrage des Bitkom wollen 53 Prozent der Bürgerinnen und Bürger die digitale Brieftasche künftig nutzen. 20 Prozent sagen „auf jeden Fall“, 33 Prozent „eher schon“. Jeweils 21 Prozent lehnen die Nutzung eher oder vollständig ab.
Die Wallet soll den digitalen Identitätsnachweis auf dem Smartphone ermöglichen. Sie ist kostenlos und freiwillig und wird mit dem Personalausweis oder dem elektronischen Aufenthaltstitel eingerichtet. Zum Start steht vor allem der Nachweis der eigenen Identität im Mittelpunkt, etwa beim Alterscheck, beim Vertragsabschluss oder bei der Kontoeröffnung. Schrittweise sollen weitere Nachweise hinzukommen, darunter Führerschein und Rentenausweis. Auch die elektronische Unterschrift ist für einen späteren Ausbau vorgesehen.
Alltagstauglichkeit hängt an konkreten Einsatzfällen
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst betont den praktischen Nutzen der Wallet und verweist auf Anwendungen im Alltag, etwa beim Kontakt mit der Bank oder beim Abschluss eines Vertrags. Mehr als 180 Unternehmen haben in einem von Bitkom und Bundesdigitalministerium initiierten Memorandum of Understanding bereits zugesagt, die Technik in eigene Angebote einzubauen. Damit soll d-you neben Behördenkontakten auch in privatwirtschaftlichen Services nutzbar werden.
Die größte Hürde bleibt die Bekanntheit. 46 Prozent der Deutschen haben noch nie von der EUDI-Wallet gehört; zu Jahresbeginn waren es 52 Prozent. Nur 8 Prozent können gut erklären, was damit gemeint ist. Weitere 21 Prozent wissen es in etwa, während 21 Prozent den Begriff kennen, seine Bedeutung aber nicht genau einordnen können. Aus Sicht des Bitkom müssen Bund, Länder sowie Ämter und Behörden vor Ort klarer erklären, welche Vorteile die Wallet konkret bietet.
Eine Voraussetzung für die Aktivierung wurde nach Angaben des Bundesdigitalministeriums nachgeschärft. Benötigt werden die Online-Funktion des Personalausweises und die dazugehörige PIN. Wer diese PIN nicht mehr kennt, soll künftig nicht mehr zum Amt gehen müssen. Stattdessen ist ein kostenloser Rücksetzungsdienst vorgesehen, den Bundesdigitalminister Karsten Wildberger zur Eröffnung der Smart Country Convention in Berlin angekündigt hat. Der nächste Prüfpunkt ist der Start am 2. Januar 2027.
