Online-Kunden schicken 2026 voraussichtlich 560 Mio. Pakete zurück, so viele wie nie, berichtet Tagesschau.de. Laut der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg liege die Quote unverändert bei 24,1 Prozent; die Menge steige nur durch das Wachstum des E-Commerce an. Shopping-Apps verleiteten zu Impulskäufen und könnten die Quote sogar noch steigern. Die Gratis-Rücksendung im Angebot vieler Online-Händler halte das Volumen hoch. Doch ausgerechnet Vielretournierer seien die profitabelsten Kunden: Sie bestellten häufig und behielten am Ende mehr, als sie zurückschickten.
Retouren erreichen 2026 voraussichtlich Rekordniveau
Online-Kunden in Deutschland werden 2026 voraussichtlich 560 Mio. Pakete zurückschicken. Das wäre ein neuer Höchststand, wie Tagesschau.de unter Berufung auf die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg berichtet. Die Rücksendequote bleibt demnach unverändert bei 24,1 Prozent. Der Anstieg entsteht also nicht durch ein verändertes Verhältnis von Bestellungen und Rückgaben, sondern durch das weiter wachsende Bestellvolumen im E-Commerce.
Damit rückt ein bekanntes Spannungsfeld des Onlinehandels erneut in den Vordergrund. Bequemes Bestellen, schnelle Lieferung und einfache Rücksendung senken die Schwelle zum Kauf. Shopping-Apps können diese Dynamik verstärken, weil sie Impulskäufe begünstigen. Wenn Produkte mit wenigen Klicks bestellt und ebenso unkompliziert retourniert werden können, steigt die Zahl der Sendungen im System. Die Gratis-Rücksendung, die viele Online-Händler weiter anbieten, hält das Volumen zusätzlich hoch.
Rücksendungen bleiben Teil eines profitablen Geschäftsmodells
Aus Händlersicht sind Retouren jedoch nicht nur ein Kostenfaktor. Laut den genannten Angaben zählen ausgerechnet Vielretournierer zu den profitabelsten Kunden. Sie bestellen häufig und behalten am Ende mehr Ware, als sie zurückschicken. Für Händler entsteht daraus ein Zielkonflikt: Rücksendungen verursachen Aufwand, sichern aber zugleich Umsatz mit besonders aktiven Kunden.
Von der steigenden Paketmenge profitieren auch Akteure entlang der Logistik. Paketunternehmen und Kioskbesitzer, die als Annahme- oder Abgabestellen in den Versandprozess eingebunden sind, können zusätzliche Sendungen als Geschäftschance nutzen. Je mehr Menschen online bestellen und retournieren, desto wichtiger werden wohnortnahe Übergabepunkte und belastbare Paketnetze. Die wachsende Zahl der Rücksendungen ist damit auch ein Indikator dafür, wie stark sich Alltagskonsum in digitale Bestell- und Lieferprozesse verlagert hat.
Umweltkritik trifft auf bequemes Kaufverhalten
Kritik kommt von Umweltschützern. Jede Rücksendung bedeutet zusätzlichen Transport, Sortierung und Bearbeitung. Der Bericht macht damit sichtbar, dass bequemes Kaufverhalten und ökologische Bedenken weiter auseinanderliegen. Besonders kostenlose Rückgaben können dazu beitragen, dass Bestellungen weniger sorgfältig geprüft werden. Zugleich zeigen die Daten, dass die Quote stabil bleibt und die absolute Menge vor allem mit dem Markt wächst.
Für den Onlinehandel bleibt die Entwicklung damit ein operatives und kommunikatives Thema. Händler müssen den Komfort für Kunden, die Kosten der Abwicklung und die Kritik an zusätzlichem Versandaufkommen in Einklang bringen. Der nächste Prüfpunkt ist die tatsächliche Entwicklung des Bestellvolumens: Für 2026 steht die Prognose bei 560 Mio. Rücksendungen.
