Foto: Kundin greift im Supermarktregal nach verpackten Lebensmitteln neben digitalen Preisschildern.
© OpenAI

Walmart und Target streiten personalisierte Preise ab

3 Min.
Teilen

Walmart und Target bestreiten, Preise anhand persönlicher Kundendaten individuell hochzuschrauben, berichtet Marketingtechnews.net. Target passe laut eigenen Angaben Preise weder nach Identität noch nach Standort oder Nachfragespitzen an. Walmart versichere dasselbe für seine digitalen Regaletiketten, die es derzeit im gesamten US-Filialnetz einführe, und für den KI-Shoppingassistenten Sparky. Die Dementis fielen in eine Phase, in der die US-Handelsbehörde FTC personalisierte Preise prüft. Pauschal verbieten könne sie diese zwar nicht, verschwiegene Datennutzung gelte ihr aber als mögliche Täuschung.

Walmart und Target weisen den Vorwurf zurück, Preise mithilfe persönlicher Kundendaten individuell anzuheben. Wie Marketingtechnews.net berichtet, reagieren beide US-Händler damit auf wachsende Aufmerksamkeit für KI-gestützte Preistechnologien und personalisierte Angebote. Im Zentrum steht die Frage, ob Daten über Identität, Standort, Kaufhistorie oder Zahlungsbereitschaft genutzt werden, um einzelnen Kundinnen und Kunden höhere Preise zu berechnen.

Target grenzt Rabatte von individuellen Preisen ab

Target erklärte am 15. Oktober, Preise würden weder nach Identität oder Standort einzelner Kunden erhöht noch nach Tageszeit oder Nachfragespitzen angepasst. Unterschiede könne es jedoch durch lokale Betriebskosten, Wettbewerb, gesetzliche Preisvorgaben oder kanal- und filialbezogene Rabatte geben. Wer am selben Standort oder über dieselbe Plattform einkauft, erhalte nach Darstellung des Unternehmens dieselben Preise.

Auch das Kundenprogramm Target Circle soll laut Unternehmen keine individuellen Produktpreise bestimmen. Einkaufsverläufe würden genutzt, um passende Angebote, Erinnerungen oder Aktionen auszuspielen. Wer regelmäßig Tierbedarf kauft, könne etwa Werbung für Tierfutter erhalten. Target beschreibt dies als Personalisierung von Promotionen, nicht als Erhöhung einzelner Artikelpreise für bestimmte Personen.

Walmart verteidigt digitale Regaletiketten

Walmart äußerte sich vor allem zu digitalen Regaletiketten, die Papierpreisschilder ersetzen und zentral freigegebene Preisupdates ermöglichen. Rund 2.300 Filialen nutzten die Technik laut Angaben bereits im März 2026. Innerhalb des folgenden Jahres soll sie im US-Filialnetz weiter ausgerollt werden. Walmart betont, die Etiketten sollten Preise am Regal und an der Kasse konsistenter machen.

Nach Unternehmensangaben arbeiten die digitalen Labels in einem geschlossenen System. Sie enthielten keine Kameras oder Mikrofone und sammelten keine Kundendaten. Walmart bestreitet zudem, Preise nach Einkommen, Kaufhistorie, Dringlichkeit eines Kaufs oder vermuteter Zahlungsbereitschaft anzupassen. Dan Bartlett, Executive Vice President Corporate Affairs, fasste die Position am 5. Oktober mit dem Satz zusammen: „We price products, not people“.

Die Technik dient nach Walmart-Darstellung auch operativen Abläufen. Beschäftigte können LED-Leuchten an den Etiketten aktivieren, um nachzufüllende Waren oder Artikel für Onlinebestellungen schneller zu finden. Damit unterscheidet Walmart die Labels von dynamischen Preissystemen, die Preise etwa anhand von Nachfrage oder Lagerbestand verändern können.

Sparky soll keine Einzelpreise erhöhen

Auch beim KI-Shoppingassistenten Sparky weist Walmart Vorwürfe zurück. Der Assistent hilft beim Finden, Vergleichen und Entdecken von Produkten. Informationen, die Kundinnen und Kunden dort eingeben, würden laut Unternehmen nicht verwendet, um individuelle Preise zu erhöhen. Das gelte auch dann, wenn jemand eine dringende Kaufabsicht äußert.

Bartlett widersprach außerdem der Deutung, höhere durchschnittliche Warenkörbe bei Sparky-Nutzern belegten automatisch eine Preissteigerung. Selbst wenn diese Kunden im Schnitt 35 Prozent mehr ausgeben, zeige das nicht, dass Sparky einzelne Produktpreise erhöht oder unterschiedlichen Personen für dieselben Artikel verschiedene Preise berechnet habe.

FTC prüft personalisierte Preisgestaltung

Die Debatte fällt in eine laufende Prüfung der US-Handelsbehörde FTC. Im August legte sie Leitlinien zur Durchsetzung vor, die den Einsatz persönlicher Daten bei der Preisbestimmung adressieren. Ein generelles Verbot personalisierter Preise sieht die Behörde nach den vorliegenden Angaben nicht als rechtlich möglich an. Als problematisch gilt jedoch verschwiegene Datennutzung, wenn Unternehmen Verbraucher über die Rolle persönlicher Informationen täuschen.

Für den Verbraucherschutz bleibt damit die Abgrenzung zentral: Elektronische Preisschilder, personalisierte Werbung, dynamische Preise und individuell berechnete Preise sind unterschiedliche Praktiken. Die weitere Bewertung hängt davon ab, welche Daten tatsächlich in Preissysteme einfließen und wie offen Händler diese Nutzung erklären. Der nächste konkrete Bezugspunkt ist die FTC-Prüfung nach den im August vorgeschlagenen Leitlinien.

Teilen

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

10.800+ Entscheider lesen das Morning Briefing · ≈ 50 % Öffnungsrate

  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.