Über 70 Prozent aller Beschlagnahmungen von Fälschungen im EU-Binnenmarkt entfallen 2025 auf Italien, zitiert Fashionunited.com einen Bericht des EUIPO und der EU-Kommission. Frankreich folge mit 6,2 Prozent, die Niederlande mit 4,8. Am häufigsten fischten Behörden gefälschte Datenträger aus dem Verkehr, von Musik und Serienboxen bis zu Retro-Games und Software. Außerdem seien die vielen abgefangenen Etiketten und Aufkleber ein Indiz, dass mancher Fälscher seine Ware erst in der EU fertigstelle.
Der Kampf gegen Produktfälschungen hat in der EU 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Nach einem gemeinsamen Bericht des EUIPO und der Generaldirektion Steuern und Zollunion der EU-Kommission wurden mehr als 196 Millionen gefälschte Artikel sichergestellt. Ihr geschätzter Wert lag bei 6,3 Milliarden Euro. Damit registrierten die Behörden so viele Beschlagnahmungen wie nie zuvor: Die Zahl lag 67 Prozent über dem Vorjahr und 29 Prozent über dem bisherigen Rekord von 2023.
Italien dominiert den Binnenmarkt
Im EU-Binnenmarkt entfielen 2025 mehr als 70 Prozent aller Beschlagnahmungen auf Italien. Frankreich folgte mit 6,2 Prozent, die Niederlande kamen auf 4,8 Prozent. Die Daten zeigen damit eine starke regionale Konzentration der Funde innerhalb des Binnenmarkts. Zugleich verweist eine CNA-Erhebung darauf, dass kleine und mittlere italienische Betriebe Fälschungen als konkrete Gefahr für Wettbewerb, Qualität und den Wert von „Made in Italy“ wahrnehmen.
Nach Produktgruppen blieben bespielte CDs und DVDs die am häufigsten sichergestellten Fälschungen. Dazu zählen Musik- und Filmveröffentlichungen, Serienboxen, Retro-Games und Anwendungssoftware. Diese Kategorie machte fast 30 Prozent aller Funde aus. Knapp jeder fünfte beschlagnahmte Artikel war Spielzeug. Häufig abgefangen wurden außerdem Games, Bekleidung sowie Zigaretten, einschließlich E-Zigaretten und Vaping-Geräten.
Hinweise auf Fertigstellung in der EU
Auffällig ist die hohe Zahl beschlagnahmter Etiketten, Anhänger und Aufkleber. Sie deutet laut Bericht darauf hin, dass Fälscher Waren teils erst innerhalb der EU fertigstellen. Die Funde betreffen damit nicht allein importierte Endprodukte, sondern auch Bestandteile, mit denen gefälschte Ware markenähnlich vollendet werden kann. Bei den verletzten Schutzrechten dominierten Markenrechte mit 57 Prozent, gefolgt von Urheberrechten mit 43 Prozent und Designs mit 7 Prozent.
An den Außengrenzen zeigte sich ein anderes Bild: Rumänien stand dort für 43 Prozent der beschlagnahmten Artikel, gefolgt von Bulgarien und Italien. Nach wirtschaftlichem Wert lag Spanien vorn und vereinte mehr als die Hälfte des geschätzten Werts der abgefangenen Fälschungen auf sich. Deutschland folgte dahinter. Die Unterschiede zwischen Stückzahlen, Warenwerten und Fundorten machen sichtbar, wie unterschiedlich die Ströme gefälschter Waren verlaufen.
Der Bericht beschreibt Fälschungen als wachsendes Problem für Mode, Accessoires und weitere Branchen. Größere Warenmengen, fragmentierte Lieferketten, verschiedene Transportwege und der Ausbau des E-Commerce erschweren Kontrollen zusätzlich. Für Behörden bleibt die Lage damit operativ anspruchsvoll, zumal 2025 bereits 6,3 Milliarden Euro Warenwert bei gefälschten Produkten festgestellt wurden.
