96 Prozent der Unternehmen würden am liebsten KI aus Deutschland nutzen, so eine Umfrage des Bitkom. Die Heimatliebe endet allerdings an der Kasse: Fast zwei Drittel seien nicht bereit, dafür mehr zu zahlen oder auf Funktionen zu verzichten. Der Anteil der Firmen, die US-Anbieter bevorzugen, sei binnen eines Jahres von 51 auf 41 Prozent gefallen, China rutsche von 18 auf zwölf Prozent ab. Frankreich hingegen klettere von 38 auf 46 Prozent und ziehe damit an den USA vorbei.
Deutsche Wirtschaft setzt bei KI auf Herkunft und Leistungsfähigkeit
Die deutsche Wirtschaft zeigt eine klare Präferenz für KI aus Deutschland: Laut einer Umfrage des Bitkom würden 96 Prozent der Unternehmen bevorzugt Anwendungen deutscher Anbieter nutzen. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse zum Start des Digital-Gipfels der Bundesregierung am 2. November 2026 in Berlin. Befragt wurden repräsentativ 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten.
Die hohe Zustimmung ist jedoch an klare Bedingungen geknüpft. Fast zwei Drittel der Firmen, 64 Prozent, sind nicht bereit, mehr zu zahlen oder einen geringeren Funktionsumfang zu akzeptieren. Damit wird deutlich: Souveräne KI-Angebote treffen auf breite Nachfrage, müssen sich aber im Wettbewerb über Preis, Leistung und Praxistauglichkeit behaupten.
USA verlieren, Frankreich gewinnt an Zuspruch
Für 87 Prozent der befragten Firmen spielt das Herkunftsland eines KI-Anbieters eine wichtige Rolle. Während Deutschland mit 96 Prozent klar an der Spitze steht, verschieben sich die Präferenzen bei ausländischen Anbietern. Die USA verlieren deutlich: Nur noch 41 Prozent würden bevorzugt KI aus den Vereinigten Staaten nutzen, nach 51 Prozent im Vorjahr. China fällt von 18 auf zwölf Prozent.
Zulegen kann dagegen Frankreich. Der Anteil der Unternehmen, die französische KI-Anbieter bevorzugen würden, steigt von 38 auf 46 Prozent und liegt damit vor den USA. Anbieter aus anderen EU-Ländern kommen auf 43 Prozent, nach 40 Prozent im Vorjahr. Die Zahlen zeigen eine stärkere Orientierung in Richtung europäischer Anbieter, ohne dass deutsche Firmen Abstriche bei Qualität oder Wirtschaftlichkeit akzeptieren wollen.
Forderungen an Politik und Standort
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst betont, Deutschland und Europa dürften bei Künstlicher Intelligenz nicht auf die Rolle von Anwendern beschränkt bleiben. Nötig seien ausreichende Rechenkapazitäten, Zugang zu Daten, innovationsfreundliche Regulierung und ein Staat, der selbst KI aus Deutschland und Europa einsetzt. Aus Sicht des Verbands muss vom Digital-Gipfel ein Signal ausgehen, dass Deutschland KI entwickeln und wirtschaftlich erfolgreich machen will.
Die Erwartungen an die Bundespolitik sind nahezu einhellig. 97 Prozent der Unternehmen fordern höhere Investitionen in Schlüsseltechnologien. Ebenso viele verlangen eine dringende Stärkung der digitalen Souveränität. Zudem meinen 64 Prozent, Deutschland brauche mehr Hyperscaler, also sehr große Cloud-Anbieter. Wintergerst verweist dabei auf besondere Kompetenzen etwa bei industriellen Anwendungen und spezialisierten KI-Lösungen für Firmen.
Für den Standort ergibt sich daraus ein klarer Prüfauftrag: Deutsche und europäische KI-Angebote müssen mit internationaler Konkurrenz mithalten, während Politik und Wirtschaft die Voraussetzungen für Entwicklung, Einsatz und Skalierung schaffen. Der nächste konkrete Bezugspunkt ist der laufende Digital-Gipfel der Bundesregierung am 2. November 2026.
