
Warum eine Schokoladen-Manufaktur auf Amazon hofft
Nach drei Läden will es die Manufaktur Pott au Chocolat nun digital wissen. Gründern Marie-Luise Langehenke erläutert bei etailment, wieso das Amazon-Programm Unternehmerinnen der Zukunft dafür ein gute Basis ist.
Wann genau war das?
Eröffnet haben wir die Chocolaterie Pott au Chocolat am 14. Februar 2008 in der Dortmunder Innenstadt, also genau am Valentinstag, aber leider auch in der Fastenzeit. Wir haben uns damals so ähnlich wie Juliette Binoche im Film "Chocolat" gefühlt – nur ohne Johnny Depp. Die Menschen schauten interessiert, was wir anbieten, kauften aber zunächst nicht. Die Qualität unserer Produkte und die ungewöhnlichen Kombinationen, die für kleine und große Geschmacksexplosionen sorgen, haben sie nach den kleinen Anlaufschwierigkeiten aber dann doch überzeugt. 2011 haben wir unsere Produktion erweitert. Mittlerweile haben wir zwei Geschäfte in Dortmund und eines in Frankfurt, wo ich einen Teil meiner Kindheit verbracht habe.
Wieso Omnichannel über Amazon? Und warum jetzt?
Als klassischer Offliner sind wir sehr personalintensiv. Der Verkauf muss ständig besetzt sein, teilweise auch mit mehreren Personen, um Pausenzeiten und Kundenfrequenz abzudecken. Da wir ein Fachgeschäft sind, legen wir großen Wert auf das Wissen unserer Mitarbeiter mit entsprechend langer Einarbeitung. Das führt im Offlinegeschäft dazu, dass wir alle Mitarbeiter auch in den etwas weniger starken Sommermonaten beschäftigen. Hier ist noch etwas Luft nach oben, was die Auslastung sowohl der Produktion als auch des Personals angeht. Daher haben wir uns entschieden, dass auch wir eine Omnichannel Strategie etablieren müssen. Dazu gehört natürlich auch der Verkauf über Online-Plattformen.
Wie sind Ihre Vorerfahrungen mit Digitalisierung und Internationalisierung?
Unser eigener Onlineshop führt eher ein Stiefmütterliches Dasein mit Umsätzen von weniger als 100.000 Euro pro Jahr. Das bedeutet, dass praktisch jedes Paket ein nicht bezahlter Zusatzaufwand ist, da sich eine Automatisierung der Prozesse in dieser Größenordnung noch nicht lohnt. Schokolade ist ein beliebter Suchbegriff und erfordert hohe Marketing-Budgets, um online gegen die großen Anbieter zu punkten.
Auf Kundenanfrage haben wir uns auch für einen Export in die USA interessiert. Hier sind die Zollbestimmungen aber noch sehr streng. Ein Einzelpaket mit Schokoladenprodukten ist heikel international zu versenden. Da spielt nicht nur die Haltbarkeit unserer frischen Pralinen von sechs Wochen eine Rolle, sondern auch die Außentemperatur während des Transports.Was erhoffen Sie sich dabei von dem Förderprogramm "Unternehmerinnen der Zukunft"?
Die Zukunft des Handels und auch der kleineren Manufakturen liegt nicht mehr ausschließlich im Offlinegeschäft. Wir alle sind täglich im Internet unterwegs. Auch ich entdecke mal gern schöne Geschäfte, habe aber manchmal auch keine Zeit und bestelle außerhalb üblicher Öffnungszeiten mal schnell etwas im Netz. Als bisher eher skeptische Nutzerin von Social Media und Online-Strategien hoffe ich auf Anstöße und Anregungen, die mich überzeugen und zur professionellen Onlinerin machen.Bisher sind wir davon ausgegangen, dass sich unsere Produkte nicht für Online-Plattformen eignen, aber das hat sich in den vergangenen Monaten geändert. Und natürlich freuen wir uns, dass nun bald auch Menschen in den Genuss unserer Pralinen kommen, die sie ohne den Onlinehandel nie kennengelernt hätten. Wir sind sehr gespannt, wie sich die neue Strategie auf unsere Zahlen auswirken wird. Was haben Sie bislang schon von ihrem Coach gelernt?
Mein Coach Peter Höschl führt mich derzeit in die verschiedenen Online-Tools ein. Damit kannte ich mich bisher nicht aus, weiß aber, wie wichtig sie sind, um unsere Produkte erfolgreich zu vertreiben. Außerdem ist er ein perfekter Antreiber. Viele Dinge in dem Bereich, die wir längst angehen wollten, kommen nun endlich in die Umsetzung. So zum Beispiel der benutzerfreundlichere Umbau unseres Internetauftrittes, eine Verstärkung unserer Onlinepräsenz in den Sozialen Medien und Onlinewerbung. Dank ihm können wir viele Anfänger-Stolperfallen im Vorhinein vermeiden.
Was möchten Sie in einem Jahr erreicht haben?
Es wäre super, wenn unser Onlinehandel in einem Jahr den Umsatz unserer schlechtesten Offline-Filiale erreicht hätte. Dann wären wir auf einem guten Weg in die digitale Zukunft.
Marie-Luise Langehenke
"Ich habe Kommunikationswissenschaften und Wirtschaft studiert und als Journalistin für die Wirtschaftsrubrik des Wiener Kurier gearbeitet. Aber meine eigentliche Leidenschaft galt schon immer der Architektur. Das, was man mit Raum alles gestalten und verändern kann, fasziniert mich. Daher habe ich auch noch Architektur studiert. Später konnte ich beide Leidenschaften verbinden. Als freie Konzeptionerin durfte ich für unterschiedliche Kommunikationsagenturen Messen und Ausstellungen entwerfen, planen und umsetzen."
Redakteurin
Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.
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