Die sibirische Birke blüht wieder auf

Die sibirische Birke blüht wieder auf

Anastasiya Koshcheeva will mit ihren Produkten aus Birkenrinde altes sibirisches Handwerk vor dem Aussterben bewahren. Digitales Know-how bekommt sie über das Amazon-Programm "Unternehmerinnen der Zukunft".

SRSybille RoemerRedakteurin
5 Min.· Aktualisiert am
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"Als ich vor 13 Jahren nach Deutschland kam, hatte ich auch diese wunderbar duftenden, traditionellen Behälter aus dem weichen Material dabei, das mich schon immer an Leder erinnerte."Gefüllt mit Keksen und Pinienkernen seien sie erst einmal in der hintersten Küchenschrank-Ecke gelandet, weil sie mit ihrer folkloristischen Anmutung nicht zu der restlichen Einrichtung gepasst hätten. Aber: "Zwei Jahre später, als ich sie wieder fand, waren die Kekse immer noch knusprig und die Pinienkerne frisch und aromatisch. So bin ich auf die einzigartigen Eigenschaften aufmerksam geworden und entdeckte das Material Birkenrinde für mich, das mich mit seinen vielfältigen Facetten bis heute nicht mehr loslässt."Also fing Koshcheeva im Jahr 2013 an, im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit im Fach Produktdesign an der FH Coburg das Material zu erforschen und setzte sich auch im Rahmen ihres Master-Studiums an der FH Potsdam mit dem Werkstoff Birke auseinander. "Als ich das alte Handwerk erforschte, stellte ich fest, dass es droht, in Vergessenheit zu geraten. Die Berufsausbildung existiert nicht mehr und kommt für die jungen Generationen aus verschiedenen Gründen nicht infrage", erläutert sie. Aber für die Wahl-Berlinerin, und so gründete sie 2018 MOYA, um das alte sibirisches Handwerk vor dem Aussterben zu bewahren. Das Sortiment umfasst inzwischen Leuchten, Sitzgelegenheiten wie Hocker und Sessel, Aufbewahrungsbehälter für trockene Lebensmittel wie beispielsweise Brot, Kekse, Kaffee und Tee sowie Körbe und neuerdings auch Birkenrinden-Wandpaneele.Im Gegensatz zu den traditionellen Produkten verwendet die Designerin fast ausschließlich die samtartige Außenseite oder die Zwischenschichten der Birkenrinde, die sie mit kontrastreichen Materialien, Farben, Formen und Texturen kombiniert. "Dadurch kann die natürliche Schönheit des Materials am besten zur Geltung kommen", ist sie überzeugt. "Unser Konzept basiert auf dem Ansatz, die Eigenschaften des Materials hervorzuheben, funktional einzusetzen und mit modernem Design zu verbinden."Mittlerweile beschäftigt Moya in Deutschland fünf Mitarbeiter, dazu kommen freiberuflich ein Programmierer, ein Fotograf, ein Texter und eine Grafikdesignerin. "Unsere Produktionsstätte in Russland beschäftigt momentan 6 Handwerker", so die Jungunternehmerin. "Wir sind aber gerade dabei, eine weitere Produktionsstätte in Sibirien aufzubauen, die weitere Arbeitsplätze ermöglichen soll."

Eigene Produktionsstätte in Zentralrussland

Die anfangs unternommenen Versuche, mit den sibirischen Handwerkern zu kooperieren, waren "leider wenig erfolgreich", erinnert sich Koshcheeva. "Im Jahr 2016 habe ich daher eine eigene Produktionsstätte in Zentralrussland aufgebaut, die bis heute sehr sorgfältig unsere Designs umsetzt, sich um die mühsame Ernte kümmert und das alte Wissen vor allem an jüngere Generationen weitergibt. Gemeinsam lernen wir dort neues Personal an, erhalten die alte Handwerkstradition am Leben und schaffen neue Arbeitsplätze in der Region." Zusätzlich arbeitet MOYA mit einigen Familienbetrieben in Sibirien zusammen.Zum Thema Digitalisierung gab es bei dem jungen Unternehmen nur Halbwissen, sodass sich die MOYA-Geschäftsführerin für das Förderprogramm "Unternehmerinnen der Zukunft" von Amazon bewarb, ausgewählt wurde und somit nun zu den diesjährigen 20 Teilnehmerinnen gehört. "Dadurch bekommen wir unglaublich viel Input und wertvolle Tipps, die uns auf dem Weg der Digitalisierung weiterhelfen. Wir hoffen, unsere Online-Präsenz aufzubauen und unser Material dadurch bekannt zu machen. Digital gibt es die besten Tools, um unsere Alleinstellungsmerkmale und die Besonderheiten der Birkenrinde bildhaft zu präsentieren", ist die Unternehmerin überzeugt.

Mit ihrem Coach ist sie "im ständigen und fast täglichen Austausch, was die Entwicklung des Unternehmens und meine persönliche Entwicklung angeht", berichtet Koshcheeva. "Es ist für mich besonders wertvoll, erfahrene Ansprechpartnerinnen zu haben, an die ich alle meine Fragen richten kann. Sie unterstützen mich in fast allen Bereichen des Unternehmens. So eine tolle Begleitung hatte ich bis jetzt noch nie und würde sie auch jedem ans Herz legen."Binnen Kurzem habe sie schon sehr viel gelernt und im Unternehmen umgesetzt. "Wir sind gerade dabei, viele Abläufe zu automatisieren und digital miteinander zu verknüpfen. Dafür gibt es mittlerweile ganz tolle Software-Lösungen", nennt sie als Beispiel.

Ihre "größte Vision und Mission" sei es, das funktionale und schnell erneuerbare Naturmaterial als eigenständigen Rohstoff zu etablieren und dadurch die uralte handwerkliche Tradition zu bewahren: "Es ist unglaublich spannend zu beobachten, wie immer mehr Leute das Material wiedererkennen und es selbst sowie das Handwerk, das dahinter steht, wieder zu schätzen lernen. Es macht mich stolz zu sehen, was die Zusammenarbeit von Handwerk und Design bewirken kann", so das Fazit der Gründerin.

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SR
Geschrieben vonSybille Roemer

Redakteurin

Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.

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