
Mutterherz Kaffee: Umsatzhebel Amazon - und Hebammen
Mutterherz Kaffee bietet nachhaltig in Deutschland produzierten Kaffee für schwangere und stillende Frauen. Gründerin Jana Maria Siemens erzählt, wie sie neue Vertriebswege erschließt und welche Rolle Amazon dabei spielt.
Statt immer nur Schwangerschaftstee zu trinken, wollte sie gerne ihr Lieblingsgetränk auch weiterhin genießen. Schließlich setzten wir uns mit Entkoffeinierungs-Prozessen auseinander und erfuhren, dass die herkömmliche, weit verbreitete Entkoffeinierung mit synthetischen Chemikalien vollzogen wird und oft nicht als solche gekennzeichnet ist. Das gefiel meiner Freundin gar nicht, sie war sehr vorsichtig damit, was sie ganz besonders während der Schwangerschaft zu sich nahm.
Mit all diesem Wissen, das wir uns daraufhin angelesen hatten, suchten wir vergeblich nach dem perfekten auf natürliche Weise entkoffeinierten Kaffee für sie. Da wir keinen passenden Kaffee fanden, entschloss ich mich, selbst einen solchen Kaffee herzustellen – es musste noch mehr (werdende) Mütter geben, die ähnlich dachten und sich auch nach Kaffee mit den idealen Eigenschaften für Schwangere und stillende Mütter sehnten: ohne synthetische Chemikalien entkoffeiniert, bio-zertifiziert, fair gehandelt, schonend geröstet und mild. Das Ergebnis ist Mutterherz Kaffee.
Seit wann gibt es Ihr Unternehmen?
Gegründet habe ich Mutterherz Kaffee im September 2018. Wir haben gerade erst mit dem Verkauf begonnen und können bereits jetzt, ohne groß Werbung gemacht zu haben, eine starke Nachfrage erkennen. Wir waren im März auf der Messe Babywelt Dresden, dort hat Mutterherz Kaffee sehr großen Anklang gefunden.
Momentan erschließen wir uns neue Vertriebskanäle wie Amazon, die in den ersten Wochen ebenfalls bereits ohne kostenpflichtige Marketingmaßnahmen überraschend gut angelaufen sind. Dieser Marktplatz ermöglicht uns eine Skalierbarkeit und damit ein größeres Wachstum als unser bisheriger Fulfillment-Partner. Wir fokussieren uns auch auf die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern. Hervorzuheben ist, dass die Kooperation mit Hebammen stark wächst und für Mutterherz Kaffee einen weiteren wichtigen Vertriebskanal darstellt.
Wie waren Ihre Vorerfahrungen mit Digitalisierung und Internationalisierung?
In puncto Digitalisierung und Internationalisierung gibt es ständig Neues zu lernen. Zwar bin ich schon immer an Digitalisierung interessiert gewesen, aber die enormen Potentiale aus unternehmerischer Sicht haben sich mir vor der Teilnahme an diesem Programm nicht annähernd so vielfältig gezeigt, wie ich es gerade anfange zu erkennen. Insbesondere die leichte Erschließungsmöglichkeit ausländischer Märkte durch einen einzigen Klick per Amazon ist sehr beeindruckend und bietet enorme Potentiale.
Was erhoffen Sie sich noch von dem Amazon-Förderprogramm "Unternehmerinnen der Zukunft"?
Ich erhoffe mir, weiterhin mit interessanten und erfolgreichen Persönlichkeiten in Austausch treten zu dürfen. Die offene und hilfsbereite Atmosphäre ist überwältigend! Überall gibt es Tipps, es wird offen über Entwicklungspotentiale gesprochen und keiner scheut sich, andere aus ihren Fehlern lernen zu lassen – eine vorbildliche Fehlerkultur, die ich so nur aus den USA kenne. Natürlich erhoffe ich mir, Mutterherz Kaffee einen großen Schritt voran zu bringen, mir weiterhin neue Vertriebskanäle zu erschließen, die Marke Mutterherz Kaffee aufzubauen und bekannter zu machen. Was haben Sie bislang schon von ihrem Coach gelernt?
Von meinen beiden Coaches, den Gründerinnen der Windelmanufaktur, Stephanie Oppitz, und von Madame Jordan, Christiane Jordan, habe ich im ersten Monat bereits gelernt, wie wichtig ein stringentes Design ist. Wir sind gerade dabei, die Marke grafisch zu vereinheitlichen, sowohl die Webpräsenz als auch das Produktdesign und unseren Social-Media-Auftritt. Für eine starke Marke ist das essentiell. Außerdem sind beide unheimlich inspirierend, da sie aus ihrer eigenen Idee, Tatkraft und Durchhaltevermögen erfolgreiche und vor allem nachhaltige Unternehmen aufgebaut haben. Sie sind beide auf ihre Weise Vorbilder für mich. Was möchten Sie in einem Jahr erreicht haben?
In einem Jahr möchte ich, dass Mutterherz Kaffee sowohl im stationären Einzelhandel als auch auf unterschiedlichen Online-Marktplätzen erhältlich ist. Der Ausbau von Kooperationen mit Händlern von passenden Produkten ist außerdem ein Ziel. Vor allem aber wünsche ich mir, dass die Marke Mutterherz Kaffee stärker wird, damit mehr Frauen davon erfahren, dass sie ohne schlechtes Gewissen auch in Zeiten des Kinderwunsches, der Schwangerschaft und der Stillzeit weiterhin guten Kaffee trinken können.
Wir sind doch Routinemenschen, und ich finde niemand sollte auf diese wunderbare Routine des Kaffeetrinkens verzichten müssen. Ich möchte werdenden Müttern helfen, sich nicht zwischen den Interessen des Babys, gesundheitliche Bedenken durch Koffeinaufnahme, oder den eigenen Interessen, Lust auf guten Kaffee, entscheiden zu müssen, sondern ihnen ermöglichen, mit Mutterherz Kaffee die Balance zwischen diesen Interessen zu finden.
Redakteurin
Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.
Alle Beiträge