Importpreise ziehen im Juni deutlich an
Die deutschen Importpreise lagen im Juni 2026 um 6,1 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Das meldet das Statistische Bundesamt. Gegenüber Mai 2026 sanken die Einfuhrpreise jedoch um 0,7 Prozent. Damit blieb der Preisdruck im Jahresvergleich hoch, schwächte sich im Monatsvergleich aber ab: Im Mai hatte die Jahresrate noch bei 6,8 Prozent gelegen, im April bei 5,3 Prozent.
Den größten Beitrag zur Entwicklung lieferten importierte Vorleistungsgüter und Energie. Vorleistungsgüter verteuerten sich gegenüber Juni 2025 um 10,3 Prozent. Besonders stark stiegen die Preise für Nicht-Eisen-Metalle und Halbzeug, darunter Edelmetalle sowie Kupfer. Auch Düngemittel, Stickstoffverbindungen und Kunststoffe in Primärformen waren deutlich teurer. Für Unternehmen erhöhen sich damit zentrale Kosten in Beschaffung und Produktion, auch wenn einzelne Warengruppen im Monatsvergleich kaum zulegten oder nachgaben.
Besonders sichtbar blieb der Einfluss des Kriegs im Nahen Osten auf die Energiemärkte. Importierte Energie war im Juni um 23,9 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Elektrischer Strom verteuerte sich sogar um 70,8 Prozent, Mineralölerzeugnisse um 36,0 Prozent und Erdöl um 32,1 Prozent. Auch Steinkohle und Erdgas lagen über dem Vorjahresniveau. Im Vergleich zum Mai gingen die Energiepreise insgesamt allerdings um 6,6 Prozent zurück, vor allem wegen deutlich niedrigerer Preise für Erdöl und Mineralölerzeugnisse. Strom wurde dagegen auch im Monatsvergleich teurer.
Ohne Energie fiel der Anstieg der Importpreise moderater aus: Der Index lag dann um 4,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Werden Erdöl und Mineralölerzeugnisse ausgeklammert, betrug das Plus 4,7 Prozent. Investitionsgüter verteuerten sich ebenfalls, wenn auch deutlich schwächer, um 2,9 Prozent gegenüber Juni 2025 und um 0,5 Prozent gegenüber Mai 2026. Die Daten zeigen damit eine gespaltene Preisentwicklung: Belastungen kommen vor allem aus Energie und Vorprodukten, während andere Segmente rückläufig sind.
Gegenläufig entwickelten sich landwirtschaftliche Güter und Konsumgüter. Importierte Agrargüter waren im Durchschnitt 6,5 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Rohkakao lag 42,4 Prozent unter dem Vorjahreswert, lebende Schweine um 32,1 Prozent, Rohkaffee um 7,2 Prozent und Getreide um 4,4 Prozent. Importierte Konsumgüter verbilligten sich um 0,8 Prozent; Nahrungsmittel kosteten insgesamt 6,4 Prozent weniger als im Juni 2025.
Auch die Exportpreise stiegen weiter: Sie lagen im Juni 2026 um 3,5 Prozent über dem Vorjahresmonat und damit so stark wie seit Februar 2023 nicht mehr. Gegenüber Mai erhöhte sich der Exportpreisindex nur leicht um 0,1 Prozent. Für die Konjunktur bleibt damit entscheidend, ob der Preisdruck bei Energie und Vorleistungsgütern nachlässt oder sich erneut auf breitere Teile der Wirtschaft überträgt.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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