Team packt Modebestellungen im Fulfillment-Center für wachsenden Schweizer Online-Fashion-Handel
© Black Forest Labs / Flux

Schweizer Online-Fashion wächst wieder

Erstmals seit fünf Jahren ist der Schweizer Fashion-Online-Handel wieder gewachsen, berichtet Carpathia.ch – die Umsatzschätzungen schwanken aber zwischen 2,09 und 3,5 Mrd. Franken. Marktführer bleibe Zalando mit 1,82 Mrd. Franken und dem grössten absoluten Zuwachs. Den stärksten relativen Zuwachs habe mit 16 Prozent Shein zu verbuchen; gemeinsam mit Konkurrenten Temu decke man die hohe Nachfrage nach günstiger Mode ab. Best Secret habe H&M überholt, während Bonprix und La Redoute weiter nachgeben mussten.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
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Schweizer Fashion-Onlinehandel kehrt ins Wachstum zurück

Der Schweizer Fashion-Onlinehandel hat 2025 erstmals seit fünf rückläufigen Jahren wieder zugelegt. Wie Carpathia.ch berichtet, bleibt die genaue Marktgrösse jedoch umstritten: Die Schätzungen reichen von CHF 2.09 bis 3.5 Mrd. und zeigen, wie stark methodische Unterschiede das Bild prägen.

Der gesamte Schweizer Fashionmarkt – inklusive Bekleidung, Accessoires, Schuhen und Sportbekleidung – erzielte laut NIQ 2025 einen Umsatz von CHF 7.85 Mrd. und lag damit 1.9 Prozent unter dem Vorjahr. Zugleich wurde der Vergleichswert für 2024 rückwirkend von CHF 7.4 Mrd. auf CHF 8.0 Mrd. angehoben, weil zusätzliche Onlineanbieter, insbesondere aus Asien, nachträglich berücksichtigt wurden. NIQ beziffert den Onlineanteil auf 36 Prozent und den Onlineumsatz damit auf CHF 2.83 Mrd.; der Handelsverband.swiss kommt auf CHF 2.09 Mrd. und weist ein Wachstum von 2.5 Prozent aus. Carpathia selbst schätzt den Markt für 2025 mit CHF 3.5 Mrd. nochmals höher ein.

Im Anbieter-Ranking bleibt Zalando klar an der Spitze. Der Berliner Konzern erreichte in der Schweiz 2025 einen geschätzten Umsatz von CHF 1.82 Mrd. und erzielte mit CHF 120 Mio. den grössten absoluten Zuwachs. Gemeinsam mit dem inzwischen zu Zalando gehörenden About You nähert sich die Plattform der Zwei-Milliarden-Grenze. Parallel entwickelt sich Zalando durch den Ausbau des Partnergeschäfts zunehmend zur digitalen Infrastruktur des europäischen Fashionhandels; die Profitabilität wird dabei stärker vom margenstarken B2B-Geschäft getragen.

Den stärksten relativen Zuwachs verzeichnete Shein mit 16 Prozent Wachstum gegenüber 2024. Trotz Konkurrenz durch Temu bestätigt die Entwicklung die anhaltend hohe Nachfrage nach günstiger Fast Fashion in der Schweiz. Gleichzeitig nimmt der politische Druck auf Billiganbieter aus China zu: Diskutiert werden zusätzliche Gebühren für die Bearbeitung, strengere Kontrollen und erweiterte Kennzeichnungspflichten. Damit rückt auch die Regulierung von Ultra-Fast-Fashion-Anbietern stärker in den Fokus.

Auch im mittleren und gehobenen Segment verschieben sich die Kräfteverhältnisse. Best Secret setzt seine Wachstumsgeschichte fort, hat nach About You inzwischen auch H&M überholt und seinen Umsatz seit 2022 mehr als verdoppelt. H&M stagniert dagegen seit mehreren Jahren. Bonprix und La Redoute verlieren weiter an Boden und geraten durch Plattformmodelle, Fast-Fashion-Anbieter und den wachsenden Wettbewerb im digitalen Modehandel unter Druck.

Die Zahlen machen deutlich: Der Schweizer Fashion-Onlinehandel wächst wieder, doch der Markt bleibt schwer exakt zu vermessen. Auslandseinkäufe, asiatische Anbieter und schätzungsbasierte Erhebungen führen zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen. Für Händler entscheidend bleibt deshalb weniger die einzelne Marktzahl als der strukturelle Trend: Plattformen gewinnen an Gewicht, günstige Sortimente ziehen Nachfrage auf sich, und etablierte Anbieter müssen ihre Position im digitalen Wettbewerb konsequent schärfen.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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