Mitarbeiter bewegt Palette mit Waren durch Hochregallager für Amazons neuen Lagerdienst AWD
© Black Forest Labs / Flux

Amazons AWD kommt nach Europa

Ab Donnerstag startet Amazon seinen Lagerdienst „Amazon Warehousing & Distribution“ in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien, berichtet Ecommercenews.eu. Zu einem Pauschalpreis könnten Händler ihre Waren dort längerfristig einlagern, Amazon versorge die FBA-Logistikzentren, deren Kapazitäten beschränkt seien, bei Bedarf automatisch. Das erhöhe den Komfort für die über 100.000 europäischen Drittanbieter, aber auch die Abhängigkeit vom Marktplatz.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
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Amazon startet AWD in Europas größten E-Commerce-Märkten

Amazon führt seinen Lagerdienst Amazon Warehousing & Distribution (AWD) in Europa ein. Wie Ecommercenews.eu berichtet, startet der Service ab 20. August in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien. Damit adressiert Amazon die fünf größten europäischen E-Commerce-Märkte, in denen der Konzern jeweils eine führende Rolle einnimmt. Für Händler auf dem Marktplatz entsteht damit ein neues Angebot zur längerfristigen Einlagerung größerer Warenmengen innerhalb der Amazon-Infrastruktur.

AWD soll Verkäufern ermöglichen, Produkte pauschal in Amazon-Distributionszentren zu lagern. Aus diesem Bestand füllt Amazon anschließend die Fulfilment-by-Amazon-Zentren (FBA) je nach Nachfrage automatisch auf. Der Dienst zielt damit auf ein zentrales Problem vieler Händler: FBA-Kapazitäten sind begrenzt, während Bestände insbesondere zu Spitzenzeiten wie Prime Day oder Black Friday zuverlässig verfügbar sein müssen. Amazon beschreibt AWD als Lösung, die manuelle Nachbestückung reduziert und das Risiko von Ausverkäufen senken kann. Neben der Lagergebühr fallen laut Bericht zusätzliche Kosten für Verarbeitung und Transport zu den FBA-Zentren an.

Für Drittanbieter kann der Dienst operative Abläufe vereinfachen. Statt Ware selbst vorzuhalten oder Nachschub manuell an FBA-Standorte zu steuern, können sie größere Mengen in der Amazon-Logistik bündeln lassen. Besonders relevant ist dies für kleine und mittlere Unternehmen, die über Amazon verkaufen und deren Absatz stark von der Verfügbarkeit im FBA-Netz abhängt. In Europa nutzen mehr als 100.000 Drittanbieter die Plattform; einen Großteil der Verkäufe in Amazons europäischen Stores erzielen gerade solche externen Händler.

Gleichzeitig verschiebt AWD die Kräfteverhältnisse weiter zugunsten des Marktplatzbetreibers. Der neue Dienst schafft eine zusätzliche Stufe zwischen Händlerbestand und FBA-Netzwerk und erhöht damit Amazons Einfluss auf die Lieferkette. Was für Verkäufer mehr Komfort und Planbarkeit bedeuten kann, verstärkt zugleich ihre Abhängigkeit vom Marktplatz. Amazon positioniert sich dabei als Partner europäischer KMU und als Treiber ihres Wachstums, übernimmt aber zugleich mehr Kontrolle über Lagerung, Nachschub und Warenfluss.

In den USA ist Amazon Warehousing & Distribution bereits seit vier Jahren verfügbar. Dort können Verkaufspartner den Dienst inzwischen auch nutzen, um externe Vertriebskanäle zu beliefern. Diese Option gehört zum europäischen Start vorerst nicht. Offen bleibt ebenfalls, ob AWD künftig über die fünf größten Märkte hinaus in weitere europäische Länder ausgerollt wird. Der Europa-Start markiert dennoch einen strategisch wichtigen Schritt: Amazon erweitert seine Rolle im E-Commerce von der Verkaufsplattform und Fulfilment-Struktur hin zu einem umfassenderen Lager- und Distributionspartner für Händler.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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