Beim Lebensmittelkauf bleibt das Regal vor Ort die erste Adresse: 71 Prozent der Verbraucher haben binnen sechs Monaten keinen Online-Lebensmitteldienst genutzt, zitiert Retail-News.de den „Trend Check Handel Vol. 17“ des ECC Köln. 54 Prozent der Abstinenzler wollten Frisches vorher befühlen, 67 Prozent störten sich an Liefergebühren. Online wanderten vor allem Haltbares (69 Prozent) und schwere Getränkekisten in den Korb. Nur 17 Prozent könnten sich einen Wechsel zu Online-Angeboten vorstellen, unter den Jüngeren 29 Prozent. Bei einer Gratislieferung ohne Mindestbestellwert aber könnten 47 Prozent doch noch schwach werden.
Der Lebensmittelkauf bleibt in Deutschland klar vom stationären Geschäft geprägt. Nach dem „Trend Check Handel Vol. 17“ des ECC Köln, über den Retail-News.de berichtet, haben 71 Prozent der Verbraucher in den vergangenen sechs Monaten keinen Online-Lebensmitteldienst genutzt. Für die Untersuchung wurden im Juli 2026 insgesamt 500 Konsumenten befragt. Die Ergebnisse zeigen: Das Regal vor Ort bleibt für viele die erste Adresse, vor allem wenn es um frische Ware, Preisgefühl und Kontrolle beim Einkauf geht.
Frische und Zusatzkosten bremsen den Onlinekauf
Der wichtigste Vorbehalt betrifft frische Lebensmittel. 54 Prozent der Nichtnutzer möchten Obst, Gemüse, Fleisch oder andere Frischeprodukte vor dem Kauf sehen, anfassen oder riechen. Noch stärker wirkt der Kostenfaktor: 67 Prozent nennen Liefergebühren und Mindestbestellwerte als unnötige Mehrkosten. Damit scheitert der Onlinekanal beim Wocheneinkauf weniger an fehlender Bekanntheit als an konkreten Hürden im Alltag. Nur 17 Prozent der bisherigen Nichtnutzer können sich vorstellen, künftig Lebensmittel im Internet zu bestellen.
Jüngere Konsumenten zeigen mehr Offenheit. In der Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren liegt die Wechselbereitschaft bei 29 Prozent. Auch die Vorbehalte fallen dort schwächer aus: 39 Prozent nennen die persönliche Begutachtung frischer Ware als Hindernis, 52 Prozent sehen Liefergebühren und Mindestbestellwerte kritisch. Der Abstand zu älteren Zielgruppen bleibt dennoch deutlich genug, um eine schnelle Verlagerung des Lebensmittelkaufs in den Onlinehandel unwahrscheinlich erscheinen zu lassen.
Online überzeugt bei Vorräten, Drogerie und schweren Waren
Bestehende Nutzer bestellen Lebensmittel online meist ergänzend zum Filialbesuch und überwiegend etwa einmal im Monat. Besonders gefragt sind Kategorien, bei denen die persönliche Prüfung eine geringere Rolle spielt. 69 Prozent kaufen haltbare Lebensmittel online, 66 Prozent Drogerie- und Kosmetikprodukte, 58 Prozent schwere oder sperrige Waren. Getränkekisten, Vorräte und planbare Bedarfe passen damit besser zum digitalen Warenkorb als empfindliche Frischeprodukte.
Als Vorteile nennen die Nutzer vor allem Zeitersparnis mit 55 Prozent, den Wegfall schwerer Einkaufstüten und Getränkekisten mit 53 Prozent sowie die Unabhängigkeit von Öffnungszeiten mit 43 Prozent. 36 Prozent verwenden Onlineangebote gezielt für Vorratseinkäufe. Der Nutzen liegt damit klar in Bequemlichkeit, Planbarkeit und Entlastung bei schweren Produkten. Für den spontanen Einkauf frischer Waren bleibt die Filiale dagegen der stärkere Bezugspunkt.
Kostenlose Lieferung wäre der stärkste Anreiz
Der größte Hebel für eine stärkere Nutzung wäre eine kostenlose Lieferung ohne Mindestbestellwert. 47 Prozent der bisherigen Nichtnutzer nennen ein solches Angebot als möglichen Grund für eine Onlinebestellung, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 54 Prozent. Eine Garantie für günstigere Preise als im Geschäft wäre für 40 Prozent interessant. Zugleich bleibt eine feste Skepsis bestehen: 31 Prozent der Nichtnutzer erklären, dass keines der abgefragten Angebote sie zu einer Lebensmittelbestellung im Internet bewegen würde.
Deutlich breiter fällt das Interesse an digitalen Services rund um den stationären Einkauf aus. 75 Prozent vergleichen beim Lebensmittelkauf stärker Preise, 56 Prozent verzichten gezielt auf teure Marken, 54 Prozent reduzieren spontane Käufe. Entsprechend gefragt sind Anwendungen, die beim Sparen und Planen helfen: 70 Prozent wünschen sich eine Händler-App mit exklusiven Rabatten, 65 Prozent interessieren sich für personalisierte Coupons und 66 Prozent für kostenloses Kunden-WLAN.
Digitale Services stärken die Filiale
Auch KI kann Akzeptanz finden, wenn der Nutzen unmittelbar erkennbar ist. 43 Prozent der Befragten können sich Empfehlungen für gesündere Produktalternativen auf Basis künstlicher Intelligenz vorstellen. Eine vollständig automatisierte Einkaufswelt stößt dagegen auf geringere Zustimmung. Für den Lebensmittelhandel liegt das Potenzial damit vor allem in der Verbindung aus Filiale, digitalen Preisvorteilen, Planungshilfen und ausgewählten Onlineangeboten. Der nächste Prüfpunkt bleibt, ob kostenlose Lieferung ohne Mindestbestellwert die bisher zurückhaltenden 47 Prozent tatsächlich zum Test bewegt.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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