„Dopamin-Shops“ simulieren das komplette Online-Einkaufserlebnis vom Stöbern über den Warenkorb bis hin zur Sendungsverfolgung, ohne dass am Ende ein Paket ankommt oder der Kontostand belastet wird, berichtet LZ.de. Der Trend käme aus Südkorea und simuliere den Spaß am Online-Shopping, der über das Besitzen eines neuen Produkts hinaus reiche. Allerdings sei dies keine Therapie für Kaufsüchtige, weil die professionellen Produktbilder und Shop-Oberflächen die Sucht sogar anheizen könnten: Ein Klick und schon sei man beim kostenpflichtigen Original.
„Dopamin-Shops“ greifen einen Trend auf, der vor allem aus Südkorea berichtet wird: Sie bilden den Online-Einkauf als Simulation nach. Nutzerinnen und Nutzer scrollen durch Angebote, lesen Bewertungen, wählen Produkte wie Taschen oder Kopfhörer aus, legen sie in den Warenkorb und schicken eine Bestellung ab. Danach kann die Anwendung sogar anzeigen, dass die Ware verpackt oder unterwegs ist. Tatsächlich bleibt es bei einem digitalen Rollenspiel: Es wird nichts gekauft, kein Konto belastet und kein Paket geliefert, wie LZ.de berichtet.
Warum der virtuelle Warenkorb reizvoll ist
Der Ansatz zielt auf den Moment, in dem Shopping selbst zur Belohnung wird. Jan Michael Rasimus, Experte für Medienpsychologie und Konsumverhalten, hält das Prinzip grundsätzlich für plausibel. Beim Online-Shopping gehe es häufig um das komplette Einkaufserlebnis: entdecken, vergleichen, auswählen, bestellen und auf eine Lieferung warten. Der oft verwendete Begriff „Dopamin-Kick“ sei zwar vereinfacht. Dopamin spiele aber bei Motivation, Erwartung und Belohnung eine wichtige Rolle. Schon einzelne Schritte des Kaufprozesses können deshalb reizvoll sein, bevor ein Produkt tatsächlich besitzt wird.
Für Menschen, die aus Langeweile, Stress oder Frust spontan im E-Commerce einkaufen, kann die Simulation nach Einschätzung von Rasimus kurzfristig helfen. Sie könnte einen unmittelbaren Kaufimpuls abfangen, ohne dass daraus eine reale Bestellung entsteht. Damit wird der virtuelle Shop zu einer Art Unterbrechung im Konsumablauf. Ob solche Angebote langfristig dazu führen, dass Menschen weniger kaufen, bewertet der Experte jedoch skeptisch.
Grenzen bei Kaufsucht und problematischem Verhalten
Besondere Vorsicht gilt bei stark problematischem Kaufverhalten oder Kaufsucht. Aus der Forschung sei bekannt, dass bereits shoppingbezogene Reize Kaufverlangen auslösen können. Professionelle Produktbilder, vertraute Shop-Oberflächen und typische Kaufsituationen können bei anfälligen Personen den Wunsch verstärken, tatsächlich etwas zu kaufen. Rasimus sieht Dopamin-Shops deshalb allenfalls als spielerische Strategie, um spontane Käufe zu unterbrechen. Einen therapeutischen Ansatz ersetzen sie ausdrücklich nicht.
Hinzu kommt der Datenschutz. Betreiber solcher Apps oder Webseiten könnten auswerten, welche Produkte Nutzerinnen und Nutzer ansehen, auswählen oder in virtuelle Warenkörbe legen. Gerade bei kostenlosen Angeboten rät Rasimus zu einem kritischen Blick auf Datennutzung und Geschäftsmodell, mögliche Werbung sowie Abonnements. Problematisch wäre auch, wenn die Anwendungen selbst auf häufige Rückkehr ausgelegt sind, etwa über Belohnungen oder tägliche Anreize. Dann kann ein Konsumritual in ein neues digitales Nutzungsritual übergehen; offen bleibt vor allem, wie Anbieter Daten verwenden und welche Geschäftsmodelle hinter den kostenlosen Simulationen stehen.

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