Zwei Prozent der Unternehmen in Deutschland lassen Bewerbungsgespräche schon von einer KI führen, und jedes sechste kann sich das für die Zukunft vorstellen, zeigt eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Insgesamt nutze fast jedes achte Unternehmen KI im Bewerbungsprozess, am häufigsten für das Texten von Stellenanzeigen. Bei sechs Prozent sortiere sie eingehende Bewerbungen vor. Deutlich weiter sei die Digitalisierung jenseits der KI: Jede zweite Firma führe Vorstellungsgespräche per Video, knapp jede dritte lasse Arbeitsverträge digital unterschreiben.
KI erreicht den Bewerbungsprozess
Der Einsatz von KI im Recruiting ist in Deutschland noch kein Massenphänomen, wird aber bereits praktisch erprobt. Nach einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom setzen fast jedes achte Unternehmen und damit 12 Prozent der befragten Firmen KI im Bewerbungsprozess ein. Die repräsentative Befragung wurde unter mehr als 600 Unternehmen ab drei Beschäftigten in Deutschland durchgeführt. Alle übrigen Unternehmen können sich einen solchen Einsatz für die Zukunft vorstellen.
Am häufigsten nutzen Firmen KI derzeit beim Erstellen von Stellenanzeigen. 9 Prozent setzen entsprechende Systeme bereits dafür ein, weitere 59 Prozent halten dies künftig für denkbar. Auch die zielgruppenspezifische Ausspielung von Stellenanzeigen auf Basis einer KI-Analyse rückt in den Fokus: Bislang machen das 3 Prozent, 46 Prozent können es sich vorstellen. Bei der ersten Durchsicht eingehender Bewerbungen liegt der aktuelle Einsatz bei 6 Prozent; 27 Prozent sehen hier Potenzial. Kompetenz- oder Potenzialanalysen auf KI-Basis nutzen 5 Prozent der Unternehmen, mehr als ein Drittel zeigt sich offen dafür.
Automatisierte Gespräche bleiben die Ausnahme
Besonders sensibel ist der direkte Kontakt mit Bewerberinnen und Bewerbern. Hier zeigt die Erhebung, dass 2 Prozent der Unternehmen Bewerbungsgespräche bereits von einer KI führen lassen. 17 Prozent, also etwa jedes sechste Unternehmen, können sich diesen Schritt für die Zukunft vorstellen. Damit ist der vollständig automatisierte Dialog im Auswahlprozess noch selten, aber als Option in der Personalpraxis angekommen.
Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder verweist auf die technische Dynamik und den besonderen Schutzbedarf im Personalwesen. In Bewerbungsverfahren sei vieles möglich und noch mehr denkbar, zugleich brauche es klare und verständliche Regeln. Der Verband sieht beim AI Act der EU offene Fragen, vor allem beim Einsatz von Hochrisiko-KI. Gefordert werden Klarstellungen, die Unternehmen mehr Rechtssicherheit bei der Umsetzung geben.
Digitale Verfahren sind deutlich weiter verbreitet
Jenseits der KI ist die Digitalisierung im Bewerbungsprozess bereits wesentlich stärker etabliert. Alle befragten Unternehmen ermöglichen die digitale Einreichung von Bewerbungsunterlagen. In 73 Prozent der Firmen können Kandidatinnen und Kandidaten in einen Bewerberpool für weitere offene Stellen aufgenommen werden. Jede zweite Firma führt Bewerbungsgespräche per Videokonferenz, weitere 34 Prozent können sich dieses Format vorstellen.
Auch digitale Auswahl- und Vertragsprozesse sind verbreitet. 37 Prozent der Unternehmen bieten digitale Assessment-Center oder Online-Testverfahren an. In fast einem Drittel der Firmen können Arbeitsverträge digital unterschrieben werden; der Anteil liegt bei 32 Prozent. Die Entwicklung zeigt damit zwei Geschwindigkeiten: Klassische digitale Bewerbungsprozesse sind in vielen Unternehmen Alltag, während KI-Anwendungen vor allem bei Textarbeit, Vorauswahl und perspektivisch bei Gesprächen an Bedeutung gewinnen.
