Mehr als 100 US-Gemeinden erwägen Baustopps für Rechenzentren, weswegen AWS-Chef Matt Garman vor „Folgen über Generationen“ warnt, berichtet Techradar.com. Rechenzentren seien strategisch so wichtig wie einst die Highways. Die US-Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur könnten bis 2032 auf 10,3 Bio. Dollar steigen. Amazon verzichte auf Geheimhaltungsabkommen mit den Behörden, lege jährlich Strom- und Wasserverbrauch offen und stecke über fünf Jahre mehr als eine Mrd. Dollar in Weiterbildung und Energieeffizienz vor Ort.
AWS warnt vor Bremse beim Ausbau von Rechenzentren
In den USA wächst der politische Widerstand gegen neue Rechenzentren. Mehr als 100 Gemeinden prüfen Moratorien oder Baustopps, während Amazon Web Services die Infrastruktur für KI als geopolitisch und wirtschaftlich zentral einstuft. AWS-Chef Matt Garman warnt laut Techradar.com vor Folgen über Generationen, falls Kommunen den Bau neuer Anlagen stoppen. Aus seiner Sicht sind Rechenzentren heute strategisch so wichtig, wie es einst Highways für die Entwicklung der USA waren.
Garman verbindet den Ausbau direkt mit nationaler Sicherheit, wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und der internationalen Führungsrolle bei künstlicher Intelligenz. Er verweist zudem auf Berichte, nach denen andere Staaten in den USA gezielt Desinformation über Rechenzentren streuen könnten, um den Ausbau zu verlangsamen. Die Dimension ist erheblich: Ein Brookings-Bericht schätzt, dass Investitionen in US-Rechenzentren und zugehörige KI-Infrastruktur zwischen 2025 und 2032 auf 10,3 Bio. Dollar steigen könnten. Das entspräche im Schnitt 3,63 Prozent des US-BIP pro Jahr.
Private Investitionen, öffentliche Folgen
Der Vergleich mit dem Highway-Ausbau hat jedoch eine zentrale Einschränkung: Die historischen Fernstraßen wurden aus Steuermitteln finanziert, der aktuelle Infrastrukturboom wird nach Darstellung von AWS vor allem von privaten Unternehmen getragen. Politisch erleichtert das die Argumentation. Für Gemeinden bleibt aber die Frage, welche Auswirkungen Strombedarf, Wasserverbrauch, Netzausbau und Emissionen vor Ort haben.
Amazon weist viele Bedenken als überzogen oder unzutreffend zurück. Garman betont, AWS arbeite mit Versorgern und Regulierern daran, dass Rechenzentren die von ihnen benötigte Energie- und Infrastrukturleistung bezahlen. Das Unternehmen verweist außerdem auf effizientere Wassernutzung und emissionsärmere Notstromlösungen. Zugleich reagiert AWS auf schwindendes Vertrauen: Bei Rechenzentrumsprojekten verzichtet das Unternehmen nach eigenen Angaben auf Geheimhaltungsvereinbarungen mit Behörden und will jährlich Daten zu Strom- und Wasserverbrauch veröffentlichen.
Kommunen erhöhen den Druck
Parallel versucht Amazon, den Ausbau mit lokalen Investitionen abzusichern. Das Programm „Built Together“ soll über fünf Jahre mehr als eine Milliarde Dollar in Gemeinden rund um US-Rechenzentren lenken. Vorgesehen sind kostenlose Community-College-Angebote, Weiterbildung, Qualifizierung von Arbeitskräften sowie Energieeffizienzmaßnahmen für Schulen, öffentliche Gebäude und Wohnhäuser. Bis Ende 2028 sollen jährlich bis zu 100.000 Arbeitskräfte vorbereitet werden.
Der Gegenwind bleibt dennoch politisch relevant. In Kalifornien hat Gouverneur Gavin Newsom mehrere Gesetze zu Rechenzentren unterzeichnet, darunter Vorgaben, die Stromkunden vor der Quersubventionierung von Infrastruktur schützen und Umweltprüfungen für Anlagen festlegen sollen. Auch Texas, bislang für vergleichsweise lockere Regulierung bekannt, beginnt seine Regeln anzupassen. Offen bleibt damit, ob Transparenz, lokale Investitionen und Effizienzprogramme ausreichen, während mehr als 100 US-Gemeinden Baustopps oder Moratorien prüfen.
