Die jüngsten Kunden wachsen mit KI auf und schwärmen dennoch für das Einkaufen vor Ort, berichtet Retaildive.com. Die Altersgruppe sei preisbewusst und digital versiert, und sie bestimme Familienkäufe mit, obwohl sie kaum eigenes Geld habe. Laut Matt Britton, Gründer der KI-Marktforschungsplattform Suzy, löse KI den alten Dreisprung aus Google-Suche, Instagram-Werbung und Amazon-Kauf ab. Die Gen Alpha teile sich in vier Lager: Influencer-Fans, Popkultur-Anhänger, Trendjäger und Umweltbewusste. Ein Pauschalrezept für alle gebe es nicht.
Die jüngsten Konsumentinnen und Konsumenten rücken stärker in den Fokus des Handels: Gen Z und Gen Alpha gelten als preisbewusst und digital versiert, behalten aber zugleich eine deutliche Vorliebe für das Einkaufen im stationären Geschäft. Darüber berichtet Retaildive.com. Obwohl viele von ihnen kaum eigenes Geld ausgeben, prägen sie Familienkäufe bereits spürbar mit. Für den Handel entsteht damit eine Zielgruppe, die digitale Erwartungen mit dem Wunsch nach physischen Einkaufserlebnissen verbindet.
Matt Britton, Gründer der KI-Marktforschungsplattform Suzy und Autor von „Generation AI“, beschreibt Gen Alpha als erste Generation, die mit KI im Haushalt aufwächst. Nach Millennials als erster digitaler Generation und Gen Z als Social-Media- und iPhone-Generation werde Gen Alpha vor allem durch frühe KI-Erfahrungen geprägt. Britton zufolge verändert sich damit auch der Zugang zum Internet: Der bisherige Ablauf aus Google-Suche, Instagram-Werbung und Amazon-Kauf verliere an Bedeutung.
KI wird zum neuen Zugang zum Einkauf
AI-Chatbots übernehmen laut Britton zunehmend Funktionen, die bisher über Suche, Werbung und Marktplätze liefen: Entdecken, Beraten und perspektivisch auch Kaufen. Für Retailer wird damit eine Präsenz in neuen Entdeckungskanälen relevanter. Target startete 2025 etwa einen KI-gestützten Geschenkefinder für das Weihnachtsgeschäft, der individuelle Empfehlungen anhand persönlicher Angaben zu Beschenkten erzeugt. Kohl’s brachte ein ähnliches Tool auf den Markt.
Gleichzeitig bleiben technische Hürden beim tatsächlichen Kauf bestehen. Retaildive verweist auf Probleme, wie sie ChatGPT beim Start seiner Instant-Checkout-Funktion hatte. Britton hält solche Schwierigkeiten jedoch eher für vorübergehend. Wichtiger werde die Fähigkeit, jenseits der Transaktion eine emotionale Verbindung aufzubauen. Denn KI könne zwar Empfehlungen liefern, verstehe aber nicht die Gefühle, die viele Kaufmotive auslösen.
Gen Alpha ist keine einheitliche Zielgruppe
Eine pauschale Ansprache der Gen Alpha greift nach Einschätzung von Joeri Van den Bergh, Generationenforscher und Professor an der Vlerick Business School, zu kurz. In einer Studie zu Gen Alpha in den USA identifizierte er vier Gruppen: Jugendliche mit Fokus auf Influencer und Selbstausdruck, Fans von Stars und Popkulturfiguren, trend- und erscheinungsorientierte Käufer sowie eine Gruppe mit starkem Interesse an Umwelt und sozialen Fragen. Das widerspricht der verbreiteten Annahme, die gesamte Generation sei gleichermaßen von Creators, Prominenten oder Nachhaltigkeit geprägt.
Für das Kaufverhalten bedeutet das: Händler müssen zwischen sehr unterschiedlichen Motiven unterscheiden. Manche jungen Konsumenten reagieren auf Popkultur und Sichtbarkeit, andere auf Trends, soziale Anliegen oder persönliche Ausdrucksformen. Gerade im Weihnachtsgeschäft wird diese Differenzierung wichtig, weil Jugendliche in ihren Familien Einfluss auf Geschenke und Markenentscheidungen nehmen, ohne selbst die Hauptkäufer zu sein.
Der Handel steht damit vor einer doppelten Aufgabe: Er muss neue KI-basierte Zugänge besetzen und zugleich die Attraktivität physischer Einkaufserlebnisse erhalten. Die nächsten Tests dürften zeigen, wie schnell Geschenkefinder, Chatbots und Checkout-Funktionen vom Experiment zur regulären Einkaufsroutine werden; erste Beispiele liegen mit Target und Kohl’s bereits für 2025 vor.
