Deutsche Unternehmen schätzen, dass sie einen Ausfall digitaler Importe im Schnitt 16 Monate verkraften könnten, zeigt eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Vor einem Jahr seien es 14 gewesen. Fast jedes Unternehmen kaufe Technik aus dem Ausland ein, am häufigsten in den USA. Die Sorge vor dieser Abhängigkeit habe sich mit 73 Prozent seit 2024 fast verdoppelt. Noch abhängiger fühle sich die Wirtschaft von China (79 Prozent).
Deutschlands Unternehmen bleiben bei digitalen Technologien stark auf Lieferanten aus dem Ausland angewiesen. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten könnten sie einen kompletten Ausfall digitaler Importe im Durchschnitt 16 Monate verkraften. Vor einem Jahr lag dieser Wert bei 14 Monaten. Die Widerstandsfähigkeit hat sich damit leicht verbessert, die strukturelle Abhängigkeit bleibt jedoch hoch.
96 Prozent der befragten Unternehmen beziehen digitale Technologien oder Services aus dem Ausland. Dazu zählen Endgeräte wie Smartphones und Notebooks, Hardware-Komponenten wie Chips, Halbleiter und Sensoren, Cloud-Dienste, Software, Cybersicherheits-Anwendungen sowie Künstliche Intelligenz. 94 Prozent stufen Deutschland bei digitalen Technologien und Leistungen aus dem Ausland als stark oder eher abhängig ein. Zwei Drittel erwarten, dass diese Abhängigkeit in den kommenden fünf Jahren weiter zunimmt.
Abhängigkeit von USA und China rückt stärker in den Fokus
Besonders deutlich zeigt sich die Sorge mit Blick auf außereuropäische Anbieter. 73 Prozent der Unternehmen machen sich Sorgen über die Abhängigkeit von Technologien aus den USA; 2024 waren es 38 Prozent. Noch höher fällt die wahrgenommene Abhängigkeit von China aus: 79 Prozent der Unternehmen sehen hier ein Risiko. Gleichzeitig kaufen fast alle Unternehmen digitale Technik im Ausland ein, besonders häufig in den USA.
Auch europäische Bezugsquellen spielen eine große Rolle. 83 Prozent der Unternehmen, die digitale Technologien und Leistungen importieren, greifen auf Anbieter aus der EU zurück. Die deutsche Wirtschaft ist damit in ein enges internationales Technologiegefüge eingebunden. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst verweist darauf, dass internationale Arbeitsteilung eine Stärke sei, sie aber im Krisenfall nicht zur Handlungsunfähigkeit führen dürfe. Ziel müsse es sein, einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren und digitale Souveränität als Frage der Resilienz zu verstehen.
Digitale Schlüsseltechnologien werden zur Standortfrage
Die Befragung zeigt zugleich, dass deutsche Unternehmen selbst Anbieter digitaler Leistungen sind. 33 Prozent exportieren entsprechende Technologien oder Services ins Ausland. Am häufigsten geht es um digitale Dienstleistungen wie Programmierung oder IT-Beratung sowie um Software. Jeweils 16 Prozent verkaufen digitale Bauteile, Hardware-Komponenten, digitale Geräte oder Maschinen. Wichtigster Absatzmarkt ist Europa: 86 Prozent der exportierenden Unternehmen liefern in andere EU-Staaten, 61 Prozent in die USA, jeweils 54 Prozent nach Japan und ins Vereinigte Königreich.
Aus Sicht der Wirtschaft ergibt sich daraus ein klarer politischer Auftrag. 97 Prozent fordern mehr Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien. Der Appell richtet sich an Deutschland und Europa: Beim Digital-Gipfel der Bundesregierung am 19. Oktober 2026 steht damit die Frage im Raum, wie digitale Resilienz, technologische Stärke und verlässlichere Lieferbeziehungen konkret ausgebaut werden können.
