Ein identischer Temu-Warenkorb kostet in Deutschland 59 Prozent mehr als in der Schweiz, zeigt ein Preisvergleich von Carpathia.ch. Der Test-Warenkorb habe in Deutschland 126,94 Euro ausgemacht, in der Schweiz umgerechnet 80 Euro. Von den 21,42 Euro Einfuhrabgaben im deutschen Checkout zahle der Kunde 15 Euro, den Rest trage Temu. Selbst nach Abzug dieser Summe und des Mehrwertsteuergefälles klaffe aber noch eine Lücke von rund 21,60 Euro. Denkbar seien Schweizer Aktionspreise oder die bereits eingepreiste EU-Gebühr von zwei Euro, die ab November anfalle.
Ein identischer Temu-Warenkorb fällt in Deutschland deutlich teurer aus als in der Schweiz. Ein Preisvergleich von Carpathia.ch kommt für den 23. Oktober 2026 auf 126,94 Euro in Deutschland und umgerechnet 80 Euro in der Schweiz. Damit kostet derselbe Einkauf in Deutschland 59 Prozent mehr. Die Produkte waren laut Test identisch, Lieferkosten fielen in beiden Ländern nicht an.
Abgaben erklären den Preisabstand nur teilweise
Im deutschen Checkout weist Temu 21,42 Euro an Einfuhrabgaben aus. Davon übernimmt die Plattform 6,42 Euro, während für Kundinnen und Kunden 15 Euro verbleiben. Selbst wenn dieser Nettobetrag vom deutschen Endpreis abgezogen wird, bleibt der Warenkorb mit 111,94 Euro noch deutlich über dem Schweizer Vergleichswert.
Auch das Mehrwertsteuergefälle zwischen Deutschland mit 19 Prozent und der Schweiz mit 8,1 Prozent reduziert die Differenz nur teilweise. Nach den Berechnungen bleibt eine Lücke von rund 21,60 Euro beziehungsweise mehr als 20 Schweizer Franken. Als mögliche Gründe nennt der Vergleich Schweiz-spezifische Aktionspreise oder bereits eingepreiste Zusatzkosten im deutschen Shop.
Regulierung trifft auf sinkende Umsätze
Der Preisunterschied fällt in eine Phase, in der große internationale Plattformen im deutschen E-Commerce an Dynamik verlieren. Die Umsätze von Temu, Shein und AliExpress in Deutschland sanken im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum laut den genannten Angaben um 35,5 Prozent auf 566 Millionen Euro. Der gemeinsame Marktanteil ging von 5,3 auf 3,1 Prozent zurück.
Als zentrale Erklärung gilt die zum 1. Juli 2026 eingeführte EU-Zollabgabe von drei Euro pro Warenposition auf Kleinsendungen unter 150 Euro aus Drittstaaten. Höhere Checkout-Preise könnten Käuferinnen und Käufer abgeschreckt haben. Der Vergleich legt nahe, dass die neuen Kosten direkt in den Artikelpreisen sichtbar werden, auch wenn Temu einen Teil der Abgaben übernimmt.
Mehr lokale Lager im deutschen Shop
Auffällig war im Test zudem, dass im deutschen Temu-Shop mehr Artikel als Ware „aus lokalem Lager“ angeboten wurden oder von Temu mit Sitz in Irland verkauft wurden. Für solche Produkte fällt die Drei-Euro-Abgabe auf die einzelne Kundensendung nicht an, weil die Ware bereits in die EU eingeführt und zollrechtlich abgefertigt wurde.
Für die Schweiz ist die Entwicklung im Onlinehandel besonders relevant, weil auch dort neue Vorstöße zur Regulierung großer internationaler Onlineplattformen diskutiert werden. Der Test zeigt, wie stark regulatorische Vorgaben, Mehrwertsteuerunterschiede und mögliche Aktionspreise den Endpreis beeinflussen können. Der nächste konkrete Prüfpunkt ist die zusätzliche Bearbeitungsgebühr von zwei Euro pro Warenposition, die in der EU ab 1. November anfällt.
