Cainiao beschleunigt grenzüberschreitende Paketlieferungen
Die Alibaba-Tochter Cainiao baut ihr internationales Angebot in der Logistik aus und startet den Cross-Border-Dienst „Global Three-Day Delivery“. Wie Aircargonews.net berichtet, sollen Pakete auf 15 internationalen Routen zwischen China, Europa und dem Nahen Osten künftig binnen drei Kalendertagen zugestellt werden können. Der Service richtet sich vor allem an Händler im grenzüberschreitenden E-Commerce, für die Liefergeschwindigkeit zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor wird.
Abgedeckt werden Routen von China nach Europa, Verbindungen innerhalb Europas sowie ausgewählte Korridore im Nahen Osten. Genannt werden unter anderem Hongkong–Großbritannien, Hongkong–Niederlande, Deutschland nach Frankreich, in die Niederlande und nach Luxemburg sowie Saudi-Arabien–Vereinigte Arabische Emirate. Auf der Strecke China–Großbritannien beschreibt Cainiao einen Ablauf, bei dem abends bestellte Ware am nächsten Morgen im Hub verpackt, noch am selben Tag ausgeflogen und nach der Landung zugestellt wird.
Die Grundlage bildet Cainiaos globales Fulfillment-Netzwerk aus Luftfracht, Straßentransport und Zollabwicklung. Nach Unternehmensangaben stehen dafür rund 170 wöchentliche Charterflüge und Block-Space-Agreements sowie mehr als 2.300 Lkw-Verbindungen zur Verfügung. Eine zentrale Rolle spielt zudem das Hong Kong eHub, über das Sendungen direkt vom Lager zum Flugzeug gelangen können. Cainiao positioniert den Dienst damit als schnellere Alternative zu klassischen internationalen Paketlaufzeiten und rückt näher an Express-Standards heran, die bislang vor allem Premium-Kurierdiensten vorbehalten waren.
Für Händler verspricht Cainiao operative Vorteile: Schnellere Lieferzyklen könnten Lagerdruck senken, den Cashflow verbessern und kleinere, häufigere Nachbestellungen erleichtern. Xiong Wei, Senior Vice President der Cainiao Group, ordnet den Schritt strategisch ein: Grenzüberschreitender Handel bewege sich von einer Phase, in der Produktverfügbarkeit ausreiche, hin zu einem Markt, in dem die gesamte Kundenerfahrung über Wettbewerbsfähigkeit entscheide. Liefergeschwindigkeit sei nicht mehr nur eine Kennzahl der Abwicklung, sondern beeinflusse Verbraucherwahl, Betriebskapital und Wettbewerbsstruktur. Wenn eine 72-Stunden-Zustellung an die Haustür für mehr Verkäufer bezahlbar werde, verändere dies die Organisation des grenzüberschreitenden Handels.
Der neue Drei-Tage-Service folgt auf Cainiaos bereits eingeführte Angebote „Global 10-Day Delivery“ und „Global Five-Day Delivery“. Damit setzt das Unternehmen seine Strategie fort, internationale Lieferzeiten schrittweise zu verkürzen und Händlern planbarere Fulfillment-Optionen anzubieten. Gerade für Plattformhändler kann eine verlässliche, schnelle Zustellung entscheidend sein, wenn Sortiment, Preis und Verfügbarkeit allein nicht mehr zur Differenzierung ausreichen.
Der Start erfolgt allerdings in einem anspruchsvollen Marktumfeld. WorldACD meldete zuletzt, dass das Frachtvolumen zwischen Hongkong und Europa infolge neuer Zollregeln beziehungsweise einer Gebühr der EU für E-Commerce-Pakete deutlich zurückgegangen sei. Auch für den gesamten Asien-Pazifik-Raum lagen die Volumen nach Europa im Jahresvergleich niedriger. Zugleich zeigt das Beispiel China–USA, dass Handelsströme nach regulatorischen Einschnitten zunächst sinken können: Dort gingen E-Commerce-Volumen nach dem Ende der De-minimis-Ausnahme zurück, erholten sich später jedoch wieder. Vor diesem Hintergrund ist Cainiaos Drei-Tage-Angebot nicht nur ein Geschwindigkeitsversprechen, sondern auch ein Versuch, grenzüberschreitende Lieferketten wettbewerbsfähiger und belastbarer aufzustellen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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