Der deutschen Wirtschaft fehlen womöglich 723.000 Fachkräfte im Jahr 2029, was einer Verdoppelung seit 2025 entspräche, zitiert Spiegel.de eine IW-Studie. Die größte Einzellücke könnte im Verkauf klaffen: Rund 39.100 Stellen blieben unbesetzt, gut doppelt so viele wie in der Krankenpflege. Mögliche Ursachen seien Renteneintritte, zu wenig Nachwuchs und weniger Zuwanderung. Eine Erholung der Konjunktur würde die Problematik sogar verschärfen.
Deutschland steuert nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft auf eine deutlich größere Fachkräftelücke zu. Für das Jahr 2029 rechnet die Untersuchung laut Spiegel.de mit womöglich 723.000 fehlenden Fachkräften. Das wäre eine Verdoppelung gegenüber 2025. Die Entwicklung fällt in eine Phase, in der die Zahl der Arbeitslosen zuletzt gestiegen ist. Gleichzeitig melden viele Bereiche weiterhin offene Stellen, die sich nur schwer besetzen lassen.
Die Prognose zeigt damit eine Spannung am Arbeitsmarkt: Mehr Arbeitslosigkeit bedeutet offenbar nicht automatisch, dass die Nachfrage nach qualifiziertem Personal gedeckt werden kann. Gesucht werden Beschäftigte mit passenden Qualifikationen, Erfahrungen oder beruflichen Profilen. Genau diese Passung dürfte in den kommenden Jahren schwieriger werden, wenn die demografischen Effekte stärker wirken.
Verkauf könnte größte Einzellücke aufweisen
Besonders auffällig ist die erwartete Lücke im Verkauf. Dort könnten der Studie zufolge rund 39.100 Stellen unbesetzt bleiben. Damit wäre der Verkauf die größte einzelne Engpasskategorie. Die Zahl liegt gut doppelt so hoch wie in der Krankenpflege, die häufig als zentraler Bereich des Fachkräftemangels genannt wird. Für Unternehmen mit direktem Kundenkontakt wäre das ein spürbares Risiko, weil unbesetzte Stellen die Beratung, die Warenverfügbarkeit und die operative Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können.
Als mögliche Ursachen nennt die Studie mehrere Faktoren. Dazu zählen Renteneintritte, zu wenig Nachwuchs und geringere Zuwanderung. Diese Punkte wirken gleichzeitig und können bestehende Engpässe verstärken. Wenn ältere Beschäftigte den Arbeitsmarkt verlassen, müssen ausreichend neue Kräfte nachrücken. Bleibt der Nachwuchs aus oder sinkt die Zuwanderung, wächst die Lücke zwischen Angebot und Bedarf.
Konjunkturelle Erholung könnte den Druck erhöhen
Eine Erholung der Konjunktur würde die Lage laut Darstellung sogar verschärfen. Der Grund liegt im zusätzlichen Personalbedarf, der mit mehr wirtschaftlicher Aktivität entstehen kann. Steigt die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen, benötigen Betriebe häufig mehr Beschäftigte. Wenn diese Kräfte nicht verfügbar sind, kann Wachstum an fehlenden Kapazitäten scheitern.
Für die Wirtschaft ist die Studie damit ein Hinweis auf eine strukturelle Herausforderung. Der Arbeitsmarkt zeigt gleichzeitig höhere Arbeitslosigkeit und offene Bedarfe in bestimmten Berufen. Diese Gleichzeitigkeit verweist auf Qualifikationslücken, regionale Unterschiede und die Frage, wie schnell Betriebe Nachwuchs gewinnen oder fehlende Stellen anderweitig besetzen können.
Die genannten Zahlen markieren den Umfang des Problems: Bis 2029 könnten der deutschen Wirtschaft 723.000 Fachkräfte fehlen, im Verkauf allein rund 39.100 Beschäftigte.

etailment
Unter dem Namen Redaktion veröffentlicht das Team von etailment.de gemeinsam recherchierte Nachrichten und Analysen aus dem digitalen Handel.
Alle Beiträge