Foto: Geöffneter Versandkarton mit Haushaltswaren auf heller Holzbank, daneben ein unscharfes Smartphone
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Amazon holt in Dänemark auch ohne Marktplatz auf

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Amazon hat in Dänemark zum nordischen Online-Händler Boozt aufgeschlossen, ohne einen eigenen Marktplatz im Land zu betreiben, berichtet Ecommercenews.eu. 15 Prozent aller aktiven Online-Käufe laufe über die Marktplätze der Nachbarländer. 2023 seien es noch zehn Prozent gewesen. Wer bei Amazon kaufe, suche gezielt: Einkaufszettel statt Schaufensterbummel. Für 34 Prozent sei der Preis das Hauptmotiv, für 30 Prozent das fehlende Angebot anderswo. Spontan kaufe nur knapp jeder Fünfte, im gesamten dänischen Online-Handel dagegen mehr als jeder Dritte.

Amazon gewinnt im dänischen E-Commerce weiter an Reichweite, obwohl der Konzern weder einen lokalen Marktplatz noch eine Amazon.dk-Domain betreibt. Nach einer Analyse des dänischen Industrieverbandes, über die Ecommercenews.eu berichtet, haben 15 Prozent der aktiven dänischen Online-Shopper in den vergangenen sechs Monaten bei Amazon bestellt. Vor einem Jahr waren es 13 Prozent, 2023 erst zehn Prozent. Damit hat Amazon in Dänemark zum nordischen Online-Händler Boozt aufgeschlossen.

Wachstum ohne eigenen Landesauftritt

Der Befund ist bemerkenswert, weil dänische Kundinnen und Kunden ihre Bestellungen in der Regel über ausländische Amazon-Websites abwickeln. Dennoch steigt die Bekanntheit der Marke kontinuierlich: 2026 kannten 74 Prozent der dänischen Online-Shopper Amazon, nach 71 Prozent im Jahr 2025 und 70 Prozent im Jahr 2023. Besonders hoch ist die Bekanntheit bei den 18- bis 30-Jährigen mit 88 Prozent. In der Altersgruppe ab 56 Jahren liegt sie bei 62 Prozent. Grundlage der Analyse ist eine Befragung des Forschungsinstituts Epinion unter 3.035 dänischen Verbraucherinnen und Verbrauchern im zweiten Quartal 2026. Alle Befragten waren über 18 Jahre alt und hatten im Vormonat online eingekauft.

Gezielte Suche statt spontaner Warenkorb

Die Daten zeigen ein klares Nutzungsmuster: Amazon wird in Dänemark vor allem für konkrete Produktrecherchen genutzt. Für 34 Prozent der Kundschaft war der Preis das wichtigste Kaufmotiv, 30 Prozent fanden das gesuchte Produkt anderswo nicht, 27 Prozent nannten das größere Sortiment. Die Kaufentscheidung wirkt damit stärker geplant als im übrigen Onlinehandel. Nur 19 Prozent der Amazon-Käufe waren Impulskäufe; im gesamten dänischen Onlinehandel liegt dieser Anteil bei 36 Prozent. Zudem überlegten 63 Prozent der Amazon-Kunden bis zu einer Woche vor dem Kauf, während es im E-Commerce insgesamt 48 Prozent waren.

Auch die Produktstruktur unterstreicht den zweckorientierten Charakter der Bestellungen. Elektronik und elektrische Geräte machten 23 Prozent der zuletzt getätigten Amazon-Käufe aus. Bücher, Filme, Musik und Games folgten mit 15 Prozent, Produkte für Haushalt und Küche kamen auf 12 Prozent. Schnelle Lieferung war dagegen nur für 5 Prozent der Kunden der Hauptgrund für den Einkauf. Amazon-Käufe finden zudem seltener über Smartphones statt: Mobile Geräte wurden bei 38 Prozent der Amazon-Bestellungen genutzt, im Onlinehandel insgesamt bei 50 Prozent.

Signal für dänische Händler und Marken

Für den dänischen Markt entsteht damit eine doppelte Herausforderung. Amazon zieht bereits Nachfrage ab, ohne lokal mit eigener Domain präsent zu sein. Zugleich kann die Plattform für dänische Marken ein zusätzlicher Vertriebskanal in Auslandsmärkten wie Deutschland und Großbritannien sein. Mie Bilberg, Senior Adviser für E-Commerce beim dänischen Industrieverband, fasst die Lage entsprechend nüchtern zusammen: Die Frage sei nicht mehr, ob Amazon nach Dänemark komme; Amazon sei bereits da. Der durchschnittliche Amazon-Warenkorb lag zuletzt bei 675 dänischen Kronen und damit leicht unter dem Gesamtwert im Onlinehandel von 698 Kronen.

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