Die deutsche Wirtschaft wächst 2026 voraussichtlich um 1,3 Prozent und damit deutlich kräftiger als im Frühjahr erwartet, meldet das Ifo-Institut. Den Schwung liefere allerdings vor allem die Industrie mit ihren Exporten, der private Konsum komme kaum vom Fleck. Der Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs nage weiter an der Kaufkraft. Erst 2027 solle der Konsum mit den real verfügbaren Einkommen moderat zulegen, bei einer Inflation von 3,2 Prozent. 2028 stoße der Aufschwung mit 0,4 Prozent Wachstum an eine demografische Grenze.
Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit Ende 2025 wieder im Aufschwung, bleibt aber anfällig. Nach der Gemeinschaftsdiagnose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute wächst das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt 2026 voraussichtlich um 1,3 Prozent. Damit fällt die Prognose deutlich besser aus als im Frühjahr: Für 2026 wurde sie um 0,7 Prozentpunkte angehoben, für 2027 um 0,2 Prozentpunkte. Das Ifo-Institut verweist zugleich auf ein schmales Fundament der Erholung.
Industrie und Exporte tragen den Aufschwung
Der stärkste Impuls kommt aus dem Auslandsgeschäft und dem Verarbeitenden Gewerbe. Exporte und industrielle Wertschöpfung entwickelten sich im ersten Halbjahr 2026 kräftiger als erwartet. Gestützt wurde die Konjunktur durch eine robuste Weltwirtschaft, den weltweiten KI-Boom und Produktionsausfälle bei Wettbewerbern aus der Golfregion infolge des Iran-Kriegs. Auch der Staatsverbrauch legte deutlich zu. Unternehmensinvestitionen und privater Konsum blieben dagegen schwach.
Der Energiepreisschock durch den Iran-Krieg belastet die Kaufkraft weiter. Höhere Preise für Kraftstoffe und Heizöl sind bislang zwar kaum auf die übrigen Verbraucherpreise übergesprungen. Für Haushalte dämpfen sie dennoch die Ausgabenspielräume. Der private Konsum kommt daher 2026 kaum voran und soll erst 2027 mit steigenden real verfügbaren Einkommen moderat zulegen.
Niedrigwasser bremst die Erholung kurzfristig
Im dritten Quartal verliert die Erholung vorübergehend an Tempo. Zwar hellten sich die Stimmungsindikatoren weiter auf, die harten Konjunkturdaten fielen am aktuellen Rand jedoch schwächer aus. Besonders das seit Mitte Juli anhaltende Niedrigwasser behindert die Produktion in der Chemischen Industrie. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im dritten Quartal nur um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen sein.
Ab dem vierten Quartal erwarten die Institute eine Entspannung, sofern sich die Pegelstände normalisieren. Dann sollen die Produktionshemmnisse nachlassen. Die weitere Erholung wird durch robuste Auslandsnachfrage sowie steigende öffentliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur gestützt. Für 2027 rechnen die Institute mit einem BIP-Plus von 1,1 Prozent. Wohnungsbauinvestitionen dürften allmählich anziehen, die private Investitionstätigkeit bleibt insgesamt aber schwach.
Demografie setzt dem Wachstum Grenzen
Für 2028 erwarten die Institute nur noch 0,4 Prozent Wachstum. Dann tritt stärker zutage, dass das Erwerbspersonenpotenzial demografiebedingt schrumpft und das Potenzialwachstum sinkt. Bereits geringe Zuwachsraten können künftig ausreichen, um die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten auszulasten. Am Arbeitsmarkt kommt die Erholung verzögert an: Die Erwerbstätigkeit sinkt zunächst weiter, während die Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent im Jahr 2026 auf 6,2 Prozent 2027 und 5,8 Prozent 2028 zurückgehen soll.
Die Inflation steigt nach Einschätzung der Institute von 2,8 Prozent im Jahr 2026 zunächst auf 3,2 Prozent im Jahr 2027 und fällt 2028 auf 2,0 Prozent. Zugleich wächst der Druck auf die Finanzpolitik. Das staatliche Finanzierungsdefizit soll von 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr auf 4,7 Prozent im Jahr 2028 steigen; der Zuwachs der Nettoprimärausgaben dürfte den europäischen Ausgabenpfad deutlich überschreiten.
