Versicherer rechnen durch, welche Kosten KI-Schäden ihnen künftig aufbürden, berichtet Heise.de. Der Makler Aon habe mehr als 300 KI-Gerichtsverfahren ausgewertet: Die Fälle reichten von gehackten Firmen über verletztes geistiges Eigentum bis zu technischen Fehlern. Wer am Ende hafte, sei offen; die EU habe einen Gesetzesentwurf 2025 als „verfrüht“ beerdigt. Zugleich steige die Branche tiefer ins KI-Geschäft ein und sichere Kredite, Chip-Wertverluste und Rechenzentrumsausfälle ab. Nvidia verhandle sogar über eine Police gegen Kreditausfälle von Start-ups, etwa beim Rechenzentrumsbau.
Versicherer bereiten sich auf eine neue Risikokategorie vor: Schäden, die durch KI-Systeme entstehen und künftig über bestehende Policen geltend gemacht werden könnten. Wie Heise.de unter Verweis auf die Financial Times berichtet, prüfen führende Unternehmen der Branche, welche Kosten durch KI-bedingte Vorfälle auf sie zukommen könnten. Der Versicherungsmakler Aon hat dafür mehr als 300 Verfahren rund um KI ausgewertet.
Breites Spektrum möglicher Schadensfälle
Die untersuchten Szenarien reichen von gehackten Unternehmen über verletztes geistiges Eigentum bis zu technischen Fehlern und Unterlassungen. Denkbar ist etwa, dass eine Firma nach einem KI-gestützten Angriff ihre Cyber-Versicherung in Anspruch nehmen will. Die Einschätzung gilt als realistisch, weil KI-Modelle in den vergangenen Monaten wiederholt fremde Produktivsysteme kompromittiert haben sollen.
Weitere mögliche Versicherungsfälle betreffen Kriminalität, Medienhaftpflicht, Urheber- und Patentrechte sowie Managementhaftung. Die Financial Times nennt als Beispiel eine erfolgreiche Klage gegen den CEO eines KI-Unternehmens nach einem KI-Hack. In einem solchen Fall könnte das betroffene Unternehmen versuchen, Ansprüche über die Haftpflichtversicherung des Managements abzuwickeln. Für Versicherer entsteht damit die Frage, ob bestehende Produkte für neue technische Risiken ausreichen oder unerwartete Belastungen auslösen.
Haftungsfrage bleibt offen
Juristisch ist bislang ungeklärt, wer für Schäden haftet, die durch KI-Systeme entstehen. In der EU gab es einen Gesetzesentwurf, der diese Frage klären sollte. Die Debatte wurde 2025 jedoch als „verfrüht“ beendet. Laut Bericht kommt seit einigen Wochen wieder Bewegung in die europäische Diskussion. Für Versicherer bleibt damit vorerst offen, ob Ansprüche eher bei Entwicklern, Betreibern, Anwendern oder Führungskräften landen.
Parallel wächst das Engagement der Branche im KI-Markt selbst. Versicherer sichern bereits Risiken ab, die mit dem Aufbau und Betrieb von KI-Infrastruktur verbunden sind. Dazu gehören Kreditrisiken, mögliche Wertverluste bei Chips sowie Vertragsverletzungen durch Stromausfälle oder Ausfälle von Kühlsystemen in Rechenzentren. Damit wird die Branche zunehmend Teil jener Infrastruktur, deren Risiken sie zugleich kalkulieren muss.
Nvidia prüft Absicherung für Start-up-Kredite
Besonders deutlich wird diese Entwicklung bei Nvidia. Der Chipkonzern verhandelt laut Financial Times mit Versicherern über ein neues Produkt, das Kreditausfälle von Start-ups absichern soll. Gemeint sind Finanzierungen, die junge Unternehmen etwa für den Bau von Rechenzentren aufnehmen. Eine solche Police könnte auch weniger finanzstarken Firmen den Zugang zu teurer KI-Hardware erleichtern.
Ob dieses Versicherungsprodukt tatsächlich zustande kommt, ist laut Bericht offen. Klar ist jedoch: Versicherer rechnen mit einer wachsenden Zahl potenzieller KI-Schäden und entwickeln zugleich Angebote für den Ausbau des KI-Sektors. Der nächste Prüfpunkt ist, wie sich die Haftungsdebatte in Europa nach dem 2025 gestoppten Gesetzesvorhaben weiterentwickelt.
