Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,5 auf 1,3 Prozent angehoben, berichtet Manager-Magazin.de. Die Wirtschaft habe Iran-Krieg und teure Energie besser verkraftet als erwartet, das Plus stütze sich vor allem auf Exporte, staatliche Investitionen und Verteidigungsausgaben. Für 2027 erwarte Berlin 1,1 Prozent, für 2028 nur noch 0,6 Prozent.
Die Bundesregierung blickt deutlich optimistischer auf die deutsche Konjunktur als noch im Frühjahr. Für 2026 hebt sie ihre Wachstumsprognose von 0,5 auf 1,3 Prozent an, wie Manager-Magazin.de berichtet. Das Wirtschaftsministerium begründet die Korrektur mit einer robusteren Entwicklung, als nach Iran-Krieg und stark gestiegenen Energiepreisen zunächst erwartet worden war.
Exporte und Staatsausgaben stützen die Erholung
Das erwartete Plus beruht vor allem auf Exporten, staatlichen Investitionen und höheren Verteidigungsausgaben. Der Außenhandel konnte zeitweise von weltweiten Engpässen profitieren. Käufer legten demnach zusätzliche Lagerbestände mit energieintensiven Gütern an, die in Deutschland produziert wurden. Auch steigende Ausfuhren in den EU-Binnenmarkt trugen zur besseren Einschätzung bei.
Die Konjunktur bleibt dennoch anfällig. Für 2027 rechnet die Bundesregierung nun mit 1,1 Prozent Wachstum, zuvor waren 0,9 Prozent erwartet worden. Für 2028 liegt die Prognose nur noch bei 0,6 Prozent. Die weitere Entwicklung hängt laut Bundesregierung wesentlich vom Verlauf der geopolitischen Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine ab.
Reiche fordert Strukturreformen
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betonte vor Veröffentlichung der Herbstprojektion, das Wachstum stehe auf wackligen Beinen. „Die Lage bleibt fragil“, sagte die CDU-Politikerin im Bundestag. Deutschland werde von externen Krisen wie dem Iran-Konflikt belastet, habe aber zugleich eigene Aufgaben zu lösen.
Reiche nannte flexiblere Arbeitszeiten, stabile Sozialabgaben, weniger Bürokratie und wettbewerbsfähige Energiepreise. Die schwarz-rote Koalition steht damit vor politisch schwierigen Wochen. Vor allem Maßnahmen am Arbeitsmarkt und die geplante Rentenreform sind umstritten.
Verbände warnen vor schwacher Dynamik
Auch führende Wirtschaftsforschungsinstitute hatten ihre Prognose Ende September auf 1,3 Prozent angehoben. Im Frühjahr hatten sie noch vor einem Energiepreisschock gewarnt. Die Folgen des Iran-Kriegs fielen geringer aus als befürchtet, der Aufschwung stehe jedoch auf einem schmalen Fundament.
Der Außenhandelsverband BGA sieht die Erholung ebenfalls noch nicht gefestigt. Laut einer Verbandsumfrage hat sich die Geschäftslage der Unternehmen verbessert. Viele Firmen hätten Beschaffungs- und Vertriebswege diversifiziert und sich an die Krisen angepasst. BGA-Präsident Dirk Jandura sagte, die Unternehmen sähen wieder Licht am Ende des Tunnels, führen aber weiter mit angezogener Handbremse.
Im Außenhandel zeigte sich bereits im August eine Abschwächung. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sanken die Exporte kalender- und saisonbereinigt um 0,8 Prozent auf 137,6 Milliarden Euro. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier kritisierte, handelspolitische Unsicherheiten und strukturelle Standortnachteile bremsten die Exportwirtschaft erneut aus. DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov warnte, der Aufschwung sei teuer erkauft und beruhe stark auf schuldenfinanzierten Staatsausgaben. Für 2028 steht in der Regierungsprognose nur noch ein Wachstum von 0,6 Prozent.
